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Mike Hanke Die Nummer neuneinhalb

Als klassischer Stürmer sozialisiert, überzeugt Mike Hanke bei Borussia Mönchengladbach auch ohne Tore. An diesem Freitag trifft er auf den 1. FC Köln (20.30 Uhr).

© dpa Vergrößern Mehr als „Danke Hanke!“ - der Stürmer ist bei der Borussia angekommen

Wenn ein Stürmer keine Tore schießt, ruft das meist Verdruss hervor, noch dazu, wenn es sich um einen klassischen Torjäger handelt. Lange stand Mike Hanke in dem Ruf, genau so ein Fußballspieler zu sein; einer, der als „Stoßstürmer“ im Strafraum seine Stärken ausspielt, weil er sonst keine hat. So hat ihn das Publikum wahrgenommen, ob „auf“ Schalke, wo er als Teenager begann, später in Wolfsburg oder bei Hannover 96 und letztlich auch in Mönchengladbach, am Anfang. „Danke Hanke!“ - auf diesen kurzen Reim wurde das Wirken dieses Angreifers reduziert - wenn, ja wenn er unter den Torschützen war.

Die Anhänger von Borussia Mönchengladbach sind dem Angreifer inzwischen aus einem ganz anderen Grund zum Dank verpflichtet. Hanke hat mit seinem Selbstbewusstsein nicht nur für gute Stimmung im Abstiegskampf der vergangenen Saison gesorgt; er bekleidet auch eine wesentliche Rolle im Kombinationsspiel der Borussen. Als klassische Nummer neun im Fußball sozialisiert, lässt Hanke gestaltende Elemente eines „Zehners“ in sein Wirken einfließen. Das kommt ihm gerade im strukturierten Spiel des Fußball-Lehrers Lucien Favre zugute.

Hertha BSC -  Borussia Mönchengladbach © dpa Vergrößern Im Schatten des jungen Aufsteigers: Hanke (l.) und Reus (r.)

In dieser Saison hat Hanke noch keinen einzigen Treffer erzielt, obwohl er zum Stammpersonal gehört. Und niemanden stört es - solange er der Mannschaft auf andere Weise nützt. Er sei kein klassischer Mittelstürmer mehr, sagt Hanke. „Ich bin eine Nummer neuneinhalb.“

Ausnahmsweise scheint das Publikum geneigt, einem Mann in seiner Position zu glauben, wenn er behauptet, es sei egal, wer die Tore schießt. Hanke versteht es, seine eigene Position im Schatten des jungen Aufsteigers Marco Reus ohne Neid zu definieren. Zumal wenn sein Kompagnon im Sturm so verlässlich trifft wie zuletzt. Reus erzielte allein die Hälfte der zwanzig Tore, die für den Bundesliga-Dritten vor dem rheinischen Derby an diesem Freitag gegen den 1. FC Köln (20.30 Uhr) zu Buche stehe - auch ein Verdienst Hankes, der sich mit dem Jungnationalspieler bestens versteht.

Die vielleicht letzte erstklassige Chance

Dass Hanke selbst im Abschluss so selten in Erscheinung tritt - sein letzter Treffer liegt über 1000 Spielminuten zurück - „war so nicht geplant“, sagt der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl. „Aber wir haben ihn auch geholt, weil wir von seiner fußballerischen Qualität überzeugt waren. Andere profitieren stark von ihm. Wir wussten, dass er richtig kicken kann. Wenn er auch noch schnell wäre, hätte er sich bei Schalke oder Wolfsburg durchgesetzt und wäre gar nicht erst bei uns gelandet.“

Als Teamplayer erschließt Hanke anderen Freiräume, die er vorher allein für sich selbst reklamiert hätte. Der vermeintliche Torjäger steht verlässlich als Anspielstation bereit und holt sich sogar aus dem Mittelfeld den Ball, um ihn für Reus nach vorne zu tragen. Wer hätte das gedacht, als vor der WM 2006 der damalige Bundestrainer Klinsmann Hanke den Vorzug vor einem klassischen Mittelstürmer wie Kevin Kuranyi gab? In Mönchengladbach hat Hanke seine vielleicht letzte erstklassige Chance erhalten. Er ist auf dem besten Wege, sie zu nutzen, zumal der vermeintlich gesetzte Stürmer Igor de Camargo häufig verletzt ist.

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Auch eine Portion Demut hilft Hanke. „Nicht jeder geht gern zum Tabellenletzten“, sagte der Stürmer, als er vor knapp einem Jahr in Gladbach eintraf, „aber ich habe sofort zugesagt, weil die Borussia ein toller Verein ist.“ Darin sieht er sich bestätigt. Binnen weniger Monate hat sich Gladbach vom Abstiegskandidaten zu einer Spitzenmannschaft entwickelt. Und Stürmer Hanke hat diesen Wandel mitgestaltet - ohne Tore.

Quelle: F.A.Z.

 
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