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Pedro Geromel Der Profi, der aus dem Computer kam

21.11.2008 ·  Der 1. FC Köln überzeugt bislang vor allem mit starken Defensivleistungen. Eine der Stützen der Hintermannschaft ist der Brasilianer Geromel. Dessen Transfer ist ein Verdienst der FC-Datenbank.

Von Thomas Klemm, Köln
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Am vergangenen Mittwoch besuchte Pedro Geromel seinen jüngsten Entdecker an dessen Arbeitsplatz. Der findige Mann, der drunten in den Katakomben des Franz-Kremer-Stadions arbeitet, heißt Ricardo Tavarez, ist 22 Jahre alt und seit Wochen der bekannteste Student Kölns.

Das liegt nicht an seinem exotischen Studiengang „Regionalwissenschaften Lateinamerika“, sondern an seinem Coup als Mitarbeiter von SportsLab, dem neuen Dokumentationszentrum des 1.FC Köln. Dort mit der Beobachtung des portugiesischen Fußballs betraut, war Tavarez Anfang dieses Jahres auf dem Computer-Bildschirm der Brasilianer Pedro Geromel aufgefallen, der in der ersten portugiesischen Fußball-Liga bei Vítoria Guimarães ständig gute Spiele ablieferte.

Spitzenplätze in allen Datenbanken

Auch die Scouting-Abteilung des 1. FC Köln war angetan von dem Verteidiger, ebenso die Sportliche Führung. Der Aufsteiger machte 2,5 Millionen Euro Ablöse locker und holte den Brasilianer an den Rhein. Dafür wolle er sich herzlich bedanken, sagte der Kölner Jungstar bei seiner Stippvisite im SportsLab. Eine freundliche Geste, aber bedanken kann sich genau so gut der FC, zählt der Dreiundzwanzigjährige doch bisher zu den überragenden Fußballprofis in der Bundesligasaison.

Mittlerweile nimmt Geromel auch in anderen deutschen Datenbanken Spitzenplätze ein: Beim FC ist er nicht nur der zweikampfstärkste Spieler, sondern auch jener, der die meisten Bälle des Gegners abläuft. Das Fachblatt „Kicker“ verleiht ihm Woche für Woche gute Noten und führt ihn folglich als besten Verteidiger der Liga. Geromel ist ein eleganter Zerstörer; einer mit hoher Antizipationsfähigkeit, der die Pässe des Gegners schon zu erahnen scheint, noch ehe sie gespielt werden.

17 Gegentore aus 13 Spielen - nur drei Klubs haben weniger

Seine 1,90 Meter Körpergröße kommen ihm beim Kopfballspiel zugute. Fouls sieht man bei ihm eher selten, umso häufiger kluge Zuspiele, mit denen er einen Gegenangriff einleitet. Diese Souveränität schon in jungen Jahren hat Geromel zum Schwarm des Kölner Publikums und des FC-Trainers gemacht. Die einen haben ihn, den Innenverteidiger, im Stadion schon mit Sprechchören gefeiert; der andere hat ihn überschwänglich gelobt. „Dieser Mann ist Weltklasse“, sagt Christoph Daum, der es gar nicht nötig hat, die Abwehr des Aufsteigers stark zu reden.

Denn kaum minder effektiv als Geromel geht dessen Nebenmann Youssef Mohamad seiner Arbeit nach. Beide ergänzen sich so gut, dass Daum die Defensive „als überragende Seite in unserem Spiel“ bezeichnet. 17 Gegentore aus 13 Spielen – nur drei Klubs haben weniger – sprechen für sich. „Wir spielen eine gute Saison als Aufsteiger“, sagt Geromel, dem nicht einmal vor dem Aufeinandertreffen mit dem sturmstarken Mit-Aufsteiger aus Hoffenheim bangt.

„Unglaublich schnell an die neue Liga gewöhnt“

Von den Fähigkeiten Geromels, der als Siebzehnjähriger seine Heimatstadt São Paulo verließ und beim damaligen portugiesischen Zweitligaklub GD Chaves anheuerte, war die Kölner Vereinsführung sofort überzeugt: „Darum haben wir uns trotz der Ablösesumme nicht in die Verteidigungslinie zurückgezogen, sondern angegriffen“, sagt FC-Geschäftsführer Michael Meier. Hinzu kam, dass sich portugiesische Spitzenklubs aus Lissabon und Porto seltsam desinteressiert zeigten an einer Verpflichtung des Spielers, der im vorigen Jahr zum besten Verteidiger der dortigen Liga gewählt wurde.

„Pech gehabt“, sagt Geromel, der etwas andere Brasilianer. Denn anders als die meisten Südamerikaner, meint Manager Meier, habe er sich „unglaublich schnell an die neue Liga gewöhnt“. Für Geromel hat das kölsche Wohlfühlklima einen doppelten Grund: Er und seine japanische Frau Liv sprächen gut Englisch, außerdem sei die Stadt „liberal und offen, was die Eingewöhnung leicht gemacht hat“. Und das kalte Wetter? „Viel wärmer ist es in Portugal zu dieser Jahreszeit auch nicht“, sagt Geromel.

„Er ist authentisch, selbständig und absolut professionell“

Im Gegensatz zu den meisten anderen Brasilianern, für die Fußball der einzige Weg zum sozialen Aufstieg bedeutet, hat Geromel das Kicken nicht auf der Straße oder am Strand gelernt. Er kommt, wie Kaká, der Weltstar vom AC Mailand, aus einer gutsituierten Mittelschichtsfamilie São Paulos. Er hat einen Großvater aus Catania, und auch sein Lieblingsspieler, Milans Nationalverteidiger Alessandro Nesta, ist Italiener.

„Er ist authentisch, selbständig und absolut professionell“, sagt Manager Meier, „so einen Spieler muss man einfach gernhaben.“ Dass Geromel eine Woche vor seiner Abreise nach Köln im Juni geheiratet hat, war ein weiterer Pluspunkt. Denn in jüngerer Vergangenheit hatte der Klub einige schlechte Erfahrungen gemacht mit ledigen Fußballprofis, die den vielfältigen Verlockungen der Stadt erlagen.

Petit als Zugabe

Geromel wurde für den Aufsteiger gar zum doppelten Glücksgriff: Der FC hat einen Leistungsträger bezahlt und einen zweiten bekommen. Bei der Vertragsverhandlung hatte Geromels Berater Jorge Mendes, der viele portugiesische Spitzenspieler unter Vertrag hat, den Kölnern Vereinsvertretern zugeraunt, dass sich auch sein Klient Petit bei Benfica Lissabon nicht mehr wertgeschätzt fühlte. Obwohl seit Jahren Kapitän beim größten Klub Portugals, hatte er seine Stammplatzgarantie verloren. Der FC schlug zu – und hatte plötzlich auch noch einen namhaften Nationalspieler im Kader.

Während Petit von vorneherein als „Führungsfigur“ verpflichtet wurde, hat der 1. FC Köln bei Geromel auf die Zukunft gesetzt. Der Vertrag läuft bis 2012, aber nicht nur Trainer Daum hat sich schon öffentlich gefragt, ob dieser Mann vom FC so lange zu halten sei. Der Verteidiger reagiert auf solche Mutmaßungen mit freundlicher Abwehr. „Gerade haben wir über meine Eingewöhnungszeit gesprochen – warum soll ich jetzt an Abschied denken?“ Mit dieser Antwort kann man sich viele Freunde machen in Köln. Pedro Geromel war aber schon längst zuvor bei jedermann beliebt.

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Jahrgang 1966, Sportredakteur.

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