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Peter Neururer über Abstiegskampf : „Stelle nur noch einfache Aufgaben“

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Abstiegskampf mit Neururer: Im Regen. . . Bild: dpa

Peter Neururer gilt als der „Feuerwehrmann“ schlechthin im deutschen Fußball. Dass der 58 Jahre alte Trainer einer Mannschaft kurzfristig im Abstiegskampf helfen kann, beweist er gerade mit dem VfL Bochum, den er zu vier Siegen in Folge geführt hat.

          Kraft Ihrer Kompetenz als „Feuerwehrmann“ können Sie diese Frage sicher leicht beantworten: Wer steigt neben Greuther Fürth aus der Fußball-Bundesliga ab?

          Das interessiert mich nicht besonders, weil ich es nicht beeinflussen kann.

          Sie verfolgen den Abstiegskampf in der ersten Liga gar nicht?

          Doch, natürlich verfolge ich das, ich bin doch Fußballfan. Ich hoffe nur, dass es keinen Westverein trifft, Fortuna Düsseldorf sollte also möglichst drinbleiben.

          Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf stehen nicht auf einem Abstiegsplatz, haben aber Misserfolgsserien von elf und zehn Spielen ohne Sieg hinter sich. Ist unter solchen Umständen eine Wende zwei Runden vor Schluss noch möglich?

          Eine Wende sicher nicht. Doch es ist möglich, eine Negativtendenz zu stoppen. Das hängt aber auch vom Saisonverlauf ab. Zwischen Bremen und Hoffenheim etwa gibt es einen Unterschied: Wenn Werder Bremen noch auf den drittletzten Platz abrutschte, wäre es etwas grundlegend anderes, als wenn Hoffenheim noch Sechzehnter würde. Aus Hoffenheimer Sicht könnte das in dieser Situation in gewisser Weise noch als Erfolg gewertet werden und Auftrieb für eine eventuelle Relegation geben.

          Was kann ein Trainer tun, wenn eine Mannschaft in akuter Abstiegsgefahr schwebt?

          Patentrezepte gibt es nicht. Wichtig ist vor allem eins: Man muss total ausblenden, was vorher war, und den Spielern einfache Aufgaben erteilen, etwa was die Zuordnung angeht. Das fällt im Zweifel einem Trainer leichter, der neu zu einem Verein kommt. Es darf nur noch um die Dinge gehen, die man selbst beeinflussen kann, und die Vergangenheit kann niemand mehr beeinflussen. Viel hängt auch davon ab, wie die ursprüngliche Zielsetzung des Klubs war.

          Inwiefern?

          Es geht um den Grad der Frustration. Fortuna Düsseldorf ist mit Norbert Meier angetreten, knapp die Liga zu erhalten und möglicherweise sogar die Relegation in Kauf zu nehmen. Das ist eine ganz andere Situation als etwa bei Hoffenheim, wo einige vom europäischen Wettbewerb geredet haben. Da geht es einem natürlich schlecht, wenn man so weit von dem ursprünglichen Ziel entfernt ist. Augsburg wiederum schien in der Winterpause im Prinzip schon abgestiegen. Wenn die sich wieder heranrobben bis auf den drittletzten Platz, wirkt das fast wie eine Erfolgsserie. Und die psycho-vegetative Funktionslage ist eine ganz andere, günstigere als etwa in Hoffenheim.

          Sie waren mehr als zwei Jahre nicht als Trainer tätig und haben den VfL Bochum mit vier Siegen am Stück in der zweiten Liga prompt wieder wettbewerbsfähig gemacht. Allgemein betrachtet: Wie gelingt so etwas?

          Am Anfang musst du auch Glück haben. Nach den ersten Siegen wird der Einfluss auf die Mannschaft dann immer größer. Als ich nach der ersten Woche die Aufstellung bekanntgegeben habe, habe ich den Spielern gesagt, es könnte vielleicht auch ungerecht zugehen. Aber jeder, der einen Platz in der Mannschaft hat, ob zu Recht oder zu Unrecht, sollte sich sagen: Ich versuche, meine Position zu verteidigen, dafür bringe ich Leistung. Wenn dann ein, zwei gute Ergebnisse zu Buche stehen, glaubt die Mannschaft plötzlich wieder an sich und wird auch von den späteren Gegnern anders wahrgenommen. Beim VfL Bochum kommt mir zugute, dass ich den Verein in- und auswendig kenne. Ich brauchte keine Eingewöhnungsphase, sondern konnte sofort in medias res gehen. Wenn du sechs Wochen Zeit hast und drei Wochen brauchst, um die Mannschaft kennenzulernen, dann hast du schon verloren.

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