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Trainerwechsel in Bundesliga : Kovac geht mit einem Makel zu Bayern

Nächste Station München: Niko Kovac wird von Sommer an Trainer beim FC Bayern. Bild: dpa

Niko Kovac hat sich oft mit hehren Worten über die fehlende Moral und Ehrlichkeit im Fußball beklagt. Aber auch er nahm es mit der Wahrheit nicht mehr so genau, als sich ihm die Perspektive zum persönlichen Aufstieg bot. Ein Kommentar.

          Diese Niederlage abseits des Rasens kommt zu einem schlechten Zeitpunkt. Ob und wie sich die Eintracht davon erholen wird, dass sie ihren wichtigsten Mann verliert, ist die spannende Frage für die Zukunft des Klubs, in der eigentlich Niko Kovac eine Hauptrolle spielen sollte. Der Trainer war ein Glücksfall für die Frankfurter. Sein angekündigter Wechsel zum FC Bayern reißt eine Lücke, bei der nicht im Ansatz erkennbar ist, von wem und wie sie adäquat gefüllt werden kann. Die Münchner dürfen sich dagegen glücklich schätzen: Sie haben den Besten bekommen, den sie kriegen konnten.

          Kovacs sportliches Knowhow, sein Fingerspitzengefühl bei Personalentscheidungen und sein Charisma waren maßgeblich dafür verantwortlich, dass die Eintracht aufblühte. Sie wurde unter seiner Regie von einer aufsehenerregenden Dynamik erfasst, die es nach Jahren des Stillstands und Rückschritts möglich machte, dass der Blick in der Tabelle nicht mehr nach unten gerichtet werden musste. Dem erfolgreichen Kampf gegen den Abstieg im Mai 2016 schloss sich zwölf Monate darauf der Einzug ins Pokalfinale an. In diesem Frühling ließ der Vorstoß in die Spitzengruppe des Klassements bis zum Freitag, den Dreizehnten, an dem Kovac seine berufliche Veränderung bestätigte, den Europapokal-Einzug realistisch erscheinen. Dieses Ziel ist durch die ausgelöste Unruhe ernsthaft in Gefahr.

          Das strategische Geschick des 46-Jährigen, der mit vergleichsweise bescheidenen Mitteln ein Team aus unterschiedlichsten Nationalitäten und Charakteren formte, gehört zu den vielen Stärken, die aus dem einstigen Meisterprofi auch einen Fußballlehrer erster Güte machten. Dass er ähnlich konsequent seine eigene Karriereplanung vorantreibt, kann bei seinem Ehrgeiz nicht wirklich verwundern. Kovacs Werdegang macht deutlich: Er will nach oben. Und dass er die Chance ergriff, als ihm der Rekordmeister den Job offerierte, ist nachvollziehbar; dass er sich durch die Art und Weise seines vorzeitigen Ausstiegs aus dem bis Sommer 2019 gültigen Vertrag den Unmut der Eintracht-Anhänger zuzieht, genauso.

          Kovac hat sich bei vielen Gelegenheiten mit hehren Worten über die fehlende Moral und Ehrlichkeit im Fußballgeschäft beklagt. Aber auch er nahm es mit der Wahrheit nicht mehr so genau, als sich ihm die Perspektive zum persönlichen Aufstieg bot. Es war scheinheilig, als er nach Ostern feststellte, es gebe überhaupt „keinen Grund, daran zu zweifeln“, dass er auch nach der Sommerpause die Eintracht betreut. Das Gegenteil war zu diesem Zeitpunkt richtig: Denn obwohl Kovac in Frankfurt vor den größten Erfolgen seit Jahren steht, eine Woche der Wahrheit zu bewältigen hat und er von seinen Spielern die volle Konzentration auf das Saisonfinale verlangte, verhandelte er für sich künftige Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten an der Säbener Straße, die dann am Donnerstag fixiert wurden.

          Diese Arglist fügt seinem in Frankfurt zuvor erworbenen Saubermann-Image eine neue, wenig integre Facette hinzu. Selbst ein gedeihliches Ausklingen der Zusammenarbeit mit der Eintracht wird nichts daran ändern können, dass sein Wirken in Frankfurt mit einem Makel behaftet bleibt. Demnächst geht es für ihn in München mehr denn je um Titel und Trophäen. Als Fairplay-Preis-Gewinner kommt Kovac vorerst nicht mehr in Frage.

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