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Sonntag, 19. Februar 2012
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Marko Marin Unberechenbare Attraktion an der Weser

20.12.2009 ·  Viele trauten Marko Marin in Bremen nicht viel zu. Dennoch kam er bisher in allen Spielen zum Einsatz. Seit er nicht mehr im Mittelfeld, sondern im Sturm spielt, ist er noch gefährlicher. Das soll Hamburg im Derby an diesem Sonntag (15.30 Uhr) spüren.

Von Christian Kamp
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Putzig sah er schon aus, der Zauberzwerg, der bis vor kurzem noch auf der Internetseite von Marko Marin wuselte und trickste. Blonde Haare, schmächtige Statur, dazu das Trikot von Borussia Mönchengladbach – die Ähnlichkeit der kleinen Comicfigur mit dem echten – 1,70 Meter großen – Marin war nicht zu übersehen und natürlich von den Erfindern auch beabsichtigt.

Anfangs fand Marin das noch eine gute Idee, das Image schien ihm zu behagen. Inzwischen aber ist er die Zwergen-Rolle leid. Der Zwanzigjährige, der seit dieser Saison das Trikot von Werder Bremen trägt, möchte als ausgewachsener Bundesligaprofi und Nationalspieler wahrgenommen werden. Von seiner Seite ist der Zauberzwerg verschwunden.

Auf dem Platz ist Marin, der Fußballprofi in Fleisch und Blut, dafür präsent wie kaum ein anderer aus dem Bremer Team. In allen 27 Pflichtspielen der Saison kam er zum Einsatz, in der Bundesliga stand er sogar Woche für Woche in der Startelf – und sicher auch im Nordderby an diesem Sonntag beim Hamburger SV (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker).

„Alle haben gesagt: Der wird nicht viele Einsätze haben“

Keine schlechte Bilanz für einen, der im vergangenen Jahr noch als Teilzeitkraft bei einem Beinahe-Absteiger beschäftigt war. Bei Werder sind sie deshalb schon ein bisschen stolz. Nicht nur auf Marins Entwicklung, sondern auch darauf, dass sie dessen Fähigkeiten richtig eingeschätzt haben (wie der HSV, der ebenfalls um ihn buhlte) und dann auch bereit waren, über acht Millionen Euro zu investieren. „Marko haben viele nicht so viel zugetraut“, sagt Trainer Thomas Schaaf. „Alle haben gesagt: Der wird nicht viele Einsätze haben.“

Es war ja auch eine undankbare Situation. Diego, der das Bremer Spiel über Jahre geprägt hatte, verloren, Marin gewonnen – das schien eine Rechnung zu sein, die unmöglich zugunsten der Bremer ausgehen konnte. Für Marin wurde die Sache nicht einfacher dadurch, dass er sich Diegos „10“ als Rückennummer aussuchte.

Dass Werder nun, nach 16 Spieltagen, weit besser dasteht als in der vergangenen Saison, souverän durch die Gruppenphase der Europa League marschiert ist, und im nationalen Pokal im Viertelfinale steht, hat natürlich nicht nur mit Marin zu tun. Auch andere im Bremer Team haben ihr Niveau im Vergleich zur Vorsaison verbessert, sei es, weil sie aus dem Schatten Diegos getreten sind wie Mesut Özil oder weil sie von Verletzungen verschont blieben wie Aaron Hunt.

Schaaf schätzt Spieler, die Spaß und Freude vermitteln

Aber Marin ist so etwas wie der unberechenbare Faktor im Bremer Offensivspiel. Einer, der über so viel Technik und Tempo verfügt, dass er aus jeder Eins-gegen-eins-Situation etwas Besonderes machen kann – in den besten Momenten atemraubend für das Publikum, ein Albtraum aber für die Verteidiger, denen schon ein Sekundenbruchteil der Unaufmerksamkeit zum Verhängnis werden kann.

Trainer Schaaf schätzt solche Spieler, die dem Publikum Spaß und Freude am Spiel vermitteln, und seit er Marin aus dem Mittelfeld in den Angriff beordert hat, kommen dessen Stärken noch besser zur Geltung. Dort, so dicht vor dem gegnerischen Tor, ist jeder Ballbesitz für Marin, jedes Dribbling, eine potentielle Chance für Werder.

Manchmal verpasst er den richtigen Zeitpunkt für den Pass

Aus Bremer Sicht dürfte er allerdings gern noch ein bisschen mehr daraus machen. Zwei Liga-Tore und vor allem die drei Vorlagen sind gemessen an seinen Fähigkeiten noch ein etwas magerer Ertrag – wie überhaupt die ideale Balance in seinem Spiel noch nicht erreicht scheint.

Manchmal verpasst er den richtigen Zeitpunkt für den Pass zum Kollegen, die Defensivarbeit könnte noch besser sein (im Mittelfeld müsste sie das auch), und hin und wieder – das beklagen vor allem die Gegenspieler – verliert Marin im Zweikampf etwas leicht die Bodenhaftung. Geschont aber wird er auf dem Platz natürlich auch nicht. Wenn die Rolle des Zauberzwergs schon nicht behagt – von einem ausgespielt zu werden schmerzt gewiss noch mehr.

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