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0:3 gegen den HSV : Leipzig torlos, sieglos und ratlos

Auf dem Boden der Tatsachen: Leipzigs Poulsen. Bild: dpa

Nach dem 0:1 unter skandalösen Umständen in Dortmund verliert RB völlig überraschend 0:3 gegen Abstiegskandidat Hamburg. Zwei nahezu identische Kopfballtore leiten die Leipziger Niederlage ein.

          Aufsteiger RB Leipzig hat zum ersten Mal ein Heimspiel in der Fußball-Bundesliga verloren und zwei Niederlagen nacheinander hinnehmen müssen. Nach dem 0:1 unter skandalösen Umständen am vergangenen Samstag in Dortmund verloren die Leipziger völlig überraschend 0:3 gegen einen kampfstarken und disziplinierten Hamburger SV. Die nahezu identischen Kopfballtreffer nach Eckstößen erzielten der frühere Leipziger Papadopoulos (18.) und Wallace (24.), in der Nachspielzeit traf Hunt.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Leipzig verstand es gegen den HSV nur gelegentlich und nicht wie gewohnt, sein druckvolles Angriffsspiel aufzuziehen. Dem Team von Trainer Gisdol glückte nach dem 0:4 in der Hinrunde eine gelungene Revanche und ein verdienter Sieg beim Tabellenzweiten. Die Auswirkungen der ersten Leipziger Heimniederlage hielten sich tabellarisch allerdings in Grenzen, da auch die direkten Verfolger und Konkurrenten um die Plätze in der Champions League, Frankfurt und Dortmund, verloren.

          Die erste Antwort auf den schwarzen Abend von Dortmund hatten die Fans in der Leipziger Fankurve schon kurz vor dem Anpfiff gegeben. Mit Spruchbändern, die in der Anmutung den Hass- und Gewaltbotschaften von der Dortmunder Südtribüne nachempfunden waren, warben sie für ein ganz anderes Fanverständnis. Friedfertigkeit und Toleranz waren am Samstag bei der Partie gegen den Hamburger SV eine eindrucksvolle Leipziger Antwort auf die Ausschreitungen vor einer Woche selbst gegen Frauen und Kinder – und auf die Kampfansage gegen den gesamten Klub und alle Fans von RB Leipzig.

          Auch die Leipziger Fans hatten Plakate mitgebracht. Bilderstrecke

          In der Kurve las sich das dann so: „Gewaltfrei seit 2009“. „Respektvoll und bunt – das sind wir“. „Gewalt auszuweichen ist Stärke“. „Zu Hause ist, wo unser Herz ist“. „Leipzig – die neue friedliche Fankultur“. „Wir machen euren Sport kaputt? Wenn er so aussieht, dann gern!“ Und als nach zehn Minuten nahezu das gesamte Stadion zu dem Plakat „Bei uns sind alle Gäste gern gesehen“ in ein „Wir sind Leipzig“ einstimmte, war ein Kraft zu spüren, die nicht weniger will, als eine friedliche Fußballrevolution auf den Rängen.

          Der Sport und der Erfolg war zumindest in den ersten Minuten der Partie in den Hintergrund gerückt, die von den Leipziger Anhängern unter das Motto „Fußball für alle statt menschenverachtender Krawalle“ gestellt wurde. Werner bot sich in der dritten Minute zwar eine gute Möglichkeit, doch bei seinem Schuss über das Tor aus fünf Metern Entfernung hatte der Stürmer im Abseits gestanden. Der HSV nutzte seine erste Chance. Papadopoulos, in der Winterpause aus Leipzig nach Hamburg gewechselt, war nach einer Ecke mit einem wuchtigen Kopfball erfolgreich (18.).

          Und was so schön funktionierte, machte der HSV sechs Minuten später gleich nochmal. Diesmal setzte sich Wallace im Kopfballduell durch und plazierte den Ball punktgenau an den Innenpfosten und dann ins Netz. Die Leipzig waren von den Treffern kurzfristig benommen, und Kostic vergab die Chance auf den dritten HSV-Treffer nur eine Minute später. Trainer Hasenhüttl reagierte früh und schickte mit Poulsen nach gut einer halben Stunde eine weitere Offensivkraft für Verteidiger Upamecano ins Spiel. Poulsen traf nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung den Pfosten (35.), aber verletzte sich ganz schnell und musste noch vor der Pause für Selke weichen.

          In der zweiten Halbzeit verstärkte Leipzig früh den Druck. Der HSV wehrte sich leidenschaftlich, aber auch mit Geschick. Torchancen erspielte sich der Aufsteiger, der gegen die starke Hamburger Defensive nicht so direkt, sondern oft auch ungewohnt umständlich spielte, trotz allen Engagements nicht, während der HSV stets auf Kontergelegenheiten lauerte. Am Ende wirkte der stürmische Aufsteiger, der bisher der Liga das Fürchten gelehrt hatte, gegen den Dino der Bundesliga sogar ratlos – und blieb zuhause erstmals tor- und punktlos, nachdem in der 84. Minute Diekmeier alleine vor Torwart Gulasci nur die Latte getroffen hatte und Hunt in der Nachspielzeit dann sogar das 0:3 erzielte.

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