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Opern-Intendant Bernd Loebe : „Eintracht muss süffigeren Fußball spielen“

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Mann der Künste mit Faible für Fußball: Bernd Loebe, der Intendant der Oper Frankfurt Bild: Eilmes, Wolfgang

Oper und Stadion? Um Theater geht es hier wie dort. Der Frankfurter Opern-Intendant Bernd Loebe spricht im F.A.Z.-Interview über Trainerverträge, Identifikation von Mitarbeitern, Vereinsgrenzen und den Ruf der Stadt.

          Oper und Stadion? Um Theater geht es hier wie dort. Insofern hat sich Bernd Loebe, 61, gar nicht so stark verändert, als er die Kickerstiefel auszog, Rechtswissenschaften studierte, als Musikredakteur arbeitete und seit 1990 als künstlerischer Direktor der Brüsseler Oper La Monnaie seine Rückkehr in die Heimat vorbereitete. Seit 2002 verhilft er als Intendant der Frankfurter Oper zu großem Ansehen, bis 2023 soll er bleiben. Von der Arbeit gönnt er sich Auszeiten – bei der Eintracht. Etwas weniger Dramatik wäre ihm da recht.

          Ihr Vertrag wird, das ist nur noch eine Formalie, bis zum Ende der Spielzeit 2023 verlängert, dann wären Sie 21 Jahre Intendant in Frankfurt, quasi ein Alex Ferguson der Oper.

          Die Sache ist schon so absurd, dass es schon wieder etwas hat. Die Treue der Stadt, aber auch meine ist wohl außergewöhnlich. Aber 21 Jahre sind schon extrem, total gegen den Strom.

          Im Fußball liegt die Halbwertzeit von Trainer-Engagements bei vielleicht zwei Jahren. Würde der Eintracht eine nur annähernd vergleichbare Kontinuität weiterhelfen?

          Wie will man die Identifikation der Mitarbeiter herstellen, wenn man Trainern nur einen Jahresvertrag gibt? Eines meiner Kerngeschäfte neben der Aufstellung des Spielplanes ist der Aufbau eines Ensembles, junge Menschen aus allen Richtungen der Erde nach Frankfurt zu bringen. Als Schlüssel dazu betrachte ich die Identifikation mit der Stadt, mit dem Theater, mit dem Programm. Wenn der Trainer Jahr für Jahr vorgibt, ich gehe, ich bleibe, ich gehe, ich bleibe, wie kann man dann von Mitarbeitern des Hauses, im Fall der Eintracht von den Spielern, diese Bindung erwarten?

          Langfristige Verträge kosten enorm viel Geld, wenn es kurzfristig nicht passt.

          Ja, bei der Eintracht ist man darauf stolz, dass man zuletzt wenig Abfindungen bezahlt hat, was die Trainer betrifft. Das ist eine akzeptable Sichtweise. Dennoch wünschte ich mir für die Zukunft jemanden, der sich mit Haut und Haaren an den Verein bindet und dadurch auch überdurchschnittlichen Spielern wie zum Beispiel Sebastian Jung auch gleich das Gefühl vermittelt: Leute, wir bauen hier was auf.

          Sebastian Rode und Kapitän Pirmin Schwegler gehen, Sebastian Jungs Vertrag läuft noch ein Jahr. Wie hält man wichtige Spieler bei begrenztem Budget?

          Man muss etwas haben, was für junge Spieler attraktiv ist: dass man ihr Talent fördert, dass man ihnen vertraut und Perspektiven aufzeigt. Das wird bei uns in der Oper extrem gepflegt. Es gibt bei uns Sänger, die andernorts sehr viel mehr Geld verdienen könnten, aber wir geben ihnen das Gefühl, dass sie wichtig sind und dass wir sie vorsichtig aufbauen.

          Wie machen Sie das konkret?

          Wenn ich mich durchringe, einem jungen Sänger zu sagen, dass er die nächsten vier Jahre hier bleibt, dass er die und die Rollen spielt, dann vertraut er mir. Und dann bindet er sich. Ich ändere meine Meinung dann nicht. Bei mir kommt offenbar die Lust am Menschen rüber, junge Menschen zu begleiten und zu beraten. Das ist wohl eine Kombination aus Anarchie und Vaterrolle.

          Aber Sie bieten auch bessere Voraussetzungen: Die Frankfurter Oper zählt zu den besten in Deutschland, genießt international einen sehr guten Ruf. Diese Bühne kann die Eintracht ihren Spielern zurzeit nicht bieten.

          Weil diese Spieler auch beeinflusst werden durch Argumente, die ihnen letztlich nicht helfen. Mich stört die immer wieder kolportierte Haltung der Kicker, in ihrer vergleichsweise kurzen Karriere von vielleicht fünfzehn Jahren so viel wie möglich verdienen zu müssen. So schnell wie möglich viel Kohle zu verdienen ist nicht das Entscheidende, denn die Lebensqualität wird nicht davon abhängen, ob man 200.000 oder 500.000 Euro im Jahr mehr verdient. Das mag naiv klingen, aber es scheint Trainer zu geben wie Jürgen Klopp in Dortmund oder Thomas Tuchel in Mainz, die jungen Spielern über einen längeren Zeitraum wertvollere Ziele vermitteln können. Das ist viel verlangt in der Zeit des Pressings, ja, aber man muss dieses Klima schaffen, wenn man ein Ensemble zu Höchstleistungen entwickeln will.

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