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Peter Neururer „Was ist denn Großartiges passiert?“

26.06.2006 ·  Peter Neururer, Trainer von Hannover 96, bleibt trotz des Erfolges bei seiner kritischen Einschätzung der Arbeit von Jürgen Klinsmann.

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Peter Neururer, Trainer von Hannover 96, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über seine kritische Einschätzung zu Jürgen Klinsmann.

Oliver Bierhoff fordert, die Bundesliga müsse aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und Klinsmanns Reformen weiterführen, um international konkurrenzfähig zu sein. Wie stehen Sie zu dieser Kritik?

Oliver Bierhoff ist ein junger Mann, der in dieser Funktion noch nicht lange im Geschäft ist. Wenn er in einer euphorisierten Phase solch einen populistischen Mist erzählt, muß man ihm das nachsehen.

In der Sache können Sie ihm nicht folgen?

Überhaupt nicht. Ich weiß, welchen Einfluß meine Kollegen auf die körperliche Verfassung ihrer Nationalspieler haben. Lehmann und Huth ausgenommen, werden doch alle aus der Bundesliga rekrutiert. So schlecht kann unsere Arbeit dann wohl nicht sein.

Manche Leute meinen, die deutschen Spieler seien deshalb so fit, weil Klinsmann und seine Fitness-Trainer sie dahin gebracht hätten.

Da widerspreche ich vehement. Ich könnte viel dazu sagen, aber wir wollen während der WM Ruhe haben und die Nationalmannschaft unterstützen. Ich bin ja auch Fan der Nationalmannschaft.

Kann ein Bundesligatrainer aus dem Auftreten der Nationalelf etwas lernen?

Nein, keiner von uns hat diese Spieler alle zur Verfügung. Selbst Bayern muß Ballack abgeben.

Die Frage zielte weniger auf das Personal als auf das Methodische.

Was meinen Sie mit Methode? Es gab in den Gruppenspielen drei Siege gegen Mannschaften, die uns in allen Belangen unterlegen waren. Und es gab eine tolle Leistung gegen Schweden, im ersten Spiel, in dem wir gefordert wurden. Sonst habe ich noch nicht viel gesehen. Das ist nicht negativ gemeint. Aber was ist denn Großartiges passiert, was uns zum Jubeln veranlaßt, bis auf die Ergebnisse? Nach dem ersten Spiel ist das gesamte Defensivverhalten verändert worden. Ich frage mich nur, von wem: von Klinsmann oder von Ballack? Spielt ja auch keine Rolle. Jedenfalls hat sich an der Philosophie, falls man sie als solche bezeichnen will, etwas geändert, notwendigerweise. Da hat eine ganze Menge an Einsicht mitgespielt.

Bierhoff fordert die Vereine auf, nach dem Vorbild der Nationalelf mehr vertikal zu spielen als quer. Stimmen Sie ihm zu?

Vertikal? Früher nannte man das Steilpaß. Waren das die Bälle, die Oliver Bierhoff als Stürmer so gern hatte? Als Trainer läßt man immer so spielen, wie die Qualität einer Mannschaft es erlaubt.

Also macht Klinsmann vieles richtig?

Ich bin nicht bei der Spielersitzung. Aber wir haben alle vier WM-Spiele gewonnen. Also macht Jürgen alles richtig.

Die Kritik an Klinsmann war zeitweise auf seinen Wohnsitz in den Vereinigten Staaten fokussiert. Hat sich dieser Vorwurf relativiert?

Im Gegensatz zu vielen anderen Leuten ändere ich meine Meinung nicht nur aufgrund der Tatsache, daß der eine oder andere Erfolg eingefahren wurde. Ich bleibe dabei: Das, was hier vorher gelaufen ist mit Jürgen - ich habe ihm das auch selbst gesagt -, wird nicht plötzlich gut, weil die Ergebnisse stimmen. Ich hoffe, daß wir Weltmeister werden. Aber wir werden mit Sicherheit nicht Weltmeister, weil er in Kalifornien wohnt und von der Bundesliga nicht viel mitbekommen hat. Viele von denen, die vorher mit Dreck geworfen haben, müssen jetzt wohl die Klappe halten; zum einen, weil sie kein Rückgrat haben, zum anderen, weil sie von den Ergebnissen geblendet sind. Umfaller haben wir in dieser Republik doch reichlich.

Quelle: ril. / F.A.Z., 27.06.2006, Nr. 146 / Seite 35
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