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Relegation gegen Hertha Düsseldorf dürstet nach Bundesliga

 ·  Schlangen vor den Ticketschaltern, Serverabsturz im Internet. In der Relegation gegen Berlin (20.30 Uhr) fühlen sich die Fortunen endlich wieder als Außenseiter.

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© firo Sportphoto Fortuna-Trainer Norbert Meier gehört nicht zu den größten Optimisten in der Branche. Seine Düsseldorfer ließen ihn in der Rückrunde allerdings auch oft leiden.

Endlich wieder Außenseiter! So empfinden die Fußballprofis von Fortuna Düsseldorf ihren Status vor der Relegation um den letzten freien Platz in der Fußball-Bundesliga. Die Rolle des Favoriten behagt(e) ihnen nicht. Das war in der Rückrunde der zweiten Liga häufig zu spüren. Nach der Winterpause brachten sie nur vier Siege zustande und insgesamt 21 Punkte, das ist die Bilanz eines besseren Abstiegskandidaten und reichte zusammen mit den außerordentlichen Erträgen des ersten Halbjahres gerade noch, um den dritten Platz zu belegen, der zu den beiden Qualifikationsspielen gegen Hertha BSC Berlin, den Drittletzten der Bundesliga, berechtigt. Was in der ersten Saisonhälfte ausgesehen hatte wie ein unaufhaltsamer Siegeszug, wurde am Ende zu einer Zitterpartie.

Im letzten Ligaspiel gegen den MSV Duisburg, eine graue Maus zweiter Klasse, erstritten die Düsseldorfer mit Mühe den einen Zähler, den sie brauchten, um den punktgleichen FC St. Pauli hinter sich zu lassen. „Die Mannschaft hat richtig gelitten“, sagt Sascha Rösler, „sogar ich hatte Pudding in den Beinen.“ Der 34 Jahre alte Stürmer weiß, wovon er spricht. Als Wandler zwischen den Ligen kennt er sich aus im Aufsteigen. Mit Ulm, Aachen und Mönchengladbach ist ihm der Einzug in die Beletage schon gelungen. Jetzt ist auch er froh, dass es vorbei ist - mit der Rolle des Favoriten. „Wir sind Außenseiter, wir haben nichts zu verlieren“, sagt Rösler. Das ist den Fortunen wichtig nach der schweren Rückrunde.

Seit dem famosen Sieg auf St. Pauli im Oktober galten sie in jedem Spiel (außer vielleicht gegen Eintracht Frankfurt) als Favorit. Und je näher sie dem Ziel kamen, desto krampfhafter wurde ihre Interpretation der ungeliebten Rolle. Unfreiwillig hat die Mannschaft einiges dafür getan, sie wieder loszuwerden. Nicht viele Fachleute sehen die Fortuna so im Vorteil wie der einstige Mittelfeldstratege und Fußballanalyst Günter Netzer, der (wohl auch aus geschäftlichen Gründen) mit Düsseldorf sympathisiert. „Es wäre ein mittelgroßes Wunder, wenn die Hertha erstklassig bliebe“, behauptet er.

Zelebrieren der Außenseiterrolle

Netzers Einschätzung bildet die Ausnahme von der Düsseldorfer Regel. Die Fortunen selbst geben sich bescheiden, fast kleinlaut, etwa wenn Trainer Norbert Meier die Relegation als „Bonusveranstaltung“ beschreibt, also als eine Art Jahresleistungsprämie, die obendrauf kommt, ohne dass der Empfänger existentiell darauf angewiesen wäre. Sie zelebrieren ihre Außenseiterrolle und schauen lieber auf das Erreichte als auf das, was noch zu erreichen ist. „Wir können stolz sein auf das, was wir erreicht haben. Man muss sehen, wo der Verein herkommt“, sagt Rösler. Vor fünfzehn Jahren aus der Bundesliga abgestiegen, pendelte der Klub zwischen zweiter und dritter Liga und legte sogar einen Zwischenstopp in der vierten Klasse ein.

Und jetzt winkt die Bundesliga als Bonus, auf den es letztlich nicht ankommt: Diese Deutung kann, muss aber nicht auf Selbstzweifel schließen lassen. Sobald sie sicher sein können, dass (außer Netzer) jeder begriffen hat, wer Außenseiter und wer Favorit ist, geben die Düsseldorfer auch Einblick in ihr Inneres, in ihr Denken und Trachten. Natürlich wollen sie aufsteigen - und schon an diesem Donnerstag in Berlin „nicht nur ,Guten Tag’ sagen“, wie Meier versichert.

Das klingt dann nicht mehr so zaghaft, wie die Eindrücke der vergangenen Wochen hätten vermuten lassen. Wenn der Trainer so etwas sagt, wirkt er fast wie der Wolf im Schafspelz. Rösler wird noch deutlicher. „Ich hoffe, dass die Mannschaft eine Leistung wie in der Vorrunde abruft. Dann sind wir mit unseren Fans im Rücken zu allem imstande.“ Also doch. Vor allem beim Rückspiel am kommenden Dienstag in Düsseldorf. Dort wird die Heimelf fünfzigtausend Menschen auf ihrer Seite haben.

Lange Trockenperiode

Die Stadt lechzt wieder nach erster Liga. Das war nicht immer so. Einst verloren sich im riesigen Rheinstadion oft weniger als zwanzigtausend Zuschauer, um sich mittelmäßiger Unterhaltung auszusetzen. Nicht einmal Bayernspiele waren ausverkauft. Sogar ein gewisser Überdruss war zu spüren, man ging lieber zum Eishockey oder ganz woanders hin, Düsseldorf war keine bedeutende Sportstadt, schon gar nicht im Schatten von Mönchengladbach und Köln, die allerdings beide abgewirtschaftet hatten, ehe bei Gladbach in dieser Saison der Aufschwung einsetzte.

Nach einer langen Trockenperiode dürstet Düsseldorf wieder nach Fußball erster Klasse. Schon am Tag nach dem Erreichen der Relegation bildeten sich vor dem Ticketschalter lange Schlangen; der Server im Internet brach sogar zusammen, weil so viele Anhänger Fortuna in ihrer attraktivsten Außenseiterrolle seit anderthalb Jahrzehnten sehen wollen.

Der prominenteste Unterstützer des Klubs braucht sich natürlich nicht anzustellen oder am Computer die Finger wund zu tippen. Raúl wird seine Karte in der Post haben oder die Nachricht, dass sie am Empfang bereitliegt, wenn er von seiner Amerika-Reise zurückkehrt. Der spanische Stürmerstar wohnt in Düsseldorf, und einer seiner Söhne spielt in der Fortuna-Jugend. Nach dem 2:2 gegen Duisburg schaute er dankbar gen Himmel und sagte: „Jetzt hat Fortuna gute Chancen aufzusteigen. Ich hoffe, sie schaffen das.“

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