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Nach dem 2:5 gegen Bremen Die erste Lektion für Klinsmann

21.09.2008 ·  Die Vereinsoberen des FC Bayern - Franz Beckenbauer ausgenommen - schweigen, der Trainer redet viel und beschönigt nichts. Jürgen Klinsmann weht nach dem Debakel gegen Bremen ein rauher Wind ins Gesicht. Bei einer Pokalniederlage in Nürnberg droht daraus ein Orkan zu werden.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Irgendwann krempelte wenigstens der Chef die Ärmel hoch. In der Halbzeitpause war es Jürgen Klinsmann offenbar zu heiß geworden. Er entledigte sich der roten Steppjacke, stand an diesem kühlen September-Nachmittag im hellblauen Hemd, die Ärmel nach oben gerollt, am Spielfeld und bereitete das neue Personal auf seinen Einsatz vor. Etwas später zog der Trainer doch wieder die Jacke an, waren doch ohnehin schon viele in seinem Umfeld ein bisschen verschnupft – und das weniger wegen der niedrigen Temperaturen.

Wie sehr es die Verantwortlichen mitnahm, von Werder Bremen im eigenen Stadion derart vorgeführt zu werden (siehe: 2:5 gegen Bremen: Bayern wie eine Wiesn-Mannschaft), ließ sich nur erahnen. Die jüngste Geschichte – als er einmal Klinsmanns Vorgänger Ottmar Hitzfeld nach einem Uefa-Pokalspiel öffentlich gescholten hatte – dürfte vor allem den Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge gelehrt haben, seinen Ärger besser nicht sofort los zu werden. Er kam deshalb wortlos aus der Kabine, ein paar Minuten später folgte Manager Uli Hoeneß, der immerhin wissen ließ: „Ich möchte heute mal nichts sagen.“

„Der Gegner hat uns eine Lektion erteilt“

Dafür redete Klinsmann nach seiner ersten Niederlage mit dem FC Bayern München viel und ausgiebig. Er beschönigte nichts und suchte keine Ausreden. „Natürlich tut es weh“, gab er zu. „Aber heute hat uns einiges gefehlt, um als Sieger vom Platz zu gehen.“ Vor allem Leidenschaft und professionelles Zweikampfverhalten. „Die Bremer waren uns immer einen Tick voraus.“ Man müsse eingestehen, „dass der Gegner besser war und uns eine Lektion erteilt hat“. Klinsmann versuchte, sich kämpferisch zu geben. „Wir werden wieder aufstehen und vielleicht stärker als zuvor sein.“

Aber nur einmal konnte sich der Berufsoptimist bei seinen Analysen zu einem kurzen Lächeln aufraffen. Es war im Fernsehstudio, als ihm der Präsident einen ausgiebigen Besuch des Oktoberfests ans Herz legte. „Ich beneide dich nicht“, sagte Franz Beckenbauer. „Trink doch einfach ein paar Wiesn-Maß heute Abend.“ Er nehme ja in der Regel gerne jeden Ratschlag seines früheren Trainers an, entgegnete Klinsmann, „aber in diesem Fall werde ich es nicht tun“ (siehe: Bundesliga: Hoffenheim und Wolfsburg machen's Bremen nach).

Es gab ein paar Rufe nach Ottmar Hitzfeld

Klinsmann weiß, dass er besser einen klaren Kopf behält in den nächsten Tagen. Denn da wird einiges auf ihn zukommen. Nicht von der Vereinsseite, denn die Bayern-Chefs werden das aufwendige System Klinsmann nicht schon nach der ersten, wenngleich herben Panne verdammen. Vermutlich gilt das 2:5 dort noch als Betriebsunfall, weil es nicht im Trend lag. Die Tendenz war in den vergangenen Spielen eher steigend – was noch am Mittwoch in der Champions League gegen Bukarest gut war, kann nicht drei Tage später schlecht sein.

Aber die Mechanismen außerhalb des Vereins funktionieren eben anders. Und in der Öffentlichkeit wird der Trainer vom Tag seiner Verpflichtung an mit Skepsis betrachtet. Die Niederlage gegen Bremen bestätigt so manchen Zweifler. Von den Besuchern im Stadion war die Kritik am Samstag allerdings noch zurückhaltend ausgefallen. Nur vereinzelte hatte es Pfiffe und ein paar Rufe nach Ottmar Hitzfeld gegeben.

Rensings Patzer könnten eine Torwart-Diskussion anstoßen

Es gibt natürlich ein paar Dinge, die nicht oder noch nicht ganz rund laufen in dieser Saison, aber eine Mannschaft mit dem Potential des FC Bayern kann kleinere Schwachstellen kompensieren, meistens jedenfalls. Wenn es aber nicht klappt, dann fällt eben auch ins Gewicht, dass sich die Hintermannschaft in Michael Rensing auf einen neuen Torhüter einstellen muss, der zum einen nicht die Ausstrahlung seines Vorgängers Oliver Kahn hat und haben kann, dem zum anderen bis Samstag zwar keine großen Fehler unterliefen, aber eben auch noch keine großen Paraden gelangen.

Die zwei Patzer von Rensing gegen Bremen waren nicht spielentscheidend, könnten allerdings eine Diskussion um die Position der Nummer eins anstoßen. Im Kader fehlt ein Mittelfeldlenker. Aber auch das ist nicht neu, der fehlte auch schon in der vergangenen Saison. Vor allem, wenn der kreativste Spieler der Münchner, Franck Ribéry, wie seit Saisonbeginn fehlt, kocht dieses Thema im Falle des Misserfolgs hoch.

Bei einer Niederlage in Nürnberg droht ein Orkan

Klinsmann ist gewiss froh, dass schon am Mittwoch das nächste Spiel ansteht, vermutlich mit dem Comeback von Ribéry. Mit einem Erfolg in der zweiten Pokalrunde gegen Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg könnten sich Trainer und Mannschaft gleich wieder Ruhe verschaffen. Bei einer weiteren Niederlage hingegen würde aus dem rauhen Wind schnell ein heftiger Orkan.

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