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Nach Enkes Tod Der Alltag kehrt lautstark zurück

22.11.2009 ·  Erst das Schweigen, dann das Geschrei: Am Samstag steht nur das Vorprogramm im Zeichen der Trauer um Robert Enke. Nach der Gedenkminute herrscht im Bundesligaspiel zwischen Schalke und Hannover wieder Fußball-Normalität.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Vor dem Anpfiff ist die Arena ein Hort der Ruhe. Das Vorprogramm des Bundesligaspiels Schalke 04 gegen Hannover 96 steht im Zeichen der Trauer um den früheren Nationaltorwart Robert Enke, der sich am 10. November das Leben genommen hat. Zwar singen die Schalker wie immer ihr Vereinslied, die Stadionregie verzichtet jedoch darauf, wie sonst beim Einmarsch der Mannschaften üblich den alten Hit „Whatever you want“ von „Status Quo“ einzuspielen.

Der traurige Anlass wirkt wie ein Band, das die Konkurrenten auf dem Rasen wie auf den Rängen vereint. Während die Hannoveraner Fans stumm ihre Schals präsentieren, drücken die schweigenden Schalker auf der gegenüberliegenden Seite ihr Mitgefühl auf Transparenten aus. „Ruhe in Frieden, Robert“ steht in großen weißen Lettern auf schwarzem Grund. Und: „Der Tod trennt - der Tod vereint“. Auf einem anderen Spruchband heißt es: „Unser Mitgefühl gilt Teresa, Leila, der Familie & Hannover 96“.

Als die Gedenkminute vorüber ist und die Bilder auf dem Videowürfel nochmals an Enkes berufliches Wirken erinnert haben, stellt sich allmählich das ein, was viele Fußballanhänger sich von diesem ersten Hannoveraner Bundesliga-Auftritt seit Enkes Freitod erhoffen: ein Stück Normalität.

„Wir wollen den Ball wieder rollen lassen“

Der Alltag kehrt sogar besonders lautstark in die Arena zurück. Die Fans beider Parteien schalten blitzschnell um von Schweigen auf Geschrei, um ihre jeweilige Lieblingsmannschaft anzufeuern. Und die Spieler gehen, gerade in den Anfangsminuten, mit Schwung ans Werk, als wollten sie zeigen, dass sie sich ihre Freude am Spiel, bei aller Trauer, bewahrt haben, so wie der Hannoveraner Trainer Andreas Bergmann es angekündigt hatte. „Die Mannschaft macht einen guten, gefestigten Eindruck“, sagte er. „Wir wollen den Ball wieder rollen lassen und uns über den Fußball wieder in die Normalität zurückkämpfen. Das wäre in Roberts Sinne.“

In Gelsenkirchen zeigen die Hannoveraner Spieler trotz der 0:2-Niederlage guten Willen - auch für ihre Nummer eins, die nicht mehr dabei und doch gegenwärtig war. Jeder Profi der Sechsundneunziger trägt auf der Vorderseite seines Trikots eine kleine schwarze „1“, um so neben dem Trauerflor ein weiteres Zeichen des Gedenkens zu setzen. „Robert wird weiterwirken, immer präsent sein“, sagt Bergmann, Seine Einstellung werde der Mannschaft weiter als Vorbild dienen.

Auch dem jungen Torhüter Florian Fromlowitz, der das sportliche Erbe zwischen den Pfosten antritt. Er ist der Nachfolger Enkes, klingt aber zuweilen so, als wäre er noch dessen Stellvertreter. „Ich habe keinen Konkurrenten, sondern einen Freund verloren“, sagt Fromlowitz. „Robert wird hier immer die Nummer eins sein.“ So sehen es wohl auch die Anhänger. Im Fanblock schwenken sie während der gesamten Partie eine schwarze Fahne mit einer großen weißen „1“.

Eine schwarze Fahne mit einer großen weißen „1“

Der neue Stammtorwart, der Enke schon einige Male ersetzt hatte, zeigt sich seiner neuen Aufgabe von Anfang an gewachsen, so etwa beim ersten Schreckschuss von Christoph Moritz, den er prächtig pariert oder bei einem wuchtigen Versuch Kevin Kuraynis, den er im zweiten Durchgang entschärft. „Viele Menschen schauen auf mich. Aber ich habe auch vorher Drucksituationen erlebt“, sagt Fromlowitz. Der Torwart befolgt professionell den Rat seines Trainers, „für sich und seine weitere Entwicklung zu spielen“. Wie groß die Tragödie auch sei, sagt Bergmann. „Florian ist kein Ersatz-Robert, er ist eine eigenständige Person.“

Fromlowitz macht seine Sache gut, wird zum besten Spieler seiner Elf, die in der zweiten Hälfte arg unter Druck gerät, kann die Niederlage aber auch nicht verhindern. Als Jefferson Farfan in der 69. Minute einen Eckball von Rafinha mit dem Kopf ins Tor wuchtet, muss er sich geschlagen geben ebenso wie in der Nachspielzeit bei Jan Morakveks Abstaubertor. Farfan bejubelt seinen Treffer gut sichtbar, auch ein Stück Normalität. Kuranyi hätte es anders gemacht. „Aus Respekt vor Robert würde ich nicht wie üblich jubeln, sondern mich nur innerlich freuen“, hatte er angekündigt.

Am Ende freuen die Schalker sich über drei Punkte - jeder nach seiner Facon, die meisten laut, andere vielleicht ein wenig stiller. Auch Fromlowitz und seine Mitstreiter dürfen zufrieden sein. Sie haben die erste Etappe auf dem Weg in die Normalität bewältigt. Auch die Sechundneunziger werden von ihren Anhängern gefeiert - trotz der Niederlage in Schalke.

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