18.03.2007 · Bayern München wollte bei Eintracht Frankfurt im Schongang drei Punkte entführen. Frankfurts einziger Torschuss in 90 Minuten durchkreuzte diesen Plan. Preuß' Fallrückzieher bestrafte ein von Bayern leidenschaftslos geführtes Spiel, in dem es um sehr viel ging.
Von Robin FehrenbachOliver Kahn hielt es nicht mehr aus. In der 59. Spielminute der Partie der Münchner Bayern bei Eintracht Frankfurt lief der Torwart aus seinem Strafraum, um seinen Vorderleuten lauthals die Meinung zu sagen. Das Machtwort des Kapitäns richtete sich nicht nur an die Innenverteidiger Lucio und Daniel van Buyten. Die beiden schoben sich viel zu weit nach vorne - an die Mittellinie und darüber hinaus.
Der 37 Jahre alte Kahn hatte mit der gesamtem Bayern-Mannschaft so seine Probleme. Die Spieler des Rekordmeisters bewegten sich schlecht und spielten uninspiriert. Ottmar Hitzfeld unterstützte seinen Spielführer, indem er von der Bank aufstand - eine absolute Ausnahme für den sonst so beherrschten Trainergeneral - und mit auf dem Rücken verschränkten Armen auf den Rasen schaute. Was Kahn und Hitzfeld zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen konnten: Anstatt Impulse für das eigene Offensivspiel zu setzen, wachten die 51.500 Zuschauer im ausverkauften ehemaligen Waldstadion auf und trieben ihre Mannschaft zum spektakulären 1:0 durch Preuß. Die Münchner mussten sich ab jener 59. Minute bei jedem Ballkontakt ein gellendes Pfeifkonzert anhören.
Kontrolliert, ballsicher, aber nicht zwingend
Erst jetzt gewann man den Eindruck, dass es bei diesem Klassiker der Fußball-Bundesliga auch tatsächlich um etwas geht. Die hessische Heimmannschaft benötigte jeden Punkt im Kampf um den Klassenverbleib, der Tabellenvierte wollte den Kontakt zu Spitzenreiter Schalke 04 zumindest bei einem konstanten Abstand von sechs Punkten halten. Doch eine Stunde lang war es ein Samstagnachmittag ohne besondere Höhepunkte. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass wir hier ein Gegentor kassieren“, sagte Hitzfeld nach dem Spiel.
Der Meistertrainer konnte aber im Gegenzug auch nicht das Gefühl gehabt haben, dass seine Elf irgendetwas Zählbares zustande bringt. Die Bayern spielten ihren typischen Fußball, der zwar Kontrolle mit sich bringt, aber eben alles andere als zwingend ist. Bayern München war in seinem 4-4-2-System sehr gut organisiert und ballsicher, kam aber in der ersten Hälfte nur zu unplatzierten Kopfbällen von Makaay, Lucio und Salihamidzic. Dabei wäre bei einer Frankfurter Eintracht, die von Beginn an lediglich auf Schadensbegrenzung aus war, viel mehr drin gewesen. Trainer Friedhelm Funkel gab gute Gründe an, mit einer Dreierkette und einem kompakt gestaffelten Fünfer-Mittelfeld dem Bayern-Angriff zu begegnen: „Man kann es uns nicht verüblen, etwas defensiver gespielt zu haben. Aus den Niederlagen gegen Bremen und Stuttgart haben wir gelernt.“
„Wir haben das Spiel im Griff gehabt“
Das Frankfurter Mauern und Lauern auf eine Konterchance oder eine gefährliche Standardsituation hätte die Münchner daran hindern müssen, so leidenschaftslos zu agieren. Die Eintracht produzierte Fehler um Fehler, bei Abspielen, Eckbällen oder auch Flankenwechseln. Sie ließ einen Sicherheitsabstand voller Respekt zu den Gegenspielern zu und verlagerte das Spiel einschläfernd schleppend. Und wie reagierten die Bayern? So, als ob sie mit 70 Prozent ihres Leistungsvermögens irgendwann schon noch zu ihrem obligatorischen Treffer kommen würden. Oder, um es mit Bastian Schweinsteiger zu sagen: „Wir haben das Spiel im Griff gehabt.“
Unter der Woche hatte Hitzfeld seinen Vertrag als Cheftrainer um ein Jahr verlängert - auch weil das Gros der Spieler und Verantwortlichen geradezu um ein Weitermachen des Übungsleiters gebettelt hatte. Neun Spieltage vor Schluss eine solch wichtige Personalentscheidung zu verkünden, sollte die Mannschaft sicherlich zusätzlich motivieren, nach der Meisterschale zu greifen. Davon war jedoch in Frankfurt wenig zu spüren. Im Spiel selbst versuchte Hitzfeld ebenfalls, Schwung in sein Starensemble zu bringen. Pizarro, Görlitz und Scholl kamen in die Partie, ohne sonderlich aufzufallen. „Unsere Spitzen brauchen mehr Unterstützung aus dem Mittelfeld. Hargreaves, Schweinsteiger und van Bommel müssen mehr bringen“, klagte Hitzfeld. „Es fehlt uns an Kreativiät, an Präzision, und die Seiten sind stumpf.“
Hitzfeld wahrt Haltung
Ein wenig Pech hatten die Bayern aber auch. Van Bommels Schuss in der zweiten Halbzeit zischte nur knapp am Kasten Oka Nikolovs vorbei, dies sollte Bayerns größte Chance sein. Schiedsrichter Weiner hätte abgesehen davon auch zwei Elfmeter für die Münchner pfeifen können. „Ein Elfmeter wäre die korrekte Entscheidung gewesen. Aber wir müssen die Schuld bei uns suchen und nicht beim gelben Mann“, sagte Mark van Bommel. Und so kam es, wie es kommen musste: Nachdem um 17.03 Uhr Schalkes 1:0 gegen Stuttgart über den Videowürfel eingeblendet worden war, zappelte der Ball 60 Sekunden später bei den Bayern im Netz. Ein herrlicher Fallrückzieher von Christoph Preuß gegen einen verdutzten Lucio.
An diesem 17. März 2007 könnte sich also im Nachhinein die Meisterschaft für die Gelsenkirchener und gegen die Bayern entschieden haben. Die Stimmung der Verantwortlichen war dementsprechend: Co-Trainer Michael Henke ging Fingernägel kauend in die Kabine; Manager Hoeneß wollte mit hochrotem Kopf auch nicht sprechen. Einzig Ottmar Hitzfeld wahrte im feinen Zwirn Haltung und sagte: „Wir haben eine bittere Niederlage, einen Rückschlag erlitten. Gegen Bremen haben wir schon zwei Punkte liegen lassen.“ Man müsse sich nun wieder auf das primäre Ziel konzentrieren, einen Champions-League-Platz zu erreichen.
Bayern, wie ueblich unbeherrscht ..
Axel Giesa (Mainstreet)
- 19.03.2007, 11:12 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |