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Michael Kempter : Auf Bewährung in die dritte Liga

Michael Kempter bleibt DFB-Schiedsrichter - aber nur noch in der dritten Liga Bild: dpa

Der DFB hat entschieden: Michael Kempter soll Schiedsrichter bleiben. Nach der Affäre Amerell soll er zwar weiter überregional, aber lediglich in der dritten Liga zum Einsatz kommen. Dort soll er vom DFB zunächst sorgfältig beobachtet werden.

          Pressemitteilungen können ein Rätsel und ein Ärgernis sein, so gespreizt formuliert und inhaltlich dürftig sind sie manchmal. Die des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) von vergangenem Montag ist so eine Erklärung. Darin steht, dass der Schiedsrichter Michael Kempter bestraft wird, aber nur ein bisschen, dass er charakterliche Mängel aufweist, aber keine so schlimmen, dass man sich weiter um ihn kümmern werde, aber nicht so richtig.

          Ein einziges Hin und Her, das zeigt: Der Verband ist in Schwierigkeiten. Kempter beschäftigt ihn seit Monaten. In dessen Auseinandersetzung mit dem früheren Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell geht es um Dinge, die den DFB offenbar überfordern: sexuelle Belästigung, Begünstigung durch einen Vorgesetzten, Verrat. Kempter jedenfalls, der frühere Komet in seiner Zunft, soll weiter pfeifen dürfen - allerdings nur in der dritten Liga, teilte der DFB mit. So habe es die Schiedsrichter-Kommission entschieden. Das Präsidium werde bei seiner nächsten Sitzung am 30. Juli informiert.

          Dritte Liga, das ist sehr weit unten für einen Mann, der mal der beste deutsche Schiedsrichter werden sollte, Einsätze auf höchstem internationalem Niveau inklusive. Und nun heißt es: „Hinweise, die dem Anforderungs- und Persönlichkeitsprofil sowie einer Vorbildfunktion eines Schiedsrichters in der Elite der deutschen Schiedsrichterei abträglich sind, seien erkennbar gewesen.“ Herbert Fandel, der Vorsitzende der Kommission, steht für diese - mehrheitsfähige - Meinung.

          Moralische Ansprüche nehmen von oben nach unten ab

          Mit anderen, mit vermiedenen Worten: Kempter wird in Frage gestellt, seine Behauptungen, seine Anklage gegen Amerell, sein Charakter. Gleichzeitig soll er nicht fallengelassen werden. Es ist der Entzug von Vertrauen mit einer kleinen Fluchtmöglichkeit - die dritte Liga. Das heißt, dass dieser Spielklasse Unparteiische zuzumuten sind, die für die erste und zweite Liga nicht in Frage kommen. Die moralischen Ansprüche nehmen also von oben nach unten ab.

          Kempter hatte, unterstützt vom DFB und von dessen Präsident Theo Zwanziger, anfangs behauptet, er sei heterosexuell, ein Opfer Amerells, der ihn belästigt habe. Er war Zwanzigers Kronzeuge, sein Vorbild für Mut zum Outing. Als solcher ist er anscheinend nicht mehr tragbar.

          Es soll wohl ein kleiner Trost sein, dass Fandel verspricht, „die Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung sorgfältig zu beobachten“. Die Botschaft: Vielleicht wird ja noch etwas daraus. Das ist aber unwahrscheinlich, denn Kempters und damit auch Zwanzigers Position wurde kürzlich vom Anwalt des früheren Vorzeigetalents geschwächt.

          Amerell wird Kempter auf Schadensersatz verklagen

          Bei einem Termin vor Gericht, bei dem es um die Veröffentlichung sogenannter Liebes-Mails Kempters an Amerell ging, sei eine Erklärung vorgelegt worden. Die Kernaussage: Kempter sei bisexuell. Das berichtete die Zeitschrift „Sportbild“. Es wäre ein weiterer Beleg, dass es sich von Anfang an um einen normalen, wenn auch verbittert-rücksichtslosen Beziehungsstreit gehandelt hat.

          Kempter soll jetzt pro forma eine Perspektive offengehalten werden, die er bis auf weiteres nicht mehr hat. Er bekomme „die Möglichkeit, eine Entwicklung nachzuholen, die ihm nach Einschätzung der Kommission vorher auch deshalb nicht gelungen ist, weil sein Aufstieg in die höchsten Spielklassen möglicherweise in einem zu hohen Tempo erfolgte“. Dieses Tempo könnte Amerell ermöglicht haben. Dieser wird Kempter auf Schadensersatz verklagen. Bekäme er recht, hätte der Beklagte die Gewissheit: Es gibt Schlimmeres als die dritte Liga. Es gab aber auch schon mal viel Besseres.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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