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Real Madrid Ein dicker Geldkoffer hilft Bernd Schuster nicht

01.08.2007 ·  Olé Hannover, oje Real Madrid und Bernd Schuster: Der Trainer des spanischen Meisters schrammte bei der Rückkehr in sein Heimatland nur knapp an einem Debakel vorbei. Für den neuen Coach gilt schon ein Erklärungsversuch für eine Niederlage als Ausrede.

Von Frank Heike, Hannover
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Es hatte etwas Rührendes, wie sehr sich ganz Hannover auf diesen Abend gefreut hatte. „Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei internationalem Fußball“, hallte es aus den Lautsprechern am Hauptbahnhof, „genießen Sie dieses Spiel mit internationalen Stars.“ Und da die Profis von Hannover 96 damit nicht gemeint waren, wurde man das Gefühl nicht los, dass der niedersächsische Bundesliga-Verein seinen Saisonhöhepunkt schon zehn Tage vor Beginn der Spielzeit 2008/2009 feierte.

Eine ganze Stadt war aufgeregt und auf den Beinen. In der ausverkauften AWD Arena gab es einen auf die Minute geplanten Ablauf („20.23 Uhr: Fansong Shalala live“), und als Hannover 96 auch noch 3:0 gegen Real Madrid gewonnen hatte, sangen die Fans der „Roten“ entrückt das unvermeidliche „So ein Tag, . . .“ Allerdings hatten sie den sportlichen Wert dieser eine Million Euro teuren Party völlig verkannt. Denn die „Königlichen“ unter der Leitung von Bernd Schuster trainieren erst seit ein paar Tagen, suchen Verstärkungen im doppelten Euro-Wert des gesamten Hannoveraner Kaders und traten beim ersten Teil ihrer Schau-und-Vorbereitungstour durch Europa vor allem mit dem Ziel an, sich bloß nicht zu verletzen. Emerson, Robinho, van Nistelrooy wurden geschont und spielten nicht.

„Jetzt muss Kaka kommen“

Doch wenn man Real Madrid heißt, gilt ein Erklärungsversuch für eine Niederlage als Ausrede. „Ich weiß, dass man als Real Madrid alle Testspiele gewinnen muss“, sagte Bernd Schuster. Denn sonst schießen die spanischen Zeitungen scharf. Wie am Tag nach dem 0:3: „Ohne Hirn und Flügelspiel. Jetzt muss Kaka kommen“, schrieb „As“. Ein 90 Millionen Euro teures Paket aus Geld und Spielern (Cassano, Julio Baptista) hat Real dem AC Mailand angeboten, um den bis 2011 unter Vertrag stehenden Brasilianer zu bekommen. Fast genau so wichtig wäre Schuster Arjen Robben vom FC Chelsea für die linke Außenbahn.

„Wir laufen mit dem dicken Geldkoffer durch Europa, aber es ist nicht mehr so leicht, die großen Spieler zu bekommen“, sagte Schuster. Das kolportierte Interesse an Ballack entkräftete er in Hannover, und eine Probe seines undurchschaubaren Humors lieferte der Augsburger auch noch. Er hatte Christoph Metzelder auf der Bank gelassen – „weil ich dem deutschen Publikum Cannavaro zeigen wollte, den kennt man nicht so, und Cannavaro ist Weltmeister. Metzelder kennen doch alle.“

Dauerlächeln bei Martin Kind

Fast ohne Gegenwehr ließ Real die Hannoveraner gewähren, sie durften durchs Mittelfeld spazieren, und erst am Ende, als es noch mehr Tore der 96er hätte geben können, rissen sich die Spanier etwas zusammen. Es blieb bei den Treffern von Szabolcz Huszti (29. Minute), Gunnar Heidar Thorvaldsson (63.) und Benjamin Lauth (83.). Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass Hannover, fast vier Wochen länger im Training als Madrid, flott kombinierte und ordentlich eingespielt wirkte. Es wurde ein perfekter Abend für Hannover. Das 3:0 gegen den spanischen Meister entließ die Fans zufrieden, allerdings auch sehr erwartungsfroh nach Hause. Real gedemütigt, wer soll da schon den Hamburger SV zu Saisonbeginn fürchten?

Mit einem Dauerlächeln lief Martin Kind durch das Stadion. Der erfolgreiche Unternehmer und ehrenamtliche Präsident von Hannover 96 war seinem Lieblingsziel wieder ein Stück näher gekommen – seinen Klub als „Marke“ zu positionieren. Seit die Profis von „sportfive“ Hannover vermarkten, wird ein Feld professionell beackert, das jahrelang brach lag. Das freut den Präsidenten, einen Mann mit preußischem Arbeits-Ethos. Und so interessierte es ihn kaum, dass nach Abzug aller Kosten nur ein kleiner fünfstelliger Betrag in den Kassen bleibt. Es ging um einen Abend zum Erinnern, nicht um Geld.

Ein neues Selbstbewusstsein

Dass Hannover für die Glanzlichter sorgte, nicht Real, freute Kind natürlich auch. „Die Leistung lässt auf eine gute Saison hoffen. Wir sind durch die Transfer deutlich ausgeglichener besetzt“, sagte er. Natürlich warnte er vor zu großer Zuversicht und fand darin später in Dieter Hecking einen Gleichgesinnten: „Bei aller guten Stimmung darf man den Sieg nicht überbewerten“, sagte der Trainer von Hannover 96, „gerade am Anfang wurden uns unsere Schwächen aufgezeigt.“

Man spürte trotzdem, dass in Hannover nicht zuletzt durch Heckings konzentrierte Arbeit ein neues Selbstbewusstsein entsteht. „Wir wollen weg vom 40-Punkte-Denken“, sagte der Trainer, „wir wollen gar nicht unter den Teppich kehren, dass wir eine gute Vorbereitung gespielt haben. Nach so einem Sieg gehen die Fans mit einem guten Gefühl nach Hause.“ Bevor sie das taten, enterten sie den Fan-Shop. Dort gab es nämlich das eigens für dieses Testspiel des Jahres gedruckte T-Shirt.

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