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Marian Sarr : Von null auf 100

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Freude in Marseille: Marian Sarr (links) freut sich mit Kevin Großkreutz über den Einzug ins Achtelfinale der Champions League Bild: dpa

Marian Sarr war eine Dortmunder Investition in die Zukunft. Nun spielt er in der Gegenwart eine Rolle. Beim Spiel bei Hoffenheim am Samstag (15.30 Uhr) will er den ersten Schritt nach dem zweiten machen.

          Marian Sarr hätte eine Menge zu erzählen gehabt. Er hätte etwa darüber sprechen können, wer er ist, woher er kommt und was er macht, wenn er nicht gerade wie aus dem Nichts die große Bühne des Fußballs besteigt und dort eine vielbeachtete Premiere hinlegt. Doch nach dem Einzug ins Achtelfinale der Champions League versteckte der Achtzehnjährige seinen Kopf unter einer schwarzen Kapuze und strebte stumm zum Mannschaftsbus von Borussia Dortmund.

          Es gab, auch in Dortmund, schon Spieler, die bei ihrem ersten Mal in der Profimannschaft noch jünger waren als Sarr. Aber es gab noch keinen, der zum ersten Mal in der Champions League spielte, ohne je eine Bundesligaminute absolviert zu haben; der also den zweiten (oder dritten) Schritt vor dem ersten gemacht hat.

          Sarr hatte in Marseille, wo es für die Borussen um mehrere Millionen Euro ging, Geschichte geschrieben, doch er war gehalten, seine Premiere im Berufsfußball für sich sprechen lassen. „Wir sollten ihn jetzt nicht zu sehr hypen“, sagt BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. „Aber der Junge hat es drauf. In einem solchen Spiel so aufzutreten, das ist schon großartig.“

          Jürgen Klopp zeigte Mut und landete mit der unbekannten Größe im Abwehrzentrum einen Coup. Von einer Verletztenmisere zum Improvisieren gezwungen, schickte der Cheftrainer seinen jüngsten Spieler auf den Rasen - und staunte hinterher selbst darüber, wie gut der sich unter großem Druck in die Elf einfügte.

          „Marian ist ein Junge mit Zukunft“

          „Das war cool. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass Marian einen wichtigen Zweikampf verloren hätte“, sagt Klopp. Der Debütant wirkte ähnlich unaufgeregt wie bei seinen Einsätzen in der zweiten Mannschaft des BVB. Dort ist und bleibt sein Ausbildungsplatz, an dem er weiterlernt, wenn sich die Lage in Klopps Defensive wieder entspannt hat.

          „Marian ist ein Junge mit Zukunft“, sagt Sportdirektor Michael Zorc, „unser Plan war nicht, dass er uns jetzt schon helfen soll.“ Sondern vielleicht dann, wenn wieder ein Dortmunder Spieler dem Werben anderer Klubs erliegt. Aber im Fußballwunderland ist der Weg von Burghausen oder Kiel, wo Sarr sonst spielt, nach Südfrankreich mitunter nicht weit.

          Gegen Marseille zeigte Sarr eine beeindruckende Leistung
          Gegen Marseille zeigte Sarr eine beeindruckende Leistung : Bild: AFP

          Und von Leverkusen nach Dortmund erst recht nicht - der BVB hatte das Talent vor knapp einem Jahr abgeworben. Die Rheinländer hätten Sarr gern behalten und zeigten sich verärgert - trotz der Ablöse, die für einen so jungen Spieler üppig ausfiel. Warum Dortmund sechshunderttausend Euro investierte, war spätestens in Marseille zu sehen.

          Wie es bei der Verteidiger-Jugend von heute üblich und nötig ist, kann Sarr nicht nur zerstören, sondern auch aufbauen. Wenn er das Spiel eröffnet, kommt sogar schon eine gewisse Eleganz zum Vorschein. Dabei hilft ihm die „extreme Ruhe am Ball“, die Zorc dem Auszubildenden bescheinigt.

          Den ersten Schritt nach dem zweiten machen

          Angesichts der Personalnot in der Abwehr erhebt sich die Frage, warum Sarr nicht längst in der Bundesliga eine Chance erhalten hat. Doch es liegt noch nicht lange zurück, dass ein gebrochener Zeh ihn zurückgeworfen hat. Das Risiko, Sarr kurz danach schon in der Bundesliga einzusetzen, erschien Klopp zu groß. Die Eindrücke aus der Champions League indes sprechen dafür, den Nachwuchsspieler auch an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) gegen Hoffenheim aufzustellen.

          Mats Hummels und Neven Subotic fallen weiterhin verletzt aus, der aktuelle Abwehrchef Sokratis ist gesperrt. Also erscheint es naheliegend, dem zuletzt nicht immer ballsicheren Routinier Manuel Friedrich einen jungen Mann zur Seite zu stellen, der sich darauf versteht, das Spiel von hinten aufzubauen. Es spricht viel dafür, dass Sarr nach dem zweiten Schritