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Robben oder Müller? Rakete gegen Raumdeuter

 ·  Bayern-Trainer Heynckes muss nur eine knifflige Aufgabe lösen: Wer macht das Rennen auf der rechten Außenbahn? Rückkehrer Robben oder Stammkraft Müller?

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© dpa Robben oder Müller: Wer muss in der Rückrunde vom Platz?

Es passiert nicht oft, dass sich Thomas Müller verwirren lässt. Der Mann ist in der Regel auf Zack, und in diesem Fall war es nachvollziehbar, dass er die Stirn in Falten legte. Als er nach einer Trainingseinheit in Doha von einem jugendlichen arabischen Fan gebeten wurde, auf dessen Trikot zu unterschreiben, setzte der Bayern-Star den Stift bereits an, als ihm der Junge das Schreibgerät völlig unvermittelt einfach noch einmal aus der Hand nahm, um es gegen ein anderes auszutauschen. „Warum nimmst mir jetzt den Stift einfach weg?“, fragte Müller in seinem bairisch eingefärbten Deutsch, was der Fan natürlich nicht verstand. Für einen kurzen Moment schaute er ebenso verdutzt wie Müller zuvor drein.

Ob es in der Rückrunde so leicht sein wird, Thomas Müller etwas wegzunehmen, wird eine der spannendsten Fragen der anstehenden Halbserie - neben der Frage, wer am Ende öfter verdutzt dreinschauen wird. Der deutsche Nationalspieler oder Arjen Robben, der noch immer als Topstar firmiert, obwohl er sein Ausnahmekönnen schon lange nicht mehr beweisen durfte?

Der Niederländer gehört seit dem Auftakt des Trainingslagers in Qatar wieder zum festen Teil der Bayern-Belegschaft, nachdem er die Hinrunde wieder wegen Rückenschmerzen nahezu komplett verpasst hat. Beim 4:0-Testspielsieg am Samstag in Doha gegen den qatarischen Meister Lekhwiya kam Robben schon mal nach der Pause zum Einsatz und übernahm von Philipp Lahm die Kapitänsbinde. Er breitete zwei Treffer vor. Doch Robben hat eigentlich ein Problem, denn in seiner Abwesenheit hat die Konkurrenz nicht geschlafen. Müller konnte sich nach einem schwächeren Jahr bemerkenswert zurückmelden und firmiert derzeit als bester Scorer der Liga. „Für mich war seine Vorrunde Weltklasse“, sagt Jupp Heynckes.

„Arjen muss erst noch aufholen“

Der Trainer des FC Bayern München hat einen Kader, in dem eigentlich alle Terrains gut abgesteckt sind. Und so hat er von nun an lediglich eine knifflige Frage zu lösen: Wer macht das Rennen auf der rechten Außenbahn? Robben, der früher als menschgewordene Rakete Schrecken beim Gegner verbreitet hat? Oder Müller, der sich als Raumdeuter bezeichnet und seit Sommer auf den Plätzen wieder in Räume vorstößt, die nur er zu nutzen weiß? In den ersten Tagen in Doha machten beide einen starken Eindruck, trafen in den Übungskicks mehrfach.

Jupp Heynckes blickt seiner wohl heikelsten Aufgabe der Rückrunde derzeit gelassen entgegen. Er sei froh, dass Robben wieder dabei sei, sagt er und verweist auf die vielen Spiele, die das neue Jahr mit sich bringt. „Ich werde von allen meinen Profis Gebrauch machen“, versichert der Coach, lässt aber auch eine gewisse Hackordnung erkennen: „Arjen muss erst noch aufholen, er war lange nicht dabei - und Thomas spielt wieder so, wie er 2010 gespielt hat.“ 2010 wurde Müller am Ende Torschützenkönig und beste WM-Nachwuchskraft.

Bereit für die Attacke

Arjen Robben steht erstmals seit seinem Dienstantritt in München vor der Aufgabe, sich zunächst als Herausforderer positionieren zu müssen. Das hat er generell noch nicht oft erlebt in seiner Karriere, und es wird spannend, wie er mit der komplexen Sachlage umgeht: Er darf nicht noch mehr verlorenes Terrain preisgeben, gleichzeitig darf er seinem Körper nicht zu viel zumuten. Schon öfter wurde sein Ehrgeiz mit Rückschlägen bestraft. In Doha wies Heynckes seinen Trainerstab extra an, auf die Spieler zu achten, dass sich keiner verheizt.

Bereits vor der Winterpause hat der Trainer den Niederländer vor einem zu schnellen Comeback bewahrt. „Wir haben gemeinsam entschieden, dass er erst in Doha wieder voll einsteigt“, schilderte Heynckes die Vorgehensweise, „Arjen macht einen sehr guten Eindruck. Er hat seine Hausaufgaben über die Feiertage gemacht.“ Der Flügelflitzer verbrachte Weihnachten in Dubai, er flog von dort ins Trainingslager ein. Nur faul am Strand lag er am Persischen Golf aber keineswegs. Die Bayern hatten ihm ein Extraprogramm für den maladen Rücken auf den Leib geschneidert, das setzte er fleißig um. „Es passt jetzt alles perfekt“, sagt Robben. Er ist bereit für die Attacke: „Wenn ich gesund bin, weiß jeder, was ich kann. Dann werde ich auch spielen. Ich habe keine Angst.“ Eine erste Kampfansage an Müller.

Allerdings scheint Robben zu spüren, dass es dieses Mal nicht reicht, nur auf seine alten Meriten zu verweisen. In Doha hat er nun sogar laut darüber nachgedacht, für die Bayern auf das eine oder andere Länderspiel zu verzichten. Bisher waren die Trips zum Oranje-Team den Münchnern stets ein Dorn im Auge, einige seiner schwersten Verletzungen brachte der Außenbahnspieler von seiner Heimat mit an die Isar. „Ich bin stolz, für mein Land zu spielen“, sagte Robben in Qatar. „Ich sage nicht: Ich komme nicht zur Nationalmannschaft, das geht ja nicht. Aber ich habe auch Verständnis für den Verein, weil man bei manchen Reisen eben einfach aus dem Rhythmus kommt. Das gilt für mich wie für andere Spieler. Ein Rücktritt oder ein Abmelden ist für mich kein Thema.“

Offenbar erwägt er jedoch, in manchen Phasen auf Einsätze in der Nationalmannschaft zu verzichten. Es wäre ein Entgegenkommen, das die Bosse in Bayern goutieren würden. Robben weiß, dass er in der Bringschuld ist. Im Sommer hatte ihn Matthias Sammer im Trainingslager am Gardasee noch in höchsten Tönen gelobt; der neue Sportchef sah in dem Niederländer einen Mann, den er in die Verantwortung nehmen wollte. Doch diesem Anspruch wurde er nicht gerecht. Stattdessen startete Müller durch.

So kann der deutsche Nationalspieler die Kampfansagen und Gedankenspiele von Robben locker auspendeln. Sein Trainer gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn es um Müller geht. So etwas stärkt das eh schon große Selbstvertrauen. Neulich saßen Heynckes und er zusammen. „Da sagte Thomas zu mir: ,Trainer, mir fällt der Ball jetzt endlich wieder so vor die Füße wie früher’. Ich sagte ihm, das sei nicht richtig - er sucht einfach den Ball wieder so wie früher. Er ist ein Spieler, der hier beim FC Bayern eine Epoche prägen kann. Jetzt ist er wieder viel wacher und agiler.“ Es ist fraglich, ob er sich noch oft überrumpeln lässt - da muss Robben schon flink sein.

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