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Michael Ballack Grußadressen an Philipp Lahm

 ·  Michael Ballack stellt am ersten Tag in Leverkusen klar, dass er Kapitän der Nationalelf bleiben will. Seinem Vertreter Philipp Lahm gratuliert er erst artig zur Hochzeit - um dann eine Standortbestimmung abzugeben.

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Die Männer auf dem Podium wären fast geplatzt vor Stolz. Aber die Verantwortlichen von Bayer Leverkusen haben auch nicht jeden Tag das Vergnügen, einen Star dieser Kategorie als neuen Mitarbeiter vorzustellen. Neben Cheftrainer Jupp Heynckes begleiteten auch die Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler den Mittelfeldstrategen Michael Ballack zu dessen Antrittspressekonferenz.

Während Ballack den Ansturm der Fotografen routiniert über sich ergehen ließ, zeigte das Management seine Freude über den Coup. Schon der große Auflauf von etwa hundert Reportern zeige, dass der Klub mit dieser Verpflichtung richtig liege, sagte Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser. So viel Aufmerksamkeit ist der Werksverein nicht gewohnt. Nach vier Jahren beim englischen Spitzenklub Chelsea kehrt Ballack in die Bundesliga zurück - und nach Leverkusen, wo er schon als junger Profi zwischen 1999 und 2002 gekickt hatte, ehe er zu Bayern München wechselte.

Der Klub verspreche sich von Ballack nicht nur einen Zuwachs an sportlicher Stabilität sondern auch einen Imagegewinn, sagte Holzhäuser. Die Bayer-Verantwortlichen werten den Transfer als Vorstoß „in neue Dimensionen“. Der Mutterkonzern Bayer AG hat seiner Fußballtochter zusätzliche Mittel bewilligt, mit denen Ballacks angebliches Jahresgehalt von sechs Millionen Euro finanziert wird.

Ballack: „Ich bin Kapitän der Nationalmannschaft“

Ballack nutzte den Medienauflauf sofort zu einer Standortbestimmung in eigener Sache - als Nationalspieler und Platzhirsch. Nach einer höflichen Grußadresse („Ich bin froh, wieder hier zu sein“) definierte er seine künftige Rolle in der Elite-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes. Die zuletzt viel diskutierte K-Frage sei für ihn kein Thema. „Ich bin Kapitän der Nationalmannschaft.“ Er sagte das so entschlossen, dass die Zuhörer sich ein „Basta!“ dazu denken konnten.

Die Diskussion war durch ein Interview Philipp Lahms hervorgerufen worden, der den verletzten Ballack in Südafrika als Spielführer vertrat und den Anspruch anmeldete, diese Position auch künftig ausüben zu wollen. „Philipp hat seinen Anspruch zu einem Zeitpunkt geäußert, den ich für unpassend halte“, sagte Ballack. „Ich war verletzt und konnte mich deshalb nicht einbringen. Aber ich bin immer noch der Kapitän.“ Wenn Lahm anderer Ansicht sei, solle er das „mit dem Bundestrainer besprechen“.

Auch er selbst werde demnächst mit Joachim Löw telefonieren, ohne dem Thema zu viel Raum geben zu wollen. Das Verhältnis zum Bundestrainer sei von gegenseitigem Vertrauen geprägt, da bedürfe es keiner großen Diskussion. Bei Gelegenheit, vermutlich beim nächsten Zusammentreffen im Kreis der Nationalmannschaft will Ballack auch mit Lahm das Thema, das in seinen Augen keines ist „kurz anschneiden“.

„Schwulencombo“ und „halbschwule Spieler“

Aus Ballacks Sicht hat sich an der Hierarchie in der Nationalelf grundsätzlich nichts geändert. Bei der WM war jedoch der Eindruck aufgekommen, die Hierarchiestufen seien in Abwesenheit Ballacks flacher geworden. Sein Berater Michael Becker soll sich gegenüber dem Magazin „Der Spiegel“ sogar abwertend über die Zustände in der Nationalmannschaft geäußert, von einer „Schwulencombo“ und einem „halbschwulen Spieler“ gesprochen haben.

Becker behauptet, der Autor müsse „das falsch verstanden haben“. Ballack, dem ein durchaus machohafter Führungsstil nachgesagt wird, wollte den angeblichen Angriff seines Beraters nicht bewerten. Er sehe keinen Sinn darin, sich „zu Spekulationen spekulativ zu äußern“.

Bessert sich das Verhältnis zwischen Lahm und Ballack?

So entschlossen, teilweise aber auch geschmeidig sich der 33 Jahre alte Profi bei seinem verbalen Comeback unter dem Bayer-Kreuz gab, steht zu erwarten, dass er seine Karriere nicht gemächlich ausklingen lassen will, sondern sich als gestandene Führungskraft, national wie international, nochmals auf hohem Niveau präsentieren und profilieren will, mindestens bis zur EM 2012. Leverkusen scheint die geeignete Plattform, auch wenn sich beide Seiten einen derartigen Transfer vor ein paar Monaten noch nicht vorstellen konnten. Er wolle mit Bayer Titel gewinnen, sagt Ballack, falls die Bayern schwächeln sollten, sogar die deutsche Meisterschaft und im nächsten Jahr auch wieder in der Champions League spielen - in der kommenden Saison nimmt Leverkusen an der Europa League teil.

Nach seiner Verletzung kann der Mittelfeldspieler zwar noch nicht mit seinen neuen Kollegen trainieren. Ballack ist aber zuversichtlich, bis zum Bundesligastart Mitte August fit zu sein für sein Comeback. Vielleicht hat sich bis dahin auch sein Verhältnis zu Philipp Lahm gebessert. Einen ersten Schritt hat Ballack am Mittwoch schon gemacht. Vor sechzehn Fernsehkameras gratulierte er dem WM-Kapitän und dessen Frau zur Hochzeit.

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