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Nationalmannschafts-Kommentar Ensemble in Moll

05.05.2010 ·  Kevin Kuranyi darf nicht, René Adler kann nicht mit zur Fußball-WM nach Südafrika. Das klingt schlimmer, als es ist. Dennoch knirscht und kracht es rund um das DFB-Team. Die Mannschaft ist eine große Baustelle. Und die Zeit wird knapp.

Von Michael Horeni
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Rein sportlich betrachtet, sind die Nachrichten, die in diesen Tagen von der Fußball-Nationalmannschaft produziert werden, eigentlich kein Grund zur Besorgnis. Am Montag beendet der Bundestrainer die Weltmeisterschaftsträume von Kevin Kuranyi, am Dienstag verhindert eine Rippenverletzung die WM-Teilnahme von René Adler. Das klingt schlimmer, als es ist.

Im Fall des Torjägers hält Joachim Löw die interne Konkurrenz für so stark, dass er fünf anderen Stürmern für Südafrika den Vorzug gibt, von Schwächung kann also offenbar keine Rede sein. Im Fall des Torwarts verliert Deutschland zwar seine Nummer eins, aber der Konkurrenzkampf mit Manuel Neuer und Tim Wiese war bisher so eng, dass man kaum behaupten kann, die neue Nummer eins würde die Nationalmannschaft substantiell schwächen, der Unterschied dürfte kaum erkennbar sein.

Aber die beiden Personalien passen sechs Wochen vor der Weltmeisterschaft sehr genau zur Atmosphäre um das Nationalteam, das von Aufbruchstimmung so weit entfernt ist wie vom WM-Titel. Seit den gescheiterten Vertragsverhandlungen des Bundestrainers und seiner Helfer zu Beginn des WM-Jahres präsentiert sich die erste Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes als ein Ensemble in Moll. Von Vorfreude auf das Turnier in Südafrika, von ansteckender Begeisterung und sportlicher Frische kann jedenfalls keine Rede sein, überall knirscht und kracht es.

Die Mannschaft ist eine große Baustelle, und das 0:1 gegen Argentinien im bisher einzigen Länderspiel des Jahres zeigte sehr deutlich, wie viel Arbeit noch vor dem Bundestrainer und seinem Team liegt. Aber durch das deutsche und englische Pokalfinale mit Bayern, Werder und Chelsea sowie das Champions-League-Finale mit Münchener Beteiligung eine Woche später wird die für Löw wichtigste Zeit immer knapper.

Die gesamte gute Laune absorbiert derzeit Bayern München

Mit seinem kompletten Kader kann der Bundestrainer gerade einmal zehn Tage vor dem Abflug nach Südafrika trainieren, zwei Länderspiele stehen dabei auch noch auf dem viel zu engen Terminplan. Die akribische Vorbereitung, mit der Löw seinen Spielern bei der WM und EM zuletzt immer einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil erarbeitete, nimmt unter den erschwerten Umständen schon Züge von Improvisationstheater an. Bei der vorläufigen Kadernominierung am Donnerstag wird der Bundestrainer das Personal mit Nachwuchskräften auffüllen, um den Arbeitsablauf im ersten Trainingslager auf Sizilien so gut es geht aufrechtzuerhalten.

Die gesamte gute Laune im deutschen Fußball und die Vorfreude auf sportliche Großereignisse absorbiert derzeit alleine der FC Bayern. Aufbruchstimmung und Begeisterung sind, ganz anders als vor vier Jahren, diesmal nur in München zu Hause. Aber vielleicht gelingt es den bayrischen Profis neben ihrer Titeljagd auch noch, der Nationalmannschaft auf den letzten Drücker etwas von ihrem guten Geist einzuhauchen – es wäre ein Fußballfreundschaftsdienst, den Löws Auswahl so gut gebrauchen könnte wie nie zuvor.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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