07.10.2006 · Das russische Energie-Unternehmen Gasprom ist als neuer Hauptsponsor des Fußball-Bundesligaklubs FC Schalke 04 im Gespräch. Ein entsprechender Vertrag könnte schon am kommenden Dienstag unterzeichnet werden.
Von Richard Leipold, GelsenkirchenDas russische Energie-Unternehmen Gasprom steht offenbar vor dem Einstieg in die Fußball-Bundesliga. Nach Informationen dieser Zeitung will Gasprom Hauptsponsor des FC Schalke 04 werden. Gasprom würde das Versicherungsunternehmen Victoria ablösen, das angeblich keine Chance sieht, den im kommenden Jahr auslaufenden Vertrag mit den Gelsenkirchenern zu verlängern. Wie die in Bielefeld erscheinende Tageszeitung „Westfalenblatt“ schreibt, soll der Vertrag zwischen Schalke und Gasprom „schon in den nächsten Tagen unterzeichnet werden“. Vielleicht schon am kommenden Dienstag.
Für diesen Tag hat Schalke zu einer Pressekonferenz nach Dresden eingeladen. Dort will der Klub am Abend Einzelheiten über eine Partnerschaft mit dem russischen Verein FC Zenit Sankt Petersburg informieren. Die Veranstaltung gehört zum Programm des „Petersburger Dialogs“, an dem auch der russische Präsident Vladimir Putin teilnimmt. Es steht zu vermuten, daß es bei der Pressekonferenz nicht nur um Austauschprogramme für Jugendspieler geht. Bezeichnend ist der erste Satz der Schalker Pressemitteilung von diesem Freitag, die das Interesse der Öffentlichkeit noch steigerte. „Schalke 04 kommentiert keine Spekulationen in den Medien.“
Freier Weg für Gasprom?
Gerüchte über einen Einstieg von Gasprom halten sich schon länger, waren aber bisher nicht publiziert worden. Offenbar aufgeschreckt durch verschiedene Anfragen schoben die Schalker gemeinsam mit ihrem bisherigen Hauptsponsor Victoria am Nachmittag eine Verlautbarung nach. Darin ist kein Dementi des Gasprom-Deals enthalten, sondern ein Hinweis auf den „aktuellen Sachstand“. Zwischen beiden Parteien würden „derzeit Wege besprochen, wie die gute Zusammenarbeit auch in den nächsten Jahren weiter fortgeführt werden kann“. Victoria werde „ein wichtiger und herausgehobener Partner des FC Schalke 04 bleiben“. Von einer Verlängerung des bisherigen Vertrages ist in der Erklärung nicht die Rede. Wie es heißt wird Victoria als sogenannter Co-Sponsor bei Schalke weitermachen.
Damit scheint der Weg frei für Gasprom. Der russische Konzern ist der größte Erdgasförderer der Welt und beschäftigt 330.000 Mitarbeiter. Zu seinen Beratern gehört der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder. Im vergangenen Jahr steigerte das Unternehmen, das vom Staat kontrolliert wird, seinen Reingewinn um fast fünfzig Prozent auf gut neun Milliarden Euro. Angesichts solcher Kennzahlen dürfte genug Geld für ein Sponsoring beim FC Schalke vorhanden sein. Victoria zahlte dem Revierverein bisher etwa sechs Millionen Euro je Saison.
„Wir werden immer die Mehrheit behalten“
Denkbar wäre darüber hinaus ein Einstieg des Gaskonzerns in die Stadiongesellschaft, der die Veltins-Arena gehört, in der Schalke seine Heimspiele austrägt. Diese Gesellschaft, an der Schalke zu 58 Prozent beteiligt ist, hat jüngst eine Kapitalerhöhung beschlossen. Mitgesellschafter Clemens Tönnies, der Aufsichtsratsvorsitzende des Fußballklubs, sagte unlängst im Gespräch dieser Zeitung, in der Stadiongesellschaft „ist noch Platz, aber wir werden immer die Mehrheit behalten“.
Während Gasprom im Zuge seiner Expansion auf dem internationalen Markt seine Bekanntheit steigern und sein nicht unproblematisches Image verbessern will, brauchen die Schalker dringend einen starken Partner, um die wirtschaftliche Schieflage zu meistern, die nach dem Scheitern in der ersten Uefa-Pokalrunde noch größer geworden ist. Der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet ist mit insgesamt 255 Millionen Euro verschuldet. Im vergangenen Jahr nahm der Klub sogar Darlehen in Höhe von rund acht Millionen Euro bei Tönnies und einem weiteren Aufsichtsratsmitglied auf, um die Liquidität zu erhalten und Spielertransfers vornehmen zu können. Vor der aktuellen Spielzeit fehlte es für aufwendige Verpflichtungen an Kapital.
Sollte die Mannschaft in dieser Saison abermals die Teilnahme an der Champions League verpassen, wären Spielerverkäufe vermutlich nicht zu vermeiden - es sei denn, ein zahlungskräftiger Sponsor würde zur Sanierung des Vereins beitragen. Die Führungskräfte suchen schon länger nach einem potenten Partner. Zu den Interessenten gehörte auch das Energie-Unternehmen RAG. Der Essener Konzern stieg jedoch als Hauptsponsor beim Konkurrenten Borussia Dortmund ein. Vielleicht schickt der FC Schalke 04 sich nun an, einen noch größeren Coup zu landen, zumindest wirtschaftlich.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |