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Rhein-Main-Derby Lieber Unruhestifter als Roboter

06.12.2009 ·  Maik Franz war der „Mann des Abends“ beim 2:0-Sieg der Frankfurter Eintracht im Rhein-Main-Derby gegen Mainz. Der torhungrige Abwehrspieler zeigte dabei aber auch sein zweites Gesicht. Die unterlegenen Mainzer halten dieses Verhalten für „grenzwertig“.

Von Marc Heinrich, Frankfurt
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Die Rolle des stillen Genießers ist keine, die dem extrovertierten Maik Franz auf den Leib geschneidert ist. Er hatte seinen Spaß an diesem turbulenten Abend, ihm gefiel das Ergebnis des Rhein-Main-Derbys, und die ganze Fußball-Welt sollte seine Freude sehen: Jubelnd lief er nach dem 2:0-Heimsieg der Frankfurter Eintracht gegen Mainz 05 durch das Stadion und ballte immer wieder die Siegerfaust. Für die Verlierer, insbesondere Aristide Bancé, mit dem sich Franz zuvor ohne Unterlass beharkt hatte, war die zur Schau gestellte Selbstzufriedenheit eine letzte Brüskierung: Der Afrikaner verlor die Nerven und offenbarte seinen ganzen Unmut über den Ausgang der Partie mit einem gestreckten Mittelfinger in Richtung von Franz.

Bancé behauptete im Gespräch mit Reportern der SWR-Sportsendung „Flutlicht“ (Sonntagabend 21.45 Uhr), dass sein Gegenspieler ihn zu dieser Geste provoziert habe, weil er ihn wie während der 90 Minuten auch nach dem Schlusspfiff noch mit Verbalinjurien beleidigt habe. „Wenigstens nach dem Spiel hätte er sich doch einfach über den Sieg freuen sollen statt mich noch einmal zu provozieren“, sagte Bancé. „Da ist bei mir das Fass übergelaufen.“

„Das war ein geiles Spiel“, fasste hingegen Franz seine Gemütslage nach dem Erfolg zusammen, durch den sein Team im Tabellenmittelfeld den Mainzern auf den Fersen bleibt. Wann immer es in dem Nachbarschaftsduell hektisch wurde: Der 1,90 Meter große Verteidiger war mit von der Partie. Bancé, Milorad Pekovic, Chadli Amri - sie alle nahmen es mit dem Rauhbein auf, am Ende strahlte nur der Frankfurter, der seinem Ruf als „Iron Maik“ auf Schritt und Tritt gerecht wurde.

Mainzer halten Franz für grenzwertig

„Ich rede grundsätzlich nicht über Spieler des Gegners“, fasste sich der Mainzer Coach Thomas Tuchel zum Auftritt des Enfant terrible kurz. Wer ihm bei diesen Worten in die Augen schaute, der wusste: Auch er konnte seine Emotionen nur mit Mühe zügeln. Das Fehlverhalten von Bancé wollte der jüngste Trainer der Liga trotz allem nicht entschuldigen: „Da gibt es keine zwei Meinungen. Der Mittelfinger geht nicht. Ausrufezeichen.“ Doch Tuchel plädierte auf mildernde Umstände. „Bancé ließ sich provozieren. Davor wurde er in die Bande geschubst, mit Bierbechern beworfen. Da hatte sich verständlicherweise eine Menge Frust angestaut.“

Tuchel und Manager Christian Heidel ärgerten sich nach der ersten Niederlage seit zwei Monaten insbesondere über Felix Brych. Der Schiedsrichter hatte Amri nach einem Foul an Zlatan Bajramovic mit der Gelb-Roten Karte vom Feld (68. Minute) verwiesen, nachdem Franz die Hinausstellung vehement gefordert und dafür einen Sprint über vierzig Meter hingelegt hatte. „Seit heute weiß ich, warum die ganze Liga so über ihn redet“, meinte Heidel, „das Verhalten von Franz war mehrmals grenzwertig.“

Doch selbst in Unterzahl hätten die forschen Mainzer fast einen Punkt geholt, ehe Alexander Meier (90.) zum 2:0 traf. Im ersten Durchgang hatte ausgerechnet Franz mit dem Führungstor (29.) bewiesen, dass er nicht nur wegen seiner kompromisslosen Gangart für seine Elf besonders wertvoll ist; es war sein vierter Saisontreffer.

Die zwei Gesichter des Herrn Franz

Franz ist außerhalb des Sportplatzes ein freundlicher, gar höflicher Zeitgenosse, wie es unter seinen Kollegen nicht allzu viele gibt. Er legte einst erst das Fachabitur ab, ehe er beim VfL Wolfsburg sein Fußball-Glück suchte. Nach Frankfurt kam er im Sommer nach dem Abstieg des Karlsruher SC, obwohl im Frühjahr auch der Hamburger SV plötzlich um ihn buhlte. Er sagte aber dem Europa-League-Teilnehmer ab, auch wenn er dort mehr hätte verdienen können, „weil ich in Frankfurt im Wort stand“.

Der anständige Herr Franz besitzt aber noch ein zweites Gesicht. Ein böses, wie seine Kritiker sagen. Franz, so werfen sie ihm in der Rückschau auf den Samstag mit einer gewissen Berechtigung wieder vor, verwandele sich mit dem Anpfiff in einen anderen Menschen. Dann wird es unangenehm für alle, die sich ihm in den Weg stellen. Er ist robust, grätscht und kämpft bis zur Grenze der Legalität um den Ball. Dass Franz sein wichtigstes Arbeitsgerät als „Füßchen“ bezeichnet, dürfte auch seinen Mainzer Gegenspielern nur ein gequältes Grinsen abgerungen haben - regelmäßig machten sie unliebsame Bekanntschaft mit dem Körperteil.

Schon Gomez schimpfte über Franz

Das Außergewöhnliche an Franz ist: Er provoziert seit jeher ohne Unterlass. Er reizt seine Gegenspieler mit Worten und Taten. Diesmal trat er Bancé und Amri auf die Schuhe, schubste, redete auf sie ein, trieb sie zur Weißglut. Mario Gomez nannte den Unruhestifter, der wohl nie einen Fairplay-Preis gewinnen wird, nach einer Auseinandersetzung einst einen Mann, „der nur zerstören möchte“. Franz nahm die Anschuldigungen aufs Neue gelassen hin: „Ich kenne und achte die Grenzen, das lasse ich mir nicht vorwerfen. Die Fans wollen aber halt Emotionen sehen und nicht 22 Roboter. Und nach dem Spiel ist eh alles vergessen.“

Ob die DFB-Ermittler dies im Fall Bancé ähnlich einschätzen, wird dieser Montag zeigen. Da Brych die abfällige Geste nicht bemerkt hatte, könnte Bancé ein Ermittlungsverfahren drohen. Heidel kündigte an, dass der Nationalspieler Burkina Fasos so oder so eine Geldstrafe in die Teamkasse zu zahlen habe. Um Nachsicht bat dagegen Eintracht-Trainer Michael Skibbe. „Manchmal ist eine Aufarbeitung im Nachhinein kontraproduktiv.“ Und selbst Franz, der wegen der fünften Gelben Karte nächste Woche gesperrt ist, zeigte sich schon Minuten nach dem Abpfiff wieder von seiner ganz zahmen Seite. „Das sollte man nicht überbewerten.“ Er hatte ja gut reden.

Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 2:0 (1:0)
Frankfurt:
Nikolov - Franz, Chris, Russ, Spycher - Bajramovic - Ochs, Schwegler, Korkmaz (78. Köhler) - Meier - Liberopoulos (89. Teber). - Trainer: Skibbe
Mainz: Müller - Florian Heller, Bungert, Noveski (46. Svensson), Löw - Hoogland, Polanski - Schürrle (71. Grimaldi), Ivanschitz (46. Pekovic), Amri - Bance. - Trainer: Tuchel
Schiedsrichter: Felix Brych (München)
Tore: 1:0 Franz (29.), 2:0 Meier (90.)
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)
Gelb-Rote Karte: Amri wegen wiederholten Foulspiels (68.)
Gelbe Karten: Chris (4), Ochs (4), Franz (5) - Pekovic (2)

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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