Home
http://www.faz.net/-gtn-6vcc2
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Mike Hanke Die Nummer neuneinhalb

25.11.2011 ·  Als klassischer Stürmer sozialisiert, überzeugt Mike Hanke bei Borussia Mönchengladbach auch ohne Tore. An diesem Freitag trifft er auf den 1. FC Köln (20.30 Uhr).

Von Richard Leipold, Mönchengladbach
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (2)
© dpa Mehr als „Danke Hanke!“ - der Stürmer ist bei der Borussia angekommen

Wenn ein Stürmer keine Tore schießt, ruft das meist Verdruss hervor, noch dazu, wenn es sich um einen klassischen Torjäger handelt. Lange stand Mike Hanke in dem Ruf, genau so ein Fußballspieler zu sein; einer, der als „Stoßstürmer“ im Strafraum seine Stärken ausspielt, weil er sonst keine hat. So hat ihn das Publikum wahrgenommen, ob „auf“ Schalke, wo er als Teenager begann, später in Wolfsburg oder bei Hannover 96 und letztlich auch in Mönchengladbach, am Anfang. „Danke Hanke!“ - auf diesen kurzen Reim wurde das Wirken dieses Angreifers reduziert - wenn, ja wenn er unter den Torschützen war.

Die Anhänger von Borussia Mönchengladbach sind dem Angreifer inzwischen aus einem ganz anderen Grund zum Dank verpflichtet. Hanke hat mit seinem Selbstbewusstsein nicht nur für gute Stimmung im Abstiegskampf der vergangenen Saison gesorgt; er bekleidet auch eine wesentliche Rolle im Kombinationsspiel der Borussen. Als klassische Nummer neun im Fußball sozialisiert, lässt Hanke gestaltende Elemente eines „Zehners“ in sein Wirken einfließen. Das kommt ihm gerade im strukturierten Spiel des Fußball-Lehrers Lucien Favre zugute.

In dieser Saison hat Hanke noch keinen einzigen Treffer erzielt, obwohl er zum Stammpersonal gehört. Und niemanden stört es - solange er der Mannschaft auf andere Weise nützt. Er sei kein klassischer Mittelstürmer mehr, sagt Hanke. „Ich bin eine Nummer neuneinhalb.“

Ausnahmsweise scheint das Publikum geneigt, einem Mann in seiner Position zu glauben, wenn er behauptet, es sei egal, wer die Tore schießt. Hanke versteht es, seine eigene Position im Schatten des jungen Aufsteigers Marco Reus ohne Neid zu definieren. Zumal wenn sein Kompagnon im Sturm so verlässlich trifft wie zuletzt. Reus erzielte allein die Hälfte der zwanzig Tore, die für den Bundesliga-Dritten vor dem rheinischen Derby an diesem Freitag gegen den 1. FC Köln (20.30 Uhr) zu Buche stehe - auch ein Verdienst Hankes, der sich mit dem Jungnationalspieler bestens versteht.

Die vielleicht letzte erstklassige Chance

Dass Hanke selbst im Abschluss so selten in Erscheinung tritt - sein letzter Treffer liegt über 1000 Spielminuten zurück - „war so nicht geplant“, sagt der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl. „Aber wir haben ihn auch geholt, weil wir von seiner fußballerischen Qualität überzeugt waren. Andere profitieren stark von ihm. Wir wussten, dass er richtig kicken kann. Wenn er auch noch schnell wäre, hätte er sich bei Schalke oder Wolfsburg durchgesetzt und wäre gar nicht erst bei uns gelandet.“

Als Teamplayer erschließt Hanke anderen Freiräume, die er vorher allein für sich selbst reklamiert hätte. Der vermeintliche Torjäger steht verlässlich als Anspielstation bereit und holt sich sogar aus dem Mittelfeld den Ball, um ihn für Reus nach vorne zu tragen. Wer hätte das gedacht, als vor der WM 2006 der damalige Bundestrainer Klinsmann Hanke den Vorzug vor einem klassischen Mittelstürmer wie Kevin Kuranyi gab? In Mönchengladbach hat Hanke seine vielleicht letzte erstklassige Chance erhalten. Er ist auf dem besten Wege, sie zu nutzen, zumal der vermeintlich gesetzte Stürmer Igor de Camargo häufig verletzt ist.

Auch eine Portion Demut hilft Hanke. „Nicht jeder geht gern zum Tabellenletzten“, sagte der Stürmer, als er vor knapp einem Jahr in Gladbach eintraf, „aber ich habe sofort zugesagt, weil die Borussia ein toller Verein ist.“ Darin sieht er sich bestätigt. Binnen weniger Monate hat sich Gladbach vom Abstiegskandidaten zu einer Spitzenmannschaft entwickelt. Und Stürmer Hanke hat diesen Wandel mitgestaltet - ohne Tore.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Umfrage

Muss das Relegationsspiel wiederholt werden?

2323 Stimmen wurden abgegeben.

57%
Ja, weil den Fans endlich die Folgen ihres Verhaltens aufgezeigt werden muss
43%
Nein, weil die Tatsachenentscheidung Bestand haben muss
Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik