Home
http://www.faz.net/-gtn-x6qo
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Nationalmannschaft Löws Streichkonzert mit Zahnschmerzen

26.05.2008 ·  Das Testspiel gegen Weißrussland ist für Joachim Löw von doppelter Bedeutung. Die Nationalelf soll sich für die Europameisterschaft einspielen, der Bundestrainer muss außerdem nach dem Test auf dem Betzenberg drei Akteure aussortieren.

Von Roland Zorn
Artikel Bilder (6) Video (1) Interaktiv (1) Lesermeinungen (0)

Normalerweise fühlt Joachim Löw seinen Spielern auf den Zahn. Am Montag aber hatte er selbst nicht mehr den Biss, sich durchzuquälen bei der letzten Pressekonferenz auf Mallorca vor dem Heimattrip gen Kaiserslautern. Dort, wo die deutsche Nationalmannschaft an diesem Dienstag in ihrem vorletzten Länderspiel auf dem Weg zur Europameisterschaft erstmals dem Team von Weißrussland begegnet, kam der Bundestrainer als Patient an.

Dem 48 Jahre alten Badener machen seit einigen Tagen immer heftigere Zahnschmerzen zu schaffen, und so brauchte er am Montag nach der Landung des Charterflugs von Palma nach Zweibrücken zunächst erste dentale Hilfe. Mund auf, Augen zu, der Mann mit dem Ruhepuls 60 hatte auf der kurzen Dienstreise nach Deutschland jedenfalls bohrende Momente und eine Mutprobe nach dem bekannten Motto „Sie müssen jetzt sehr tapfer sein“ zu überstehen.

Sechs Spieler sind auf Mallorca geblieben

20 Spieler aus seinem immer noch 26 Spieler zählenden Aufgebot hat der Bundestrainer nach Kaiserslautern mitgenommen. Nicht mit an Bord waren Tim Borowski (grippaler Infekt), Arne Friedrich (Magen-Darm-Virus), René Adler (Beckenprellung), Mario Gomez (Wadenprobleme) sowie die wegen ihrer großen Zahl an Pflichtspielen geschonten Kevin Kuranyi und Simon Rolfes. Das Sextett blieb zum individuellen Fitnessaufbau auf der Urlauberinsel, wohin die Kollegen gleich nach der Partie im Fritz-Walter-Stadion wieder zurückkehren werden – mit einem dann hoffentlich wieder munteren Löw.

Nach der Rückkehr nach Mallorca muss der Coach dann drei seiner Profis sogleich selbst weh tun, da am Mittwoch gegen 12 Uhr geklärt sein wird, wer das Camp verlassen und gleich wieder nach Deutschland fliegen muss. Dann wird aus dem Ratespiel, wer denn die drei seien, die Kaderschmied Löw streichen werde, bittere Realität. Mehr als die Sollstärke von 23 Spielern darf der Bundestrainer für die Europameisterschaft nicht melden. In Kaiserslautern dürfen die Wackelkandidaten vermutlich allesamt noch einmal kürzer oder länger vorspielen, da die Europäische Fußball-Union (Uefa) bei einem solchen Testspiel bis zu sechs Wechsel erlaubt.

Heimatbesuch für Miroslav Klose

Einer, der neben Torwart Jens Lehmann, den Verteidigern Per Mertesacker und Christoph Metzelder sowie den Mittelfeldchefs Michael Ballack (er stößt in Kaiserslautern zur Mannschaft) und Torsten Frings zur bewährten Achse des deutschen Stammaufgebots zählt, freut sich ganz besonders auf den Abstecher in die Heimat: Miroslav Klose. Der 29 Jahre alte Angreifer, der mit jeweils fünf Treffern bei den Weltmeisterschaften 2002 zweitbester und 2006 bester Schütze war, ist am Tatort Betzenberg fußballerisch sozialisiert worden. Ob danach in Bremen oder München, Klose ist im Herzen immer ein „Roter Teufel“ geblieben.

Das gab der Stürmer am Montag gern preis, als er erzählte, wie er zuletzt fast jede Woche per Pay-TV „mitgezittert“ habe beim lange verzweifelten und letztlich doch geglückten Kampf des 1. FC Kaiserslautern gegen den Abstieg aus der Zweiten Bundesliga. Hochgesprungen sei er, als der Kanadier Simpson das 1:0 für die Pfälzer bei der finalen Rettungsaktion im Spiel gegen den 1. FC Köln erzielt habe. Dem Kölner Nationalmannschafts-Kameraden Patrick Helmes habe er vor der vom FCK mit 3:0 gewonnenen Partie eine SMS geschickt. Deren Inhalt gab Klose so wieder: „Wenn Ihr die Lauterer ausschaltet, brauchst Du erst gar nicht zur Nationalmannschaft anzureisen.“

Klose will „von der ersten Minute an mit aller Macht ein gutes Spiel zeigen“

Vor seinem 75. Einsatz für Deutschland hält Klose es „eher für einen Vorteil“, dass Schlüsselspieler wie er selbst, Lehmann, Metzelder oder Frings aus unterschiedlichen Gründen zuletzt wenig oder lange keine Spielpraxis hatten. Ihm jedenfalls habe nach einer schwachen Bundesligarückrunde schon eine durch eine Nasenoperation erzwungene Pause von einer Woche ohne Fußball gutgetan.

Gegen Weißrussland beginnt die derzeit stärkste Formation – auch um denen, die noch etwas aufzuholen haben, Spielpraxis zu verschaffen. „Wir sind müde“, gab Klose am Montag ehrlich zu, „denn wir haben viel an der Spritzigkeit und Lauffreude gearbeitet.“ Gleichwohl wolle die Mannschaft ihren Fans im ausverkauften Stadion „von der ersten Minute an mit aller Macht ein gutes Spiel zeigen“. Klose selbst reizt die Europameisterschaft auch persönlich. Fünf Tore wie bei der Weltmeisterschaft vor zwei und sechs Jahren habe er 2004 in Portugal „auch gemacht – aber leider nur im Training“. Diesmal soll es endlich rappeln, zumal da noch eine Wette mit seinem Münchner Kollegen und Bundesliga-Schützenkönig Luca Toni läuft. Wer von den beiden beim Kontinentalturnier weniger Treffer erzielt, muss ein Abendessen spendieren, basta.

Schweinsteiger zum 50. Mal im Nationaltrikot

Vielleicht ist Bastian Schweinsteiger bereits an diesem Abend mit einer Runde dran. Der Münchner Flügelmann bestreitet mit gerade 23 Jahren schon sein 50. Länderspiel. Auch das erste, 2004, fand in Kaiserslautern statt. Es ging gegen Ungarn 0:2 verloren. „Vielleicht“, sagt der Jungmann, der eine durchwachsene Saison hinter sich hat, „schaffe ich hier auch mein 100. Länderspiel.“

Macht er nur so weiter, wird er eines Tages zum Erben von Lothar Matthäus als Deutschlands Rekordnationalspieler. Matthäus spielte 150 Mal für Deutschland; im zarten Schweinsteiger-Alter hatte der Franke erst 29 Länderspiele hinter sich. Sollte es der Matthäus-Jäger bis zum Ende seiner Laufbahn dann auch noch fertigbringen, nicht mehr „Schweini“ genannt zu werden, wäre für ihn vielleicht noch mehr als ein Rekord erobert.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1945

Jüngste Beiträge

Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik