09.01.2008 · Seit dem Angriff von Bayern-Fans ist Hannelore Steiner auf einem Auge blind. „Es war wie eine Explosion, dann wurde es schwarz“, sagt die Club-Anhängerin über den Moment, als sie von einer Flasche am Kopf getroffen wurde. Heute beginnt der Prozess.
Von Gerd Schneider, WürzburgAn diesem Mittwoch um neun Uhr muss Hannelore Steiner vor dem Amtsgericht Würzburg erscheinen, als Zeugin und Geschädigte, wie es in der Sprache der Juristen heißt. Man kann nicht sagen, dass sie der Auftritt kalt ließe. Seit Wochen, ja Monaten hat sie Bammel vor diesem Tag. Zum ersten Mal seit jenem 5. Mai des vergangenen Jahres wird sie den Männern gegenüberstehen, die schuld daran sein sollen, dass sie auf einem Auge, dem linken, erblindet ist.
Je näher der Prozessauftakt rückte, umso unruhiger verliefen die Nächte für die 45 Jahre alte Frau aus Treuchtlingen, einem Städtchen 50 Kilometer südlich von Nürnberg. „Ohne Schlaftabletten geht gar nichts mehr“, sagt sie. Aber auch die Medikamente können nicht verhindern, dass sie von Albträumen heimgesucht wird. Es sind immer wieder dieselben Bilder, die sie quälen: die Bilder vom 5. Mai, von der Autobahnraststelle an der A 3 bei Würzburg, wo es morgens um 8.30 Uhr aus Zufall zu jener folgenschweren Begegnung zwischen Fans des 1. FC Nürnberg und der berüchtigten Münchner „Schickeria“ kam.
„Es war wie eine Explosion, dann wurde es schwarz“
Die Nürnberger waren auf dem Weg zum Auswärtsspiel bei Schalke 04, und wie immer saß Hannelore Steiner hinter ihrem Mann, dem Fahrer einer der beiden Busse des „Supporter“-Fanklubs, die an der Raststelle eine Pause einlegten. Sie sagt, sie könne sich noch an alles genau erinnern: Wie die rotgekleideten Bayern-Fans, die auf dem Weg nach Mönchengladbach waren, auf die Nürnberger Busse losstürmten, wie es zu Tritten und Schlägen kam, und wie plötzlich gefüllte Cola-Flaschen durch die Gegend flogen.
Ihrer Schilderung nach warfen mehrere der Randalierer die Flaschen von der geöffneten Eingangstür aus offenbar gezielt nach ihr, mit so großer Wucht, dass sie neben ihr an der Fensterscheibe zerbarsten. Sie beugte sich nach vorne, um den Schließmechanismus der Tür zu betätigen; in dem Moment habe sie eine der Kunststoffflaschen am Kopf getroffen. „Es war wie eine Explosion, dann wurde es schwarz“, sagt Hannelore Steiner. Fünf Stunden später kam sie wieder zu sich, auf der Intensivstation der Universitätsklinik Würzburg. Eine Notoperation in der Kopfklinik hatte ihr das Leben gerettet. Das linke Auge aber war verloren.
„Ich bin froh, dass ich kein Pflegefall bin“
Wie gravierend die Verletzungen der Fränkin waren, kann man dem Bericht der Würzburger Staatsanwaltschaft entnehmen. Dort ist die Rede von „lebensbedrohlichen Verletzungen, einer Kopfplatzwunde an der Stirn, Zertrümmerung des Gesichtsskeletts durch Mehrfachfraktur des Nasenbeins, Augenhöhlenvorderwandfraktur, Bruch in der Schädelhöhle und der Nasennebenhöhle, einer traumatischen Eröffnung des linken Augapfels, Luxation des linken Auges“. Sie sagt: „Ich bin froh, dass ich kein Pflegefall bin.“
Hannelore Steiner sitzt in ihrem Wohnzimmer in Treuchtlingen, inmitten von Devotionalien des 1. FC Nürnberg. Selbst auf dem Glas, aus dem sie trinkt, steht „FCN“. Die Liebe zum „Club“ hat nicht gelitten unter ihrem Unglück, inzwischen fährt sie mit ihrem Mann auch wieder bei Auswärtsspielen in der Fußball-Bundesliga mit. Zum Glück, sagt sie, sei sie eine lebensfrohe Person, die mit ihrem Schicksal nicht hadere. Sie hat sich auch an die weiße Augenbinde gewöhnt, die sie immer trägt, um den Leuten den Anblick zu ersparen.
Der Verein trägt die Kosten
Inzwischen ist sie von einem Trierer Spezialisten dreimal an dem Auge operiert worden. Zwei Tage nach dem Prozessauftakt in Würzburg folgt der nächste Eingriff. Sie erhält eine Teilprothese des Augapfels. Dann soll das Auge, wenn auch ohne Sehkraft, wenigstens wieder normal aussehen. Der FC Bayern hat sie an den Spezialisten vermittelt, der Verein trägt auch die Kosten für die Behandlung. „Die kümmern sich, da kann man nichts sagen“, sagt Hannelore Steiner. Sie haben ihr auch ein Mannschaftsposter mit den Unterschriften der Spieler geschenkt, es hängt im Flur hinter der Eingangstür, damit man es nicht gleich sieht.
Die Klubführung des FC Bayern München hat sich damals sofort von der „Schickeria“ distanziert und allen, die in den besagten Bussen auf dem Weg nach Mönchengladbach waren, Stadionverbot erteilt. Dass dem Klub der Fall noch immer unangenehm ist, merkt man daran, wie unwillig der Fan-Beauftragte Raimond Aumann auf Fragen danach reagiert. Er wolle sich dazu nicht äußern, sagt der frühere Bayern-Torhüter kurz angebunden, nur so viel: Die „Schickeria“ gehöre nicht zu den organisierten Fanklubs der Bayern, sondern sei eine „Fan-Gruppierung“. 21 von ihnen müssen sich wegen der Randale an der A 3 vor Gericht verantworten, die ersten Drei von diesem Mittwoch an in Würzburg: ein Einundzwanzigjähriger, mehrfach vorbestrafter Auszubildender, ein 22 Jahre alter, weitgehend geständiger Heizungsbauer und ein sechsundzwanzigjähriger Lagerist. Alle drei saßen nach dem Angriff in Untersuchungshaft, einer sogar fünf Monate lang. Sie sollen Flaschen geworfen und auch sonst an der Keilerei beteiligt gewesen sein.
„Ich will diesen Chaoten in die Augen sehen“
Der Vorgang sei „im Wesentlichen durch Zeugenaussagen gesichert“, sagte Oberstaatsanwalt Erik Ohlenschlager der Würzburger Zeitung „Main Post“. Ob es ihm gelingt, nachzuweisen, wer genau die Frau im Bus so schwer verletzt hat, wird sich zeigen. Der Prozess ist auf neun Tage angesetzt, viele Medien werden angesichts der aktuellen Gewalt-Debatte darüber berichten. Aus Polizeikreisen ist zu hören, auch der bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, ein bekennender „Club“-Anhänger, soll sich ganz genau über die Ermittlungen erkundigt haben.
Hannelore Steiner wird mit pochendem Herzen den Saal 17 im Würzburger Amtsgericht betreten. Es geht ihr momentan nicht besonders gut. Seit dem 5. Mai ist sie krankgeschrieben. Sie hatte damals gerade eine Umschulung zu einer Fachkraft für Lagerverwaltung begonnen. Sie klagt nicht über ihr Schicksal. Aber sie ist immer noch in psychologischer Behandlung, um die Erlebnisse zu verwinden. Die „Club“-Fans haben seinerzeit für sie gesammelt, ein paar Tausend Euro sind zusammengekommen. Doch jetzt muss sie mir ihrem Mann allein über die Runden kommen. In Zivilprozessen wird es später um Schmerzensgeld gehen; aber auch dieser Ausgang ist ungewiss.
Sie sagt, es gehe ihr nicht um Rachegedanken, wenn sie den Schlägern gegenübersteht: „Ich will diesen Chaoten nur in die Augen sehen. Ich will, dass sie ihre gerechte Strafe bekommen. Für mich war es versuchter Mord.“
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Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |