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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Pokal-Kommentar Ruhig Blut!

25.10.2006 ·  Es spricht für den Vorstand des FC Schalke, daß er sich gegen den Wunsch des Boulevards stemmt, Trainer Mirko Slomka durch Christoph Daum zu ersetzen. Nur zur Erinnerung: Schalke ist in der Bundesliga Zweiter. Wo ist da der Ansatz, alles in Frage zu stellen?

Von Roland Zorn
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Sollte irgendwann ein Werbefilm zur Illustration des besonderen Reizes von Pokalspielen in Auftrag gegeben werden, wäre der Rückgriff auf bewegte Szenen aus dem Pokalkampf zwischen dem 1. FC Köln und dem FC Schalke 04 dringend zu empfehlen.

Der Zweitliga-Fünfte und der Erstliga-Zweite hielten 120 Minuten den Spannungsbogen sehr hoch, ehe die Kölner das mitreißende Duell verdientermaßen gewonnen hatten. Wieder einmal war ebendas passiert, was den Pokal oft genug sehens- und staunenswert macht: Von einem Klassenunterschied konnte keine Rede mehr sein, die Alles-oder-nichts-Situation zauberte eine Auseinandersetzung von seltener Leidenschaftlichkeit herbei.

Unruhige Zeiten im Revier

Danach war wieder Alltag, wurden den Verlierern aufs neue die Fragen gestellt, die am Dienstag abend so gar nicht zu passen schienen: Geht es weiter mit Trainer Slomka? Was nun nach der "Blamage" von Köln? (Siehe auch: Erklärungsnotstand in Schalke und beim BVB). In Wirklichkeit aber hatten sich die Westfalen im Rhein Energie Stadion gar nicht blamiert, sondern solange die Kräfte in Unterzahl reichten, um ihre Chance, eine Runde weiterzukommen, gefightet. War das eine "Schmach", wie hier und da zu lesen war - gegen einen möglichen Rückkehrer in die Erstklassigkeit? Es spricht für die Schalker Vorständler, daß sie sich seit Wochen gegen den immer wieder spürbaren Wunsch des Boulevards stemmen, den jungen Trainer Mirko Slomka durch den Starcoach Christoph Daum zu ersetzen. Nur zur Erinnerung: Momentan ist Schalke in der Bundesliga Zweiter, punktgleich mit dem umjubelten Tabellenführer Werder Bremen. Wo ist da der Ansatz, alles in Frage zu stellen?

Unruhige Zeiten im Revier: Das gilt auch für den Nachbarn Borussia Dortmund. Dort aber scheint der Wunsch nach Veränderung auf der Trainerposition eher aus dem Inneren des Klubs zu rühren. Bert van Marwijk war noch im Sommer gut genug, um mit einer Vertragsverlängerung bis 2008 belohnt zu werden. Inzwischen ist die Vertrauensbasis zwischen dem Holländer und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zerbröckelt; auch Vereinspräsident Reinhard Rauball gilt längst als Gegner van Marwijks.

Das Publikum reagiert gereizt

Offen und geradeheraus aber begegnen sie sich beim BVB schon lange nicht mehr - damit wird ein Bild der Intrige und Zerstrittenheit gezeichnet, das nicht dazu taugt, höhere Ziele zu erreichen. Solche hat die wirtschaftlich halbwegs konsolidierte Borussia für dieses Spieljahr aber ins Auge gefaßt. Doch ob sie dazu den passenden Kader beisammen hat? Rosicky, Koller, Odonkor sind weg, Metzelder und Kehl fehlen verletzt, die neuen Spieler haben ihre angeblichen Topqualitäten noch nicht zeigen können, das Publikum reagiert zunehmend gereizt, der Trainer wirkt immer öfter ratlos und begeht selbst Fehler - ein solches Szenarium, in dem kein Vertrauen und kein Selbstvertrauen herrscht, führt wie zuletzt zu verunsicherten Auftritten.

Wie krisenhafte Augenblicke auch überstanden werden können, macht der Hamburger SV dieser Tage vor. Dort durfte sich Trainer Thomas Doll trotz einer beispiellosen Mißerfolgsserie mit dem HSV der Unterstützung der Vereinsoberen sicher sein. Seit dem vergangenen Sonntag siegen die Norddeutschen wieder. An Sympathie hatten sie - das Beispiel sei zur Nachahmung empfohlen - schon vorher gewonnen.

Quelle: F.A.Z. vom 26. Oktober 2006
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