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Pep Guardiola Der scheue Stratege

Auch wenn ihm der Druck, der auf Trainern lastet, ins Gesicht geschrieben steht: Pep Guardiola hat es stets geschafft, sich auf leisen Sohlen unverzichtbar zu machen.

© dpa Vergrößern

Er steht im enggeschnittenen Anzug und dunkler, schmaler Krawatte an der Seitenlinie - bevorzugte Farben: Schwarz, Anthrazit - und sieht einigermaßen umwerfend aus. Dennoch wirkt er nicht eitel. Er hat als Trainerneuling der Primera División mit dem FC Barcelona vierzehn von neunzehn möglichen Titeln geholt. Aber es hat sein Ego nicht aufgeblasen. Zwischen 2008 und 2012 revolutionierte Josep „Pep“ Guardiola mit seinem Stil den Weltfußball. Und blieb doch ein scheuer Stratege, dem man ansieht, wie gern er mit seinen Dämonen allein ist.

Vielleicht muss das so sein. All das Kollegenlob, die Auszeichnungen zum besten Klubtrainer des Jahres, die Vergleiche des Barça-Spiels mit Poesie, Schach oder Ballett - was soll ein Trainer damit anfangen? Guardiola spricht leise, und auch wenn er gut formuliert, fühlt er sich vor Mikrofonen nicht wohl und zupft sich oft am unrasierten Kinn. Auf dem Platz geht es ihm, neben der Idee vom schönsten Offensivfußball der Welt, vor allem um Motivation. Am Ende wurde ihm die gefräßige Erfolgsmaschine in Katalonien zu viel, und er floh mit seiner Frau Cristina und den drei Kindern für ein Erholungsjahr nach New York.

Elegant und hochnervös

Der 47-malige spanische Nationalspieler und ideelle Ziehsohn von Johan Cruyff, dem Erfinder des Barça-Codes, ist ein Fanatiker des Details. Seine Verbindlichkeit nach außen kombiniert er mit der absoluten Forderung an seine Spieler, professionell, diszipliniert und pünktlich zu sein. Wollte man einem einzigen Trainer erlauben, während der Partie auf dem Spielfeld zu stehen statt außerhalb, müsste es Guardiola sein. Elegant und hochnervös zappelt er an der Außenlinie herum, hüpft mit, um den Ball ins Gehäuse zu hieven, oder biegt sich nach hinten wie ein Tänzer, wenn seine Mannschaft eine Chance verpasst. Es ist viel kommentiert worden, wie schnell er als Coach die Haare verlor. Der Druck soll auf ihm lasten, nicht auf der Mannschaft. Dass wir als Zuschauer auch den immensen nervlichen und physischen Verschleiß mitbekommen, den der Profifußball auf höchstem Niveau verursacht, ist Teil der Faszination, die Guardiola ausstrahlt.

Josep Guardiola © dpa Vergrößern In Barcelona ließen seine Spieler ihn hochleben

In Katalonien, wo Fußball mehr ist als Sport und Barça „mehr als ein Klub“, wie das vereinseigene Motto lautet, haben sie Guardiolas Leistung in nahezu religiösen Begriffen als katalanistisches Passionsspiel gedeutet. Besonders die Siege gegen den Erzrivalen Real Madrid und seinen als großmäulig geltenden Trainer José Mourinho. Höhepunkt: die 5:0-Packung im November 2010. Die Endlichkeit des Projekts war dennoch unübersehbar. Als „Kerze, die an beiden Enden brennt“, hat man Guardiola bezeichnet. Katalanische Intellektuelle porträtierten ihn als tragische Figur - weil seine Spielästhetik die Zuschauer mehr berauscht, als man es im gewöhnlichen Leben erwarten darf; weil Guardiola so unfassbar viele Titel sammelte und so schrecklich dabei alterte.

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