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Ratlos im Abstiegskampf Der HSV und sein Mentalitätsproblem

Abstiegskampf ist nicht Jedermanns Sache. Die Hamburger Profis beweisen, welche Tugenden ein Fußballspieler in dieser Situation vermissen lässt. Für die schwer Erziehbaren spricht nur die Schwäche der anderen Klubs.

© dpa Vergrößern Die Fans haben genug gesehen: In der zweiten Liga drohen leere Zuschauerränge

Der Däne Frank Arnesen ist grundsätzlich ein freundlicher Zeitgenosse, der an das Gute im Menschen glaubt. Doch das Verständnis für die Spieler des Hamburger SV ist nun endgültig aufgebraucht. Der Mann, der sich sonst immer ein besänftigendes Lächeln abringen kann, sprach am Mittwochabend nach dem 0:4 des HSV bei der TSG 1899 Hoffenheim durchgängig mit versteinerter Miene.

„Wir haben nur noch Endspiele“

„Es ist ganz schwer zu verstehen, was da passiert ist“, sagte der 55 Jahre alte Sportchef. „Wir waren einfach schlecht. Wir wollten die Niederlagen der Konkurrenz ausnutzen. Aber jetzt haben wir nur noch Endspiele.“ Natürlich hatte nicht nur Arnesen gedacht, nach dem ordentlichen 1:1 des HSV am Ostersonntag gegen Bayer Leverkusen würde die Mannschaft die Steilvorlage der Niederlagen Berlins, Kölns und Augsburgs nutzen und den entscheidenden Schritt aus dem Keller machen.

Frank Arnesen © dpa Vergrößern Im Mai 2011 trat Frank Arnesen den Posten des Sportdirektors beim HSV an - mit großen Zielen. Doch der Erfolg blieb aus

Stattdessen gingen die Hamburger im Kraichgau unter und verloren nach den Treffern von Vestergaard (17. Minute), Salihovic (Foulelfmeter, 25.), Johnson (51.) und Schipplock (59.) ihr dreizehntes Saisonspiel. Ohne große Gegenwehr ergab sich Trainer Thorsten Finks Mannschaft; vor allem das Abwehrverhalten war miserabel. Bei der Frage, ob der von ihm geholte Fink wirklich der richtige Mann für die schwer erziehbaren Hamburger im Abstiegskampf sei, merkte man, wie es in Arnesen brodelte. „Natürlich“, sagte er mit einer gewissen Zeitverzögerung. Hoffenheim hatte zuvor in neun Heimspielen nicht gewonnen.

Hamburger SV's head coach Fink gestures during the German Bundesliga first division soccer match in Hamburg © REUTERS Vergrößern Oft hebt Trainer Thorsten Fink mahnend den Finger. Doch seine Spieler befolgen seine Ratschläge auf dem Platz nur selten

Fink wirkt in der Hamburger Dauerkrise inzwischen ratlos. Er hatte gedacht, seine Profis hätten nach vier Punkten aus zwei Spielen endlich begriffen, worauf es in dieser Saison ankomme. In diesem vermeintlichen Wissen war man nach Hoffenheim gefahren - doch dort war dann nach zehn Minuten alles vorbei. Fink geht keinen seiner Spieler mit öffentlicher Kritik an. Da bleibt er sich treu. Er sagte nur: „Ich habe keinen Abstiegskampf gesehen von meiner Mannschaft. Wir haben ja überhaupt nicht dagegen gehalten.“

Der Trainer ist gescheitert

Er lebte als Spieler von Kampf und Einsatz und hatte bei seinem Antritt versprochen, diese Tugenden hier zu vermitteln - nach einem knappen halben Jahr muss man sagen: Fink ist damit gescheitert. Vor allem auch daran, seine Spieler aus Fehlern lernen zu lassen. Bei zwei Gegentoren reproduzierten Kacar und Kapitän Westermann Fehler, die man im Saisonverlauf schon einige Male von ihnen gesehen hat. Irgendwie steckt es in den Genen dieser Mannschaft, nach einem zarten Aufschwung sofort wieder zurückzustecken. Der HSV hat ein Mentalitätsproblem, und das wissen natürlich auch Fink und Arnesen.

HSV Rincon © REUTERS Vergrößern Die Profis, hier Tomas Rincon (im Foto rechts), zeigen zu wenig Gegenwehr und lassen sich von manchem Gegner spielend überrennen

Was sie hoffen lässt, ist nun weniger die eigene Klasse. Sondern die Schwäche der anderen Klubs. Köln ist derzeit kaum zuzutrauen, sich noch einmal aufzurappeln, bei der Hertha sieht es nach der Niederlage gegen Freiburg ähnlich aus. Blieben beide und Kaiserslautern hinter dem HSV, wäre das Schlimmste aus Hamburger Sicht so gerade vermieden. Auf einen HSV-Sieg am letzten Spieltag in Augsburg mag derzeit niemand setzen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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