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Eine Stadt und der Fußball : Weckkuss für Leipzig

Bild: Fotolia / Bearbeitung F.A.S.

Die Messe. Das Gewandhaus. Die Kultur. Und nun der Fußball. Die Leipziger genießen das Gefühl, endlich wieder eine große Nummer zu sein. Und der vorläufige Höhepunkt soll nun folgen.

          Oberbürgermeister Burkhard Jung war zuletzt für ein paar Tage in Vietnam. Seit vierzig Jahren bestehen wirtschaftliche Beziehungen zwischen Leipzig und Ho-Chi-Minh-Stadt, und im vergangenen Jahr haben die beiden Städte eine Kooperation vereinbart. Es geht dabei um Dinge wie nachhaltige Stadtentwicklung, Ausbildung, Wissenschaft, Energie- und Umwelttechnik oder Gesundheit. Und in Leipzig leben mittlerweile rund 3000 Vietnamesen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Jung reiste daher vor wenigen Wochen mit einer hochrangigen Leipziger Delegation in die boomende vietnamesische Hauptstadt. Der Wirtschaftsbürgermeister Leipzigs überreichte dort einen Sonderpreis für ein Startup im Rahmen des Gründerwettbewerbs der vietnamesisch-deutschen Universität, und ein paar Wirtschaftsverträge wurden auch unterschrieben. „Aber das Erste, was der Parteisekretär und der Bürgermeister von Ho-Chi-Minh-City gesagt haben: ,Ihr steht vor Bayern München!‘, sagt Jung. „Das ist unfassbar.“ Leipzig hat wieder Weltniveau.

          Vor anderthalb Wochen hat RB Leipzig, der beste Aufsteiger, den es je im deutschen Fußball gab, seine absolute Spitzenstellung in der Bundesliga eingebüßt. Aber am Gefühl in der Stadt, endlich wieder eine große Nummer zu sein, hat das gar nichts geändert. Das spürt Jung genau. „Da ist schon so eine Stimmung: Wir sind wieder wer. Wir sind jetzt wieder da, wo wir hingehören. Wir spielen mit. Wir sind vorne dabei. Da geht es um ein Selbstwertgefühl, eine Identitätsfrage - und das ist jetzt unglaublich positiv besetzt.“ Am Samstag gewann RB 2:0 gegen Hertha BSC Berlin und geht punktgleich in das Spitzenspiel beim FC Bayern München am Mittwoch (20.00 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET).

          Das große Debakel Anfang des Jahrtausends

          Bevor der aus Nordrhein-Westfalen stammende Jung vor zehn Jahren in Leipzig zum Oberbürgermeister gewählt wurde, war er auch Sportbürgermeister. Diese Zeit hat er nicht vergessen. Sie war ein Tiefpunkt in der Geschichte des Leipziger Sports. Lok Leipzig ging im Jahr 2000 insolvent, zwei Jahre später auch der Nachfolgeklub von Chemie (Sachsen Leipzig). Beide Vereine aus der DDR-Oberliga waren endgültig am Boden. Der Leipziger Fußball lag in Trümmern.

          „Ich habe dieses Debakel erlebt. Und ich kenne die Sehnsucht der Menschen, sich über Sport zu definieren“, sagt Jung. „Und manchmal scheint es mir jetzt, dass RB in ganz kurzer Zeit die Gesamtentwicklung der Stadt symbolisch durchläuft, diesen Aufstieg, den wir auch als Stadt in den letzten zehn Jahren erlebt haben.“ Der Oberbürgermeister listet dann die Erfolgsmeldungen auf: Die am schnellsten wachsende Großstadt Deutschlands. Der größte Zuwachs an sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Mehr Geburten als Sterbefälle. Wirtschaftlich weit über dem Durchschnitt Sachsens im Bruttoinlandsprodukt. „Da wird ein Stimmungsbild durch den Fußball symbolisch sichtbar.“

          Bundesliga-Spitzenspiel : Leipzig ist bereit für Bayern

          Jung ahnte früh, welche Chance sich der Stadt bot, als der österreichische Unternehmer Dietrich Mateschitz ihm von seinem Plan erzählte, in Leipzig einen Fußballklub zu schaffen, wie es ihn in Deutschland noch nicht gegeben hat. „Ich bin sehr zeitig zu ihm hingefahren, um zu spüren: Ist das ernst? Ist das mehr als das übliche Abenteurertum, das wir in Leipzig schon gekannt hatten.“

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