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Polarisierendes Sportimperium Was zum Teufel ist Hopp - ein Engel?

26.10.2008 ·  Für die einen ist Dietmar Hopp der Teufel, für die anderen indes ein Engel. Der SAP-Mitbegründer hat rund um 1899 Hoffenheim ein Sportimperium auf die Beine gestellt, das viele Gemüter erregt. Dabei lohnt sich ein Blick auf die Facetten.

Von Oliver Trust, Sinsheim
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Dietmar Hopp polarisiert. Für die einen ist er der Teufel, der mit seinen Millionen die Bundesliga korrumpiert, für die anderen der Engel, dessen Mäzenatentum ein Fußballmärchen möglich macht. Dass sein Klub 1899 Hoffenheim am Sonntag in Mannheim den Hamburger SV mit 3:0 düpierte und als Aufsteiger an die Bundesliga-Tabellenspitze sprang, gilt jedenfalls als Sensation (siehe auch: 3:0 gegen Hamburg - Zirkus Hoffenheim bietet eine Sondervorstellung).

Der sportliche Erfolg hat den Grad der Verehrung des Unternehmers durch die heimatlichen Fans noch einmal gesteigert, den Zorn und den Neid der gegnerischen Anhänger aber auch. Hopp sieht sich immer wieder mit unappetitlichen Schmährufen konfrontiert, weil er sozusagen künstlich einen neuen gefährlichen Konkurrenten für das Bundesliga-Establishment geschaffen hat.

„Player des Jahres 2008“ ist wie maßgeschneidert

Teufel oder Engel - was ist Hopp? Noch nicht einmal der Unternehmer, der den Software-Konzern SAP mitgründete, behauptet, dass er ein edler Spender sei, der für sein Seelenheil und zum Wohle des Fußballvolkes seiner Heimatregion investiere. Er hoffe auf Rendite, bekannte Hopp in unzähligen Interviews. So leiteten Geschäfts- und nicht Wohltätigkeitsprinzipien sein Handeln.

Am vergangenen Donnerstag nahm der Hoffenheim-Mäzen und Verdienstkreuzträger die x-te Ehrung seiner Laufbahn entgegen. Während der 14. Deutschen Sponsoringtage wurde ihm der Titel „Player des Jahres 2008“ verliehen. Die Bezeichnung scheint maßgeschneidert für einen Mann, der ein Imperium lenkt, das weit über den Bundesligafußball hinausreicht, auch im Handball, Golf und Eishockey Kraft entwickelt.

Das Ziel der Frauenelf heißt Bundesliga-Aufstieg

Dabei spielt die „Dietmar-Hopp-Stiftung“ eine gewichtige Rolle, die im Jugend- und Nachwuchsbereich Millionen für kleine Vereine generiert. Auch Hopps prominentestes Steckenpferd 1899 Hoffenheim profitiert von der Stiftung und setzt bewusst auf Synergieeffekte. Es ist ein System des Gebens und Nehmens mit Hopp und einigen Vertrauten in der Schaltzentrale.

So verschwimmen manchmal Grenzen, wer wen wo unterstützt. Da kann die Sparte Frauenfußball im Verein 1899 Hoffenheim, die mit der ersten Mannschaft derzeit in der Oberliga spielt, auf einen Etat von 200.000 Euro zurückgreifen. Geleitet wird sie vom hauptamtlich beschäftigten Sohn des DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, Ralf Zwanziger. Das Ziel der Frauenmannschaft heißt Aufstieg in die Bundesliga. Der Etat wird von der Stiftung getragen, die zudem viele Millionen für Behinderte, alte Menschen und Krankenhäuser ausschüttet.

Überschneidungen bei den Sponsoren und Geldgebern

In der von Hopp mitfinanzierten, rund 80 Millionen Euro teuren SAP-Arena tragen die Eishockeyprofis der Adler Mannheim ebenso ihre Heimspiele aus wie die Bundesliga-Handballspieler der Rhein-Neckar Löwen. Geschäftsführer der Halle ist Hopps Sohn Daniel, der nebenbei auch „Chef“ der Eishockey-Adler ist und im Beirat der Handball-Löwen sitzt.

