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Veröffentlicht: 11.01.2013, 17:00 Uhr

Sahin in Dortmund Der Heimkehrer

Kurz nach achtzehn Uhr trat Nuri Sahin durch die Tür. Der türkische Nationalspieler, der Westfale. Die Rolle des Heimkehrers spielt er mit reichlich Pathos.

von Richard Leupold, Dortmund
© dapd Daheim: Nuri Sahin bei der Pressekonferenz in Dortmund

Borussia Dortmund hat so lange wie möglich versucht, den Coup geheim zu halten. Die äußerst kurzfristige Einladung zur Pressekonferenz für Freitagabend, die vier Stunden vor dem Termin versendet wurde, enthielt nur Uhrzeit und Ortsangabe. Wer auf dem Podium zu sprechen sein würde, behielten die Borussen für sich. Sie wollten es spannend machen bis zum Schluss. Das ist ihnen (fast) gelungen - bis im Laufe des Nachmittags durchsickerte, dass ein bekannter und beliebter BVB-Profi nach Dortmund zurückkehren werde, der sein Glück in Spanien und England gesucht, aber nicht gefunden hat.

Ein Leihgeschäft

Kurz nach achtzehn Uhr trat, wie erwartet, Nuri Sahin durch die Tür, der zuletzt für den FC Liverpool und davor für Real Madrid gearbeitet, sich aber weder in der Primera Division noch in der Premier League durchgesetzt hatte. Der deutsche Meister leiht Sahin zunächst für ein halbes Jahr von Real Madrid aus und besitzt die Option, das Leihgeschäft anschließend für zwölf Monate fortzusetzen. Bei den „Königlichen“ steht Sahin noch bis Juni 2017 unter Vertrag. Auch ein endgültiger Transfer scheint nicht ausgeschlossen.

Insoweit halte Borussia Dortmund „das Lenkrad in der Hand“, behauptet Michael Zorc, der Sportdirektor des BVB. Voraussetzung für eine Rückkehr war aus Dortmunder Sicht der „unbedingte Wille“ Sahins, wie Zorc schon vor einer Weile gesagt hatte. Dieser feste Vorsatz äußerte sich offenbar auch in den Gehaltsvorstellungen. „Nuri hat sich komplett wieder auf die finanziellen Möglichkeiten von Borussia Dortmund eingelassen“, sagte Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Er hat ganz signifikant auf Geld verzichtet. Ich bin froh, dass es geklappt hat.“

Nuri Sahin Sein letztes Spiel für den BVB machte Sahin im April 2011 © dpa Bilderstrecke 

Sahin spielte die Rolle des Heimkehrers mit reichlich Pathos. Vor lauter Aufregung habe er „nur drei oder vier Stunden geschlafen und so schnell wie möglich nach Hause gewollt“, sagte der türkische Nationalspieler, der im Sauerland, also unweit von Dortmund geboren ist. Als er beim Medizincheck den Schwestern im Krankenhaus begegnet sei, habe er gespürt, „wieder zu Hause zu sein“.

Mitte der Woche hatte Hans-Joachim Watzke noch versucht, den bevorstehenden Transfer als eine Erfindung der Medien hinzustellen. „Das löst bei mir teilweise Belustigung und Kopfschütteln aus“, sagte er, als er auf verschiedene Spekulationen angesprochen wurde, die auch einen Wechsel Sahins betrafen. Wenige Tage später herrschte mancherorts Kopfschütteln über diese Aussage. Während Sahin zugab, schon länger mit einer Rückkehr geliebäugelt zu haben, behauptete Watzke, „erst 48 oder 49 Stunden vor dem Abschluss ein Zeichen von Real Madrid“ erhalten zu haben.

Die zweite Rückkehr

Sahin kehrt schon zum zweiten Mal in seiner Karriere nach Dortmund zurück. Vor acht Jahren hatte der damalige Trainer Bert van Marwijk ihn als zu jener Zeit jüngsten Debütanten in der Bundesliga eingesetzt. Nach vielversprechendem Beginn wurde der Aufstieg des Mittelfeld-Talents jedoch gestoppt; seine Leistung stagnierte. Sahin vermochte sich nicht durchzusetzen und wechselte nach Rotterdam. Aus den Niederlanden zurückgekehrt, avancierte er, von Jürgen Klopp anfangs verhalten aufgenommen, zum besten Bundesligaspieler auf seiner Position im defensiven Mittelfeld.

Nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft im Frühjahr 2011 ließ er sich von Real Madrid, dem vermutlich finanzstärksten Klub der Welt, abwerben. Von einer Verletzung zurückgeworfen, konnte Sahin sich dort nicht durchsetzen; er bestritt nur vier Partien und wurde im vergangenen Sommer zum englischen Traditionsklub FC Liverpool ausgeliehen. Auch in der Premier League vermochte er nicht Fuß zu fassen; er absolvierte nur acht Pflichtspiele. „Ich habe nicht so regelmäßig gespielt“, sagt Sahin jetzt, „aber kicken kann ich schon noch.“ Am liebsten in Dortmund. Bei diesem Verein habe er das Gefühl, jederzeit hundert Prozent seines Leistungsvermögens abrufen zu können.

Sahin: Niemandem dem Platz wegnehmen

„Ich stehe zur Verfügung“, sagt Sahin 562 Tage nach seinem Weggang. Für eine Position, die in Dortmund besonders gut besetzt ist. Sebastian Kehl, Sven Bender, Ilkay Gündogan und Moritz Leitner haben sich als Team stark genug gezeigt, auch in der Saison nach Sahins Weggang meisterlichen Fußball zu spielen und abermals den Titel zu gewinnen. Sahin sagt, er sei nicht gekommen, um jemandem den Platz wegzunehmen. Das jedoch fällt schwer zu glauben, denn genau das ist sein Job. Für den Fall dass es Sahin nicht gelingt, das neue Dortmund im Sturm zu erobern, bittet Zorc um Geduld. „Er hat zuletzt unregelmäßig gespielt. Aber er besitzt ein überragendes spielerisches Potential. Ich bitte darum, die Erwartungen am Anfang nicht zu hoch zu stecken.“

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Quelle: FAZ.NET mit dpa

 

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