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Angriff auf Fanbus in Köln : Polizei sieht neue Dimension der Gewalt

  • Aktualisiert am

Sichergestellt von der Polizei: Sturmhauben, pyrotechnisches Material, Schlagstöcke und ein Ortungsgerät Bild: dpa

Das Zweitliga-Spiel zwischen 1. FC Köln und Union Berlin bleibt am Montagabend ruhig. Doch bei der Abreise wird ein Fanbus aus Berlin gezielt attackiert. Eine neue Gewalt-Dimension sieht die Polizei und nimmt 28 Personen aus dem Kölner Raum fest.

          Der gewaltsame Angriff auf einen Fanbus des Fußball-Zweitligisten 1. FC Union Berlin in Köln ist nach Einschätzung der Polizei eine gezielte und geplante Aktion gewesen. Rund 100 vermummte Störer hätten in der Nacht zu Dienstag zunächst einen polizeibegleiteten Fanbus vor einer Autobahnauffahrt mit Steinen attackiert, schilderte die Polizei wenige Stunden später. Von den 28 Festgenommenen seien einige als „Gewalttäter Sport“ bekannt. Bis auf einen waren alle am Tag nach der Eskalation noch in Polizeigewahrsam.

          In unbeleuchteten Autos hätten mehrere Angreifer nach der Attacke auf den Bus Kurs auf Beamte genommen, die sich teilweise nur durch einen Sprung vor einer Kollision retten konnten, berichtete Polizeipräsident Uwe Jacob. Er sprach von einer „neuen Dimension der Gewalt nach Fußballspielen“, von „blankem Hass“ und einem „nicht hinnehmbaren Angriff auf unser Rechtssystem.“ Dass niemand verletzt wurde, sei „irgendwo auch ein Wunder“. Jacob nannte es erschreckend, dass sogar die Begleitung der Fanbusse durch die Polizei kein Hindernis gewesen sei, „sinnlose Gewalt“ zu verüben.

          Die Polizei beschlagnahmte sechs Fahrzeuge, mehrere Schlagstöcke, Pyrotechnik und andere gefährliche Gegenstände. Natalie Neuen von der Kölner Staatsanwaltschaft sagte, in den nächsten Tagen werde geprüft, „inwiefern wir Haftbefehle beantragen.“ Kripo-Leiter Becker zufolge gibt es Hinweise, dass die Kölner Störer von polizeibekannten Personen aus der Dortmunder Szene unterstützt wurden. Polizei und Justiz müssten auf „zunehmende Radikalisierung“ reagieren. „Sonst haben wir bald keine Fußballspiele mehr, sondern befassen uns nur noch mit Gewalt im Fußball.“

          Der 1. FC Köln betonte, er verurteile Gewalt „ohne Wenn und Aber.“ Das habe man wiederholt zum Ausdruck gebracht, und daran habe sich nichts geändert. „Nach unseren derzeitigen Informationen waren an den Vorfällen offenbar auch Personen beteiligt, die vom 1. FC Köln bereits mit einem Stadionverbot belegt sind“, hieß es in einer Stellungnahme. „Das zeigt: Außerhalb des Stadions und abseits unserer Spiele sind die Vereine im Kampf gegen Gewalt auf Polizei und Justiz angewiesen.“

          Polizei ermitelt mit Sonderermittlungsgruppe

          Die Kriminalpolizei untersucht die Vorfälle nun mit einer 20-köpfigen Sonderermittlungsgruppe „Paul“ - die Ausschreitungen ereigneten sich „Auf dem Paulsacker“. Schwere Straftaten wie Landfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr und Verstöße gegen das Versammlungsgesetz stehen im Raum, wie der Kölner Kripo-Leiter Klaus-Stephan Becker in einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz betonte. Alle Festgenommenen zeigten sich bisher „vollkommen unkooperativ.“ Ihre Handys würden ausgewertet.

          Nach bisherigen Erkenntnissen stürmten die rund 100 vermummten Täter - alle in weißen T-Shirts und weiß-roten Sturmhauben - auf den hinteren von zwei großen Fanbussen, es flogen schwere Steine. Aus dem Berliner Fanbus stürmten dann laut Polizei ebenfalls vermummte Störer. Die Einsatzkräfte drängten diese in den Bus zurück und die Kölner Angreifer zurück auf einen nahe gelegenen Parkplatz. Von dort aus seien viele in unbeleuchteten Autos geflüchtet, hätten dabei gezielt Kurs auf Polizisten genommen und alle Anhalte-Aufrufe missachtet.

          Auch alle 77 Insassen des Berliner Fanbusses nahmen die Beamten unter die Lupe. Man habe das Fahrzeug zum Präsidium eskortiert und dort alle Personalien festgestellt, sagte Becker. Es werde unter anderem geprüft, ob die Angriffe nicht nur unter den Kölnern zuvor abgesprochen waren, sondern es möglicherweise auch Verabredungen zur Gewalt zwischen Kölnern und Berlinern gab.

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