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Mehmet Scholl Fröhlich überlebt im Haifischbecken

15.08.2007 ·  Mehmet Scholl selbst hat über sich nie große Worte verloren und wenn, dann mit selbstironischem Unterton. Er war immer ein Star, der keine Propaganda, keine Werbekolonnen brauchte. Roland Zorn erinnert vor dem Abschiedspiel an die „Legende“.

Von Roland Zorn
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Die feierlichen Sätze hat er anderen überlassen - geübten Festrednern wie Karl-Heinz Rummenigge, dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München. Der Chef des deutschen Rekordmeisters hat Mehmet Scholl kurz vor seiner Abschiedsgala von der großen Fußballbühne in den Stand eines "Heiligen" erhoben; Scholls Trainer-Mentor Ottmar Hitzfeld nannte den 36 Jahre alten Fußball-Künstler, der an diesem Mittwochabend in der Allianz-Arena servus sagt, vorsorglich eine "Legende".

Scholl selbst hat über sich nie große Worte verloren und wenn, dann mit selbstironischem Unterton. Wenn sich die Bayern und der FC Barcelona in aller Freundschaft um den "Franz-Beckenbauer-Pokal" sportlich streiten, werden sie "Scholli", die Spielernatur, ein letztes Mal im großen Stil feiern. Der Badener hatte sich ja eigentlich schon vorher, zum Ende der vergangenen, aus Sicht der Bayern missratenen Bundesliga-Saison zurückgezogen und privatisiert seitdem gern und ohne jede Sehnsucht nach dem großen Auftritt.

Survivaljob gemeistert

Der fiel ihm, der erstmals beim Karlsruher SC als Alleskönner am Ball auffiel, leichter als anderen. En passant hat Scholl die Fans mit seinem eleganten, trickreichen, "undeutschen" Fußball fasziniert und begeistert. Achtmal ist er dabei deutscher Meister mit den Bayern geworden - so oft wie noch kein anderer Spieler. Doch bei Scholl waren es nicht die Titel - nicht einmal der Champions-League-Triumph 2001 oder die Europameisterschaft 1996 -, die ihn zum Liebling der Massen machten, es war der Mensch Mehmet, der sein Publikum anrührte. Sein Witz, seine Schlagfertigkeit ("Warum tragen Sie die Rückennummer 7?" "Weil ich in diesem Alter mit dem Rauchen aufgehört habe"), sein Intellekt, seine Traurigkeit nach der Trennung von seiner damaligen Lebensgefährtin, seine Ernsthaftigkeit, seine Rätselhaftigkeit, seine Authentizität rührten an. Scholl war immer ein Star, der keine Propaganda, keine Werbekolonnen brauchte. Er blieb sich treu und dem FC Bayern, dessen zweite Mannschaft der Kegelabteilung er in der neuen Saison verstärkt.

Da wird dann viel gelacht werden, da dieser Spieler, der sich und den Fußballbetrieb nie so ernst nahm wie andere in diesem Geschäft, einen Survivaljob gemeistert hat. "Im Haifischbecken FC Bayern nicht gefressen worden zu sein", hat Scholl selbst am Montag hervorgehoben, "und 15 Jahre überlebt zu haben", das sei denn doch eine außergewöhnliche Leistung gewesen. Wie er wirklich ist, wissen nur wenige. Der kommende Woche in die Kinos kommende Film "Frei: Gespielt" soll mehr über die eindeutige Doppeldeutigkeit in der Vita des zweifachen Vaters Mehmet Scholl verraten.

Sicher ist, dass der in München sesshaft gewordene und längst wieder glücklich verliebte Scholl seine Freiheit vom Fußball genießt, die er für einen fröhlichen Feierabend gern unterbricht. "Scholli", der Menschen- und Fußball-Versteher, geht danach als ein toller Typ, an den sich die Menschen immer gern erinnern werden. Das ist allemal besser, erfrischender und erfreulicher als mit Heiligen-Schein und Legenden-Kranz in den Ruhestand geschickt zu werden.

Quelle: F.A.Z., 15.08.2007, Nr. 188 / Seite 30
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