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Sami Hyypiä Ein Praktikant zum Aufschauen

 ·  Beim HSV tritt Leverkusen an diesem Sonntag das erste Mal mit einem neuen Trainergespann an. Sami Hyypiä soll Leverkusens Saison retten - ohne Erfahrung als Coach. Für die Detailarbeit ist sein Partner zuständig.

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© dpa Sami Hyypiä grübelt über den richtigen Weg nach

Am Rand des Trainingsplatzes, auf einer Art Empore, ist der neue Trainer, sind die neuen Trainer von Bayer Leverkusen das Gesprächsthema Nummer eins. „Der Kleine da hinten, ist das der Lewandowski?“, fragt jemand. Sein Nebenmann weiß, wer gemeint ist, beantwortet die Frage aber differenziert. „Der ist gar nicht so klein, der Hyypiä ist nur so groß.“

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Sami Hyypiä, der frühere Abwehrstratege, seinem Kompagnon Sascha Lewandowski um Längen voraus, nicht nur, weil er ihn optisch überragt. In Fachkreisen abseits aber gilt der weniger bekannte von beiden als überragend, und gemeinsam haben sie den Auftrag, eine angeschlagene Gruppe hoch bezahlter Fußballspieler darauf zu trimmen, wenigstens das Minimalziel des Klubs zu erreichen, also die Qualifikation für die Europa League. Und sie sollen die „resignative Grundstimmung“ vertreiben, die Wolfgang Holzhäuser, der Geschäftsführer der Fußballsparte im Bayer-Konzern, zuletzt beklagt hat. Eine Serie von fünf verlorenen Pflichtspielen hatte die atmosphärischen Störungen zuletzt so verstärkt, dass es zur Ablösung des Trainers Robin Dutt kam.

Crash-Kurs „Fußball-Lehrer“

Über Nacht präsentierte der Klub als Trainerteam zwei unterschiedliche Männer, die sich bisher kaum kannten, obwohl sie seit fast drei Jahren im selben Verein arbeiten. Hyypiä blickt auf eine veritable Karriere im internationalen Fußball zurück. Er bringt eine natürliche Autorität ein, die ihm schon als Spieler zu hohem Ansehen verholfen hat - zehn Jahre beim englischen Spitzenklub FC Liverpool, danach in Leverkusen.

Schon in den späten Jahren seiner aktiven Zeit eilte dem Finnen der Ruf voraus, er denke wie ein Trainer. Als er noch auf dem Rasen die Abwehr organisierte, „war Hyypiä der verlängerte Arm von Jupp Heynckes“, dem Vorgänger Dutts, sagt Sportdirektor Rudi Völler. „Die Spieler schauen zu ihm auf. Wir sind davon überzeugt, dass Sami das Ruder herumreißen kann. Er genießt unser volles Vertrauen.“ Aber Hyypiä ist kein Trainer, schon gar kein Fußball-Lehrer.

Der Achtunddreißigjährige absolviert gerade seine Ausbildung, das ist Bestandteil des Hospitantenvertrages, den er vor dieser Saison von Bayer erhalten hatte, mit der Option, danach Co-Trainer der „Werkself“ zu werden. Dass so rasch ein sechswöchiges Praktikum unter verschärften Bundesligabedingungen dazu kommen würde, konnte niemand ahnen. „Das kam ein bisschen überraschend für mich“, sagt Hyypiä. „Nach diesen sechs Wochen werde ich wissen, was es heißt, für eine Mannschaft verantwortlich zu sein.“ Damit der Crash-Kurs „Fußball-Lehrer“ nicht zu heftig wird, bekommt er Lewandowski zur Seite gestellt, der sich bei Bayer und zuvor in Bochum als Juniorentrainer etabliert hat.

Wer ist eigentlich wessen Vorgesetzter?

Hyypiä gibt dem Leverkusener Notfallplan sein kantiges Gesicht, Lewandowski steuert das Detailwissen bei - und die Lizenz, die in diesem Geschäft keine unbedeutende Formalie mehr ist. Ein Auszubildender mit großem Namen und ein großer Unbekannter ohne Spielerkarriere als Entree - nicht gerade die klassische Konstellation auf den Trainerbänken deutscher Spitzenklubs.

