14.04.2007 · Nach der unglücklichen Niederlage im Abstiegs-Endspiel gegen den Hamburger SV kann Borussia Mönchengladbach seine Planungen für eine fünfwöchige Abschiedstour durch die Fußball-Bundesliga und den Neuanfang in Liga zwei aufnehmen.
Von Richard Leipold, MönchengladbachNeuerdings wacht Christian Ziege nachts manchmal auf. Dann nehmen den Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach Gedanken über die Zukunft des Klubs gefangen. Vor dem Heimspiel gegen den Hamburger SV kreisten sie "zu fünfzig Prozent um die erste und zu fünfzig Prozent um die zweite Liga". In der Nacht zum Samstag dürften sich die Kräfteverhältnisse im Kopf des 35 Jahre alten Managers zugunsten der zweiten Klasse verschoben haben.
Nach dem 0:1 gegen die Hanseaten deutet alles auf den zweiten Bundesliga-Abstieg der Gladbacher hin: Wer die wenigsten Tore und die wenigsten Punkte hat, der besitzt fünf Runden vor Ultimo nur eine minimale (rechnerische) Chance auf eine Wende. Von Woche zu Woche brennt sich der Gedanke an den Abstieg stärker ein in das Bewusstsein der Borussen. Auch Ziege fängt offenbar an zu begreifen, worauf er sich eingelassen hat, als er sich vor ein paar Wochen vom B-Juniorentrainer zum Sportdirektor befördern ließ, um Peter Pander nachzufolgen und dessen verfehlte Politik zu korrigieren.
Zeichen von Resignation
Nach der Niederlage gegen den keineswegs starken HSV ließen schon Zieges Laufwege Zeichen von Resignation erkennen. Vor den Fernsehkameras hielt er kurz an und gab ein paar Stereotypen von sich. Es werde "megaschwer, das noch umdrehen", sagte er und fügte dezent an, dass er nicht verantwortlich gemacht werden könne für die Fehler und Versäumnisse anderer. Die nahezu ausweglose Situation sei "nicht in den letzten drei Spielen entstanden".
Dann verschlug es ihm vollends die Sprache. Bei ihm, dem Hoffnungsträger, ist nichts mehr zu sehen, zu hören oder zu spüren von der Aufbruchstimmung seiner ersten Arbeitswoche, in der die Mannschaft mit dem Heimsieg über Hertha BSC Berlin mehr versprochen hatte, als sie später halten konnte. Die Partie gegen Hamburg war ein einziger untauglicher Versuch, die Durchhalteparolen nochmals mit Leben zu erfüllen. Während der neunzig Minuten sprach alles gegen die Borussen: Zum dritten Mal nacheinander trafen sie die Latte, statt in Führung zu gehen, einer mäßigen ersten ließen sie eine äußerst schwache zweite Halbzeit folgen; der Gegentreffer fiel in der neunzigsten Minute, rund vierzig Sekunden nach der Einwechslung des Torschützen Paolo Guerrero.
Viel erlebt und viel erlitten
Wie ohnmächtig muss sich einer wie Ziege in dieser Lage fühlen! Als Auszubildender im neuen Job steht er vor der Aufgabe, eine neue Mannschaft zu formen; eine Aufgabe, an der sich eine Reihe namhafter Trainer und Manager in den vergangenen sechs Jahren verhoben haben. Ziege hat viel erlebt, viel erlitten in seiner Profikarriere, die in Gladbach aufgrund von Verletzungen sang- und klanglos zu Ende gegangen war. Aber einen Abstieg und seine Folgen hat der 72-malige Nationalspieler nicht mitgemacht als Profispieler so berühmter Klubs wie Bayern München, AC Mailand, FC Liverpool oder Tottenham Hotspur.
Jetzt liegt Ziege nachts wach und grübelt über die ungewisse Zukunft eines tief gefallenen Traditionsklubs nach. Er wolle möglichst viele Spieler halten, sagt er. Gemeint sind natürlich nur diejenigen mit dem richtigen Charakter, also vielleicht doch nicht so viele. "Wir sind gerade dabei, herauszufiltern, wer diesen Charakter hat." Während die Mittelfeldspieler Federico Insua und David Degen im Abstiegsfall gegen eine festgeschriebene Ablöse gehen können (und wohl auch sollen), hofft Ziege, Nationalverteidiger Marcell Jansen mit in die zweite Liga nehmen zu können - wie Kapitän Oliver Neuville, der seinen Vertrag jüngst verlängert hat.
Geht auch Jansen?
Aber kann Ziege, der einst auf Jansens Position kickte, dem Einundzwanzigjährigen diesen Karriereknick zumuten, zumal, wenn alle Spitzenklubs der Bundesliga und dazu Arsenal London um ihn werben? Solche Gedanken nimmt Ziege mit in den Schlaf. Wenn er aufwache, kämen ihm zuweilen Ideen, sagt er. Deshalb habe er sich einen Notizblock auf den Nachttisch gelegt. "Dann kann ich im Dunkeln Stichworte draufkritzeln." Das Stichwort Klassenverbleib dürfte in seinen aktuellen Gedanken keine große Rolle mehr spielen.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |