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Veröffentlicht: 13.06.2007, 15:22 Uhr

Neururers Vorwurf „Doping war im Fußball gang und gäbe“

Der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Neururer hat behauptet, dass Doping im Fußball früher an der Tagesordnung gewesen sei: „Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach.“ Der DFB kündigte eine Prüfung an.

© AP „Man sieht den Spielern den Konsum von Captagon an”

Der frühere Bundesliga-Trainer Peter Neururer hat Doping im Fußball Ende der 80er Jahre als „gang und gäbe“ bezeichnet. „Es ist mir bekannt, dass früher Captagon genommen worden ist. Viele Spieler waren verrückt danach“, sagte Neururer der Zeitschrift „Sport Bild“: „Das war überall bekannt und wurde praktiziert. Bis zu 50 Prozent haben das konsumiert. Nicht nur in der zweiten Liga.“

Neururer bezog sich dabei auf seine Zeit beim damaligen Zweitligaklub Schalke 04. „Auf Schalke habe ich das 1989/90 auch mitbekommen. Die damaligen Spieler von Schalke 04 kamen ja fast alle aus der Bundesliga in die zweite Liga.“ Unter den Dopingsündern seien auch ehemalige Nationalspieler gewesen, Neururer nannte aber keine Namen.

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Nach Neururers Dopingvorwürfen bat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Coach am Nachmittag um Aufklärungshilfe. „Wir haben Herrn Neururer gebeten, uns Namen und Beispiele zu nennen“, sagte DFB-Pressesprecher Harald Stenger am Mittwoch in Frankfurt. Sollten die Informationen Neururers so konkret sein, dass sie juristisch haltbar wären, würde der Verband die Sache weiter prüfen, erklärte Stenger.

Neururer erbost über 96-Transferpolitik © dpa Vergrößern Neururer: „Plötzlich hatte jeder Asthma”

„Die Augen stehen anders“

Matthias Herget, der nach 39 Länderspielen seine Karriere bei den „Königsblauen“ beendete, bestritt auf Anfrage der Nachrichtenagentur sid die Einnahme unerlaubter Mittel. „Ich habe immer aus normaler Kraft meine Leistung gebracht, mal besser, mal schlechter“, sagte der 51jährige, der für den VfL Bochum und Bayer Uerdingen 237 Bundesligaspiele und für Rot-Weiss Essen, Uerdingen und Schalke 196 Partien in der zweiten Liga absolvierte: „Ich habe nie solche Mittel genommen und auch nicht mitbekommen, dass es andere machten.“

Herget hält Doping im Fußball für wenig sinnvoll. „Durch Stimulanzien kann man vielleicht schneller laufen, aber man wird kein besserer Fußballer. Das ist Quatsch“, sagte Herget. Neururer will die Wirkung des Aufputschmittels Captagon schnell erkannt haben: „Man sieht den Spielern den Konsum von Captagon an. Die Augen stehen anders. Der Spieler wird nicht mehr müde und neigt auf dem Platz zu Überreaktionen. Das war ein kompletter Wahnsinn, der da gemacht wurde.“

Auch Lehmann berichtet über Doping

Neururer, der im November 1990 als Tabellenzweiter in Schalke entlassen worden war, sprach auch von anderen leistungsfördernden Mitteln. „Es gab auch andere Mittel: alle Ephedrine, die auch von den Radfahrern geschluckt werden. Das sind die Asthmamittel. Plötzlich hatte jeder Asthma, um das nehmen zu dürfen. Auch im Nasenspray sind zu 90 Prozent Ephedrine.“

Zur damaligen Zweitliga-Mannschaft der „Königsblauen“ gehörte auch Jens Lehmann. Der heutige Nationaltorwart vom FC Arsenal hatte in der „Sport Bild“ ebenfalls über Doping im Fußball berichtet: „Als ich angefangen habe, mit 17 oder 18 Jahren, da habe ich so etwas gehört. Einige haben wohl, um spielen zu können, Captagon geschluckt.“

„Selbst besorgen und einschmeißen“

Auch dem damaligen Schalker Masseur Gerard Kuipers ist „das ein oder andere aufgefallen. Die Spieler waren hoch motiviert und sind gerannt wie wahnsinnig“, sagte Kuipers, der von 1968 bis 1999 Bundesliga-Profis beim MSV Duisburg und Schalke betreute: „Da habe ich schon gefragt: Junge, wo hast du die Kraft her? Ich weiß nicht, ob das an Captagon lag.“

Er habe „immer nach Mitteln gesucht, um die Spieler besser zu machen“. Die Einnahme der Stimulans Captagon sei ihm aber „nicht aufgefallen. Das kann ich nicht bejahen“. In 30 Jahren Bundesliga habe er aber Erfahrungen gesammelt, mit denen er ein Buch schreiben könnte. Der Masseur warf Neururer vor, nicht reagiert zu haben: „Wenn er gewusst hat, wer das genommen hat, hätte er einschreiten können. Aber er hat sie ja spielen lassen.“

Der damalige Schalker Präsident Günter Eichberg will von Doping nichts mitbekommen haben. „Mir ist nichts aufgefallen, ich habe nichts davon gehört, niemand hat darüber gesprochen“, sagte er, „aber als Präsident kriegt man das ja nicht mit. Das Zeug kann sich jeder selbst besorgen und einschmeißen.“

Juve dopte systematisch mit Epo

Die Erkenntnis, dass im Fußball Profis mit unerlaubten Mitteln behandelt werden, ist nicht neu. So hat in Italien Juventus Turin seine Spieler zwischen 1994 und 1998 systematisch mit Epo gedopt. Allerdings blieb das Vergehen ohne Folgen.

Wie das oberste italienische Gericht, der Kassationshof in Rom, Anfang Juni bestätigte, wurden die Kicker in dieser Zeit nach einem „kriminellen Plan“ vom Mannschaftsarzt und Managern gedopt. Doch den Verantwortlichen kam die Verjährungsfrist zu Gute. So blieb es bei der Feststellung, dass Klubarzt Riccardo Agricola und diverse Manager des Sportbetruges schuldig sind, sie aber nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können.

Das Gericht kam zudem zu der Erkenntnis, dass den Spielern illegal Arzneimittel zur Leistungssteigerung verabreicht wurden. Die Akteure selbst waren ebenfalls rechtlich nicht zu belangen, da zum Zeitpunkt des Vergehens das neue italienische Dopinggesetz noch nicht in Kraft war.

Bereits 1992 berichtete der heutige Trainer des 1. FC Köln, Christoph Daum, damals in Diensten des VfB Stuttgart, in einem Interview, dass das Kälbermastmittel Clenbuterol auch im Fußball eingesetzt werde.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa und sid

 

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