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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Markus Babbel Blick zurück im Zorn

 ·  Das pikanteste Saisonfinale seit langem: Markus Babbel spielt an diesem Samstag (15:30 Uhr) mit Hoffenheim eine entscheidende Rolle für seinen alten Verein Hertha BSC Berlin.

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© dpa Zwischen Zukunft und Vergangenheit: Markus Babbel plant mit Hoffenheim und rechnet mit der Hertha ab

Markus Babbel, der Manager, hat eine außergewöhnlich gute Woche hinter sich. Am Mittwoch konnte sein Klub, 1899 Hoffenheim, gleich zwei Erfolgsmeldungen vom Transfermarkt binnen einer Viertelstunde verschicken. Zuerst kam die Zusage des Schweizer Offensivmannes Eren Derdiyok, hinter dem Hoffenheim schon zu Ralf Rangnicks Tagen her war. Sogleich folgte das Ja-Wort von Nationaltorwart Tim Wiese.

Und so sprach Babbel am Donnerstag, bei der Pressekonferenz vor dem Spiel bei Hertha BSC, viel von Stolz - vom Stolz, dass es ihm gelungen sei, die Nummer zwei im deutschen Tor vom Engagement in Hoffenheim zu überzeugen. Und vom Stolz, den der Verein haben könne, einen solchen Mann künftig in den eigenen Reihen zu wissen. Auch für den Trainer Markus Babbel, der mit Hoffenheim den Sprung auf die internationale Bühne plant und in der neuen Saison mit diesen Spielern arbeiten kann, war es also eine ziemlich erfreuliche Woche.

In seiner dritten Rolle allerdings hat Babbel ein paar weniger schöne Tage hinter sich. Und daran ist er nicht ganz schuldlos. Babbel ist ja auch noch der ehemalige Trainer von Hertha BSC, und wie das Fußballschicksal so will, kann es sein, dass Babbels neuer Klub dessen alten endgültig in die Zweite Liga befördert. Wenn Berlin gegen Hoffenheim nicht gewinnt (und selbst bei einem Sieg darf der 1. FC Köln gegen die Bayern nicht gleichzeitig gewinnen), geht es für den Hauptstadtklub von der Beletage direkt in die B-Ebene. Und angesichts dieser Konstellation kann man es, je nach Sichtweise, undiplomatisch, vielleicht aber auch provokant nennen, was Babbel während der Woche in diversen Interviews so alles über die Berliner verbreitet hat.

„Dann hat Hertha den Abstieg verdient“

Mit ihm als Trainer, so Babbel, wäre die Hertha „hundertprozentig nicht abgestiegen“. Wenn man die Rückrundenbilanz von nur acht Punkten sehe, müsse etwas „verkehrt gemacht worden sein“. Und wenn es den Klub also wirklich träfe: „Dann hat Hertha den Abstieg verdient.“ Lauter Sachen also, die inhaltlich zutreffend sein mögen. Die man sich aber, sofern man an einem einigermaßen gesitteten Wiedersehen interessiert ist, auch hätte verkneifen können.

Und die vor dem Hintergrund der äußerst unerfreulichen Trennung im Dezember eigentlich nur wie eine kleine Abrechnung mit seinem früheren Arbeitgeber - besonders mit Michael Preetz - zu verstehen waren. Das einst gute Verhältnis zum Manager war in einen bitteren Rosenkrieg umgeschlagen, in dem bis heute nicht klar auf dem Tisch liegt, wer die Wahrheit auf seiner Seite hatte. Dass Babbel nun ankündigte, in Berlin „mit aller Macht“ gewinnen zu wollen, passte ins Bild vom persönlichen Rachefeldzug eines Enttäuschten.

Babbel erweckt in dieser Angelegenheit gern den Anschein, als könne er den ganzen Wirbel nicht verstehen. Als er das unvermeidliche Thema am Donnerstag auf sich zukommen sah, schmunzelte er sogar ein wenig. Ob er sich auf Otto Rehhagel freue, hatte ein Reporter gefragt. „Ja“, sagte Babbel. Und fügte spitz hinzu: „Ich hoffe, das ist nicht wieder ein Giftpfeil, den ich abschieße.“ Er verwies auf die Sportler-Ehre, die es einfach gebiete, gewinnen zu wollen - schon, weil der Konkurrent aus Köln das erwarten könne. Und er versicherte, dass es ihn „traurig“ machen würde, wenn die Hertha abstiege.

Medial erzeugtes Reizklima

Angesprochen auf seine früheren Aussagen blieb Babbel beharrlich bei seiner Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen-Argumentation. Als jemand, der beim FC Bayern sozialisiert worden ist, dürften die heftigen Reaktionen und Schlagzeilen während der Woche ihn indes nicht ganz unvorbereitet getroffen haben. „So hetzt Babbel seine Spieler auf Hertha los“, war zum Beispiel in der „Bild“-Zeitung zu lesen. In der Berliner „Morgenpost“ forderte der Hertha-Rekordspieler Pal Dardai, Babbel müsse für alle Berliner Profis zum „Hassobjekt“ werden. Wenn man die Rhetorik beiseite nahm, blieb jedoch nicht viel Substanz. Hinter der „Bild“-Story etwa verbarg sich eine Konditionseinheit, von der noch zu klären wäre, ob sie die Beine fürs Wochenende müde oder munter gemacht hat.

Mit anderen Worten: Großen Einfluss auf das Abstiegsfinale werden Babbels Äußerungen nicht gehabt haben. Und wenn, dann hilft das medial erzeugte Reizklima vielleicht eher der zuletzt so lethargischen Hertha. Ob Babbel sich selbst einen Gefallen getan hat, steht noch einmal auf einem anderen Papier. Nicht jedem in Hoffenheim dürfte es gefallen haben, wie der Klub in eine persönliche Angelegenheit hineingezogen wurde. Und zugleich rückt Babbel auch seine Berliner Vergangenheit noch einmal näher, als ihm das lieb sein dürfte: Die Boulevardblätter wühlten auf der Suche nach frischem Stoff tiefer als bisher in seinem Privatleben.

Babbel und die Hertha, das bleibt eine rätselhafte Geschichte. Eines jedoch ist sicher: Der Händedruck, den sowohl Babbel als auch Preetz für diesen Samstag im Olympiastadion angekündigt haben, kann nur ein eisiger sein.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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