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Scout Olaf Marschall : Mit feiner Nase und wachsamem Auge

  • -Aktualisiert am

Olaf Marschall ist erster hauptamtlicher Chefscout beim FSV Frankfurt Bild: Picture-Alliance

Olaf Marschall war Nationalspieler und deutscher Meister. Nun ist er erster hauptamtlicher Chefscout in der zweiten Bundesliga FSV Frankfurt. Er soll Talente finden – mit der Hilfe von 1600 Telefonnummern.

          Die Antwort von Olaf Marschall kommt wie aus der Pistole geschossen. 1600 Telefonnummern von oft namhaften Personen aus dem Fußball habe der ehemalige Stürmer der Nationalmannschaft gespeichert. Sein Netzwerk kann sich sehen lassen. Wenn der Achtundvierzigjährige Kontakt zu einem Profiklub aus den ersten drei Ligen aufnehmen möchte, hat er in der Regel immer jeweils eine Bezugsperson, an die er sich mit seinem Anliegen wenden kann.

          Marschall wird nun fleißig kommunizieren. Denn seit elf Tagen ist er Chefscout des FSV Frankfurt. Der erste hauptamtliche in der Vereinsgeschichte. Seinen neuen Arbeitsbereich kann er also auch nach seinen Vorstellungen prägen. Von „Pionierarbeit“ will er dennoch nicht sprechen. Er sagt: „Trainer Benno Möhlmann und Sportchef Uwe Stöver kennen ja genügend Leute.“

          Aber jetzt haben sie mit Marschall, der Kaiserslautern 1998 mit 21 Toren in nur 24 Spielen zur deutschen Meisterschaft geschossen hatte, einen Fachmann, der ihnen rund um die Uhr zuarbeiten wird und der damit eine Lücke schließt. Davor waren die Späher beim Zweitligaklub auf Honorarbasis oder als geringfügig Beschäftigte tätig. Chefscout war ein früherer Regionalligaspieler mit Stallgeruch, der im Hauptberuf Sportlehrer ist. Mehr ließ die wirtschaftliche Situation lange Zeit nicht zu.

          Trotzdem eroberte der FSV für sich eine Nische: Er verpflichtete in den vergangenen Jahren eine Reihe von Talenten aus der dritten und vierten Liga, die dann in Frankfurt den Durchbruch in Liga zwei geschafft haben. „Mit seinen Mitteln hat der Verein super gearbeitet“, meint Marschall. Er weiß, dass ihm nun im Konkurrenzkampf mit den vielen finanziell viel besser gestellten Klubs nichts geschenkt wird. „Du musst richtig suchen“, sagt er, wobei die Betonung auf dem Wort richtig liegt.

          Marschall will einen wie Götze entdecken

          Der gebürtige Torgauer, der 1987 mit Lokomotive Leipzig im Finale des Europapokals der Pokalsieger stand, traut sich zu, ein Ausnahmetalent wie Mario Götze zu entdecken. „Aber ob so ein Spieler dann zu uns kommen will, ist die andere Frage.“ Wohl nicht. In Kaiserslautern, wo Marschall nach seiner aktiven Karriere als Vorstandsassistent, Teammanager, Trainer der zweiten Mannschaft und Assistenztrainer der Profimannschaft bis Ende 2006 wirkte, hatte er dazu beigetragen, dass Torjäger Boubacar Sanogo 2005 den Weg zum Betzenberg fand. Aus der gemeinsamen Zeit in der Pfalz kennt Marschall seinen jetzigen Vorgesetzten Stöver gut. Dieser schätzt den prominenten Neuzugang auf der Geschäftsstelle als Teamplayer.

          Ab und zu ist Olaf Marschall auch selbst noch am Ball

          Chefscout war der Fußballlehrer Marschall noch nie. Sein „kleiner Golf“ bringt es jedoch bereits auf 400.000 Kilometer. Der Familienvater, der in der Nähe von Kaiserslautern lebt, ist viel herumgekommen. „Zu Hause zu sitzen ist langweilig“, sagt er. Vor allem, weil er früher aufgrund der vielen internationalen Einsätze ständig auf Reisen war. Seine Trainerkarriere hingegen ist überschaubar. Zuletzt trennte sich der Oberligaklub SC 07 Idar-Oberstein von ihm und seinem ehemaligen Lauterer Mitspieler Thomas Riedl. Marschall findet trotzdem, dass der Trainerberuf seinen Reiz habe. Auch irgendwann beim FSV? „Das ist jetzt kein Thema. Wir diskutieren das, wenn es so weit wäre“, sagt er. Sein Vertrag als Chefscout läuft bis Juni 2016.

          Viele Aufgaben für neuen Spion beim FSV

          „Mir ist wichtig, dass ich beim Fußball dabei bin.“ Marschall wird womöglich in den kommenden Tagen ins Ausland reisen. Offenbar hat der FSV einen interessanten Spieler entdeckt. Danach wird Marschall auf jeden Fall für eineinhalb Wochen in der Türkei sein. Kommende Gegner wie am 8. Februar zu Hause der 1. FC Nürnberg werden dort ihr Trainingslager beziehen. Die Spielvorbereitung mit Spieler- und Gegneranalysen ist ein Schwerpunkt der Tätigkeit des neuen Bornheimer Spions. Er wird die Videos so zusammenschneiden, wie sich Möhlmann, der am Samstag seinen Vertrag bis 2016 verlängerte, das wünscht. Olaf sei ein „sehr guter IT-Fachmann“, sagt Stöver.

          Auch eine neue Datenbank soll der Chefscout einrichten. Zwei bis drei Tage in der Woche, so ist es geplant, wird Marschall an seinem Schreibtisch in Frankfurt sitzen. In der übrigen Zeit will er mit feiner Nase und wachsamem Auge seinem Entdeckergeist auf den Fußballplätzen der Republik nachgehen. „Schauen, gucken, diskutieren und sich eine Meinung über einen Spieler bilden“ - so sieht Marschall seine Aufgabe. Seit vergangenem Freitag hat er einen vom FSV gestellten Dienstwagen. Nicht minder wichtig ist sein Handy mit den vielen Telefonnummern. Sie öffnen ihm Türen - neuerdings zum Wohl des FSV.

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