„Manchmal muss man außergewöhnliche Wege gehen“, sagt Holzhäuser. Und hofft, eine Lösung gefunden zu haben, die sich über das Ende der Saison hinaus zu einem tragfähigen Modell entwickelt. „Ich gehe davon aus, dass es gut läuft, dann wäre es unser Wunsch, mit den beiden weiterzumachen.“ So gut das ungleiche Trainerpaar für den Anfang harmonieren mag - eine Frage stellt sich früher oder später: Wer ist eigentlich wessen Vorgesetzter, wer hat das letzte Wort, wer stellt die Mannschaft auf? Das Management beantwortet die Frage salomonisch: Beide besäßen den Status eines Chefs. Hyypiä sei Teamchef, Lewandowski Cheftrainer. Auch öffentliche Auftritte werden geteilt. Bei der Pressekonferenz am Spieltag sitzt Lewandowski auf dem Podium, vor den Spielen tritt Hyypiä auf.

Bei dieser Arbeitsteilung geht es weniger darum, die öffentliche Aufmerksamkeit möglichst gerecht zu verteilen. „Für solche Befindlichkeiten haben wir gar keine Zeit“, sagt Lewandowski. Eher geht es darum, gewappnet zu sein, falls der Verdacht aufkommen sollte, de facto sei der Teamchef auch der verantwortliche Trainer, was gegen das Reglement verstieße. Wer aber entscheidet nun im Zweifelsfall, wenn sich die beiden Chefs auf der Bank nicht einig sind? „Dann machen wir Schnick-schnack-schnuck“, sagt Lewandowski, „das ist doch gerade in Mode.“ Hyypiä hat einen Vorschlag, der nicht weniger originell klingt. „Wir gehen mit einem Lächeln zu Rudi Völler und lassen den Sportdirektor entscheiden.“

Hospitant Teamchef und Vertrauensmann

Während der Übungsstunden unterbrechen Trainer und Teamchef das Spiel, sie gestikulieren und korrigieren - Hyypiä vielleicht ein wenig auffälliger, auch häufiger, aber so etwas muss nicht unbedingt von einer hierarchischen Ordnung zeugen. Nach dem Abpfiff des Trainingsspiels bietet sich jedoch ein Bild, das erahnen lässt, wer die Abteilung Stars in diesen ersten Tagen zur Chefsache macht: Die meisten Spieler trotten vom Rasen in Richtung Umkleide, und auch der Cheftrainer ist schon verschwunden.

Nur noch drei Männer stehen am Rande des Platzes, sprechen angeregt miteinander, untermalen ihre Worte mit Armbewegungen, die sich manchmal zu einem Rudern steigern. Obwohl es kühl und ein bisschen windig ist, reden und rudern sie mehrere Minuten lang. Die drei Männer sind Hyypiä, Mannschaftskapitän Simon Rolfes und Michael Ballack, der sechs Wochen verletzt war, seit Dienstag aber wieder am Mannschaftstraining teilnimmt und vielleicht schon an diesem Sonntag im Auswärtsspiel gegen den HSV sein Comeback gibt.

„Wenn er fit ist, kann Michael eine gute Möglichkeit für uns sein“, sagt Hyypiä. „In schweren Zeiten brauchst du erfahrene Spieler.“ Ballack und Rolfes, die beide mit Dutt nicht besonders gut auskamen, fühlen sich offenbar angesprochen, verstanden - und gebraucht. „Es ist ein großer Vorteil, dass Sami uns gut kennt“, sagt Rolfes. „Ich bin davon überzeugt, dass er die Mannschaft nach vorne bringen kann.“ Er? Die Altvorderen unter den Profis scheinen sich fürs Erste an einen Chef zu halten, den sie besser kennen. Hyypiä ist nicht nur Hospitant und Teamchef, sondern auch ihr Vertrauensmann.

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