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Pep Guardiola Der 24-Stunden-Arbeiter

 ·  Im Trainingslager in Italien will Pep Guardiola keine Zeit verlieren. Sponsoren-Termine und Spaß-Partien sieht er als Zeit- und Energiefresser. Denn der neue Trainer hat bei den Bayern einiges vor.

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© AFP Vergrößern Die Frisuren passen: Ob Arjen Robben (links) Pep Guardiola aber auch schon versteht?

Pep Guardiola will immer den Ball. Jedes Training des neuen Bayern-Trainers kreist um ihn, keine einzelne Übung ohne das Ding, um das sich alles dreht. Einzige Ausnahme sind die unvermeidlichen Dehnungen im Liegen. Aber auch in dieser ballfreien Phase nutzt Guardiola jede Sekunde. Er sucht sich dann einen Spieler aus, der seinen gestenreichen Monologen über individuelle Detailfragen nicht entkommen kann. Nur am Freitagabend, kurz nach 19 Uhr, war es gut, dass kein Spieler und kein Ball in der Nähe Guardiolas war. Da holte er aus und trat mit solcher Wut und Wucht ein Loch in die Luft, dass jeder zu nah postierte Spieler umgefallen und jeder Ball über den halben Platz geflogen wäre.

In diesem Moment im Trainingslager in Arco äußerte sich Guardiolas Zorn über die Art jener Pflichttermine, die seine ersten Wochen beim FC Bayern begleiten - und die Spannung und Intensität, die er an jedem Tag ein wenig mehr in Körper und Köpfe der Profis zu bringen versucht, erschlaffen lassen. Mehr als deutlich war das sichtbar in der ersten Halbzeit des sogenannten „Traumspiels“ gegen die Hobbytruppe eines Bier-Sponsors, die unter 19.000 Bewerbern „gecastet“ worden war - darunter am Ende auch ein übergewichtiger, motorisch minderbegabter Chinese, der zur Erheiterung der 4000 Zuschauer acht Minuten gegen den Triple-Sieger auf den Platz durfte.

Dass seine Mannschaft mit einer Einstellung, für die der Katalane das bayerrische Wort „lätschert“ noch lernen muss, zur Pause gegen die Weißbier-Kicker nur 2:0 führte und für einen der beiden Treffer ein Eigentor benötigte, raubte Guardiola die Contenance. Er trat in die Luft, die in der folgenden Pause gebrannt haben dürfte. Danach war es leicht besser, Endstand 13:0.

Während die Bayern-Profis zwischen Spiel und Spannung, Golf- und Fußballplatz, Pool und Pep im Sommerferienambiente am Gardasee leicht und locker umschalten, wirkt ihr Trainer wie einer, der „24 Stunden arbeitet“, wie verschiedentlich aus der Delegation zu hören war. „Wenn alle locker zum Frühstück kommen, ist er am Tisch schon über seine Papiere gebeugt und markiert etwas zur Trainingsvorbereitung“, erzählte Verteidiger Daniel van Buyten am Sonntag. „Und immer hat er seine Taktik-Tafel dabei, um uns Dinge zu zeigen.“

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© AFP Vergrößern Wenn es sprachlich nicht klappt, spricht der neue Trainer eben mit dem Fuß

Guardiola wirkt wie einer, der noch ganz viel Arbeit zu erledigen hat und deshalb Sponsorentermine oder Spaßpartien als Zeit- und Energiefresser erlebt. Bei der für die Tourismusregion Trentino werbenden Schiffsfahrt über den See zu Tausenden wartenden Fans an den Bootsanleger in Riva stahl er sich in eine der hinteren Mannschaftsreihen des Zweimasters wie ein bescheidener Matrose - während die frühere Galionsfigur Louis van Gaal am Bug gestanden und huldvoll ins Volk gewinkt hatte, als wäre er der Kapitän des Bayern-Traumschiffs.

Da ist es hilfreich, dass Sportvorstand Matthias Sammer, dessen ständige Präsenz am Trainingsplatz Guardiolas Vorgänger Jupp Heynckes nicht sehr beglückte, sich in Arco mehr im Hintergrund hält, was er damit begründet, sich „nun teilweise andere Positionen“ zu suchen, des „viel besseren Überblicks“ wegen. Als „wunderbar“ beschrieb Sammer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung das Verhältnis zu Guardiola: „Die menschliche Basis stimmt“. Er rede dem Trainer „nicht ins Sportliche hinein“, versuche aber, „in charakterlichen Fragen Einfluss zu nehmen“.

„Eine der besten Nachwuchsakademien der Welt“

Sammer betonte in der F.A.S., dass er seine Rolle (“Sportvorstand, nicht Manager“) darin sehe, mit Guardiola die sportlichen Voraussetzungen zu schaffen, um „hoffentlich eine Ära mit zu prägen“. Dazu will er in den nächsten drei bis fünf Jahren „eine der besten Nachwuchsakademien der Welt“ aufbauen und die passenden Spielertransfers einleiten, jedenfalls von der sportlichen Seite. Die Verhandlungsführung und finanzielle Realisierung von Neuverpflichtungen sieht Sammer als Aufgabe anderer im Vorstand des FC Bayern.

Eine der spannenden Fragen wird sein, wie gut die beiden neuen starken Männer in der sportlichen Führung der Bayern im Alltag miteinander auskommen werden. Sammer bemüht sich dabei, seinem Image als Polarisierer widersprechend, deutlich um „Sensibilität“. Eine Geistesverwandtschaft scheint zumindest nicht ausgeschlossen. Sammer und Guardiola zählten zu den besten Defensivstrategen der neunziger Jahre. Und genau wie Sammer vor einem Jahr vermittelt Guardiola nun seit dem ersten Tag bei den Bayern, dass er nicht dazu neigt, es sich oder anderen bequem zu machen.

„Man merkt, dass jedes Detail sehr wichtig ist“

Alte Gewohnheiten sind vor ihm nicht sicher. Guardiola arbeitet im Training an der Umstellung von Mann- auf Raumdeckung bei gegnerischen Eckbällen. Lässt Kontersituationen nach Ecken durch Abwürfe von Manuel Neuer an die Mittellinie üben - was Heynckes zu riskant war. Verwandelt Aufwärmübungen zu einem Passtraining mit jeweils nur einem Ballkontakt (Hackentricks verboten). Testet Spieler in anderen Positionen als den gewohnten.

Und strebt offenbar eine Bandbreite an taktischen Optionen an, die die häufigen Systemwechsel im Laufe einer Partie, ein Markenzeichen von Barcelona, auch bei den Bayern ermöglichen könnten. „Man merkt, dass jedes Detail sehr wichtig ist“, fiel Xherdan Shaqiri auf. Und Philipp Lahm bemerkte, „dass der Trainer voller Tatendrang ist“. Wenn ihn nicht gerade Spaß- oder Schiffspartien bremsen.

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