Die Rhein-Neckar-Löwen gliederte man aus der SG Kronau-Östringen aus, die die Spiellizenz liefert. Willkommener Nebeneffekt: Hallenmanager Hopp junior kann sicher sein, dass ihm Löwen-Geschäftsführer Hopp junior Belegzeiten durch die Handballmannschaft garantiert. Zudem nutzt man Überschneidungen bei den Sponsoren und Geldgebern.

Rund 190 Millionen Euro flossen in verschiedene Projekte

Dafür ist in Kronau ein nagelneues Handballförderzentrum, das „Leitprojekt im Bereich Handball“, entstanden. Neben den „Jung-Adlern“ (Eishockey), den Nachwuchs-Handballspielern in Kronau-Östringen und dem „Förderverein Golf St. Leon-Rot“ gibt es zahlreiche Fußball-Jugendförderzentren, die vom Verein „Anpfiff ins Leben“ eingerichtet wurden.

Dieser Verein ist ein Teil der „Stiftung Dietmar Hopp“. Zudem wird gerade ein Zentrum für Mädchenfußball in St. Leon-Rot gebaut. 2,4 Millionen Euro zur Finanzierung kommen von der Stiftung. Außerdem ließ Hopp in St. Leon einen Golfplatz der Spitzenklasse bauen und ist Chef des Golfklubs. Seit der Gründung der Stiftung flossen insgesamt rund 190 Millionen Euro in verschiedene Sport- und Nachwuchsprojekte.

Hopp-Vereine schöpften die besten Talente der Region

Nicht jeder aber will Hopps Hand ergreifen, wenn er sie zur Hilfe ausstreckt und wenn die Unterstützung mit der Übergabe von Talenten verbunden ist. Mancher Verein fühlt sich seiner Selbstbestimmung beraubt, der Vorwurf: Die Hopp-Vereine schöpften die besten Talente der Region ab. In Hoffenheim verweist man darauf, dass man den Klubs eigentlich nichts wegnehme.

Die Begabungen, die sich in den Hopp-Vereinen durchsetzten, würden die kleinen Klubs ohnehin früher oder später verlassen. Die Talente, die es nicht schafften, würden nach guter sportlicher Ausbildung wieder dem Amateur-Kreislauf zugeführt. Dennoch beklagen viele kleine Vereine den Aderlass der eigenen Jugend, sie könnten kaum noch geeignete eigene Talente für die erste Mannschaft finden.

Der SV Sandhausen wollte nicht das „Farmteam“ sein

Im Winter 2006 zerbrach die angestrebte Fußball-Kooperation zwischen Hoffenheim und dem SV Sandhausen. Dessen Präsident Jürgen Machmeier sagte in einem Interview, Zusagen von „Seiten Dietmar Hopps und der TSG Hoffenheim“ seien „Schritt für Schritt zugunsten der TSG Hoffenheim und zu Lasten des SV Sandhausen verändert“ worden. „Ausschlag“ für die Trennung sei aber „letztlich die Aussage von Dietmar Hopp in der Presse, dass der SVS nicht in die Regionalliga aufsteigen dürfe“. Man habe nicht auf ein „Farmteam“ reduziert werden wollen, dessen Etat noch von außen bestimmt werde.

Wie 1899 Hoffenheim mitunter von Aktivitäten der Stiftung profitiert, zeigt das Beispiel des VfL Neckarau, der sieben Jugendspieler an 1899 abgab und im Gegenzug 600.000 Euro für einen Kunstrasenplatz von der Stiftung erhielt. Der damalige Trainer, der frühere KSC-Profi Stefan Groß, ist mittlerweile Leiter des Förderzentrums von Waldhof Mannheim, das wiederum von Hopps Stiftung bezuschusst wird. Der Sohn von Stefan Groß, Pascal, steht vor dem Sprung in den 1899-Bundesligakader. Das Sportimperium von Dietmar Hopp, es hat viele Facetten.

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