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Millionen-Deal perfekt Eine Flamme züngelt auf Schalker Brust

11.10.2006 ·  Der russische Gasförderer Gasprom wird dem FC Schalke 04 als neuer Hauptsponsor auf fünf Jahre verteilt zwischen 70 und 100 Millionen Euro zuwenden. Eingefädelt hat den Deal der ehemalige Kanzler Schröder.

Von Michael Reinsch, Dresden
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Die letzte Zeche ist auf Schalke längst geschlossen. Aber um Kohle dreht sich zur Zeit noch immer fast alles im berühmtesten Ortsteil Gelsenkirchens. Als Klub im Bergbaurevier passe Schalke 04 ganz hervorragend zu seinem Unternehmen, sagte der Russe Sergej Fursenko, als er am Dienstag abend in Dresden den Sponsorvertrag zwischen dem Energieriesen Gasprom und dem Fußballverein besiegelte. Sein Unternehmen transportiere ja nicht nur Gas, sondern fördere es auch. Da klang - so einfach ist Russisch - schon das Wort vom FC Schachtjor 04 an.

Josef Schnusenberg, bei Schalke für die Finanzen zuständig, gestand am Dienstag abend, daß er „seit gestern“ Russisch lerne. Mißverständnisse will er schon vor den ersten Lernerfolgen ausgeschlossen haben. „Die Unabhängigkeit des Vorstandes im operativen Geschäft wird weiter bestehen“, sagte Schnusenberg nach öffentlicher Vertragsunterzeichnung im Taschenbergpalais in der Dresdner Altstadt. „Die Verhandlungen haben gezeigt, daß Gasprom nur Sponsor und nicht Eigentümer werden will.“

Victoria „hat die Brust frei gemacht“

Die Bedeutung des russischen Engagements spiegelte sich im vorzeitigen Aufbruch des Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, des Vereinsvorsitzenden Gerd Rehberg und von Fursenko wieder: Sie eilten, um den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen, nachdem dieser mit Bundeskanzlerin Angela Merkel gespeist hatte. Der russische Staat verfügt über die Hälfte der Gasprom-Aktien plus einer; Gasprom-Chef Alexej Miller gilt als enger Vertrauter des Präsidenten. Nicht nur der Besuch bei einem der beiden mächtigsten Männer der Welt und der Abschluß des Geschäfts zwischen Gelsenkirchen und Moskau bei einem Staatsbesuch symbolisieren dessen Bedeutung.

Der bisherige Trikotsponsor Victoria „hat die Brust frei gemacht“, wie Tönnies sich freute. Schon vom 1. Januar an wird die Gasprom-Flamme auf dem Trikot der Fußballprofis aus Gelsenkirchen züngeln, am 10. Januar wird die erste Rate des Millionengeschäfts fällig. Von Juli an wird die Osttribüne der Veltins-Arena in Gasprom-Tribüne umbenannt sein, dazu kommen Bandenwerbung, eine Loge und eine Zusammenarbeit mit dem FC Zenit St. Petersburg, der sich mehrheitlich im Eigentum von Gasprom befindet.

Idee entstand beim Champions-League-Finale

Zahlen wollte Schnusenberg zwar nicht nennen, bestritt aber auch nicht, daß Schalke in den fünf Jahren bis zum Ende der Saison 2011/2012 jährlich 25 Millionen Euro einnehmen kann. „Für 125 Millionen Euro müßten wir schon extrem erfolgreich sein“, sagte er. „Aber wenn wir es sind, spricht man, mit Prämien, ganz schnell vom Doppelten.“

Beim Finale der Champions League in Istanbul sei Tönnies auf die Idee gekommen, Gasprom ein Sponsoring anzubieten, erinnerten sich die Beteiligten; im März habe der Aufsichtsratsvorsitzende den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder angerufen mit der Bitte, Kontakt herzustellen. Daraufhin kam es zu Telefongesprächen mit Fursenko, der Geschäftsführer der Gasprom-Tochter Lentransgas sowie Präsident des FC Zenit St. Petersburg und Beauftragter des Gasprom-Chefs Miller ist. Im Mai trafen sich die Verhandlungspartner bei einem Heimspiel von Schalke erstmals. Im Juni kam Miller nach Gelsenkirchen und besuchte die Arena, die den Russen nun als Vorbild ihres Stadionbaus in St. Petersburg gilt. Und schon im September wurden in Moskau die letzten Details geregelt.

„Nie etwas von einem Angebot an Dortmund gehört“

Stolz sind die mit 255 Millionen Euro verschuldeten Schalker auf die Anteilnahme der Konkurrenz von München bis Hamburg. Nicht die Not habe sie den Russen in die Arme getrieben, ist ihre Devise, sondern das Potential der Marke Schalke 04 sei so groß, daß selbst ein Riese mit sechs Milliarden Euro Gewinn sie auswähle, um die Endverbraucher in Deutschland anzusprechen. Wie zur Demonstration der Normalität wiederholte Schnusenberg gern, das frische Geld solle weder zur Tilgung noch für die Verpflichtung von Stars genutzt werden.

Berichte, Schalke sei praktisch nur zweite Wahl, da Borussia Dortmund den Russen mit dem prallen Geldbeutel vor Jahresfrist die kalte Schulter gezeigt habe, bestreitet Fursenko. „Ich bin eigentlich gut informiert über das, was bei Gasprom vor sich geht“, sagte er in Dresden. „Aber ich habe nie etwas von einem Angebot an Borussia Dortmund gehört.“ Auch weitergehende Versuche, Einfluß zu nehmen, soll es von russischer Seite nicht geben. Die Option, sich an der Stadiongesellschaft von Schalke zu beteiligen, sagte Gasprom-Sprecher Sergej Kuprianoff, habe man nicht in Betracht gezogen. „Sponsoring ist völlig ausreichend.“ Es scheint, als hätten die Schalker eine Goldgrube gefunden.

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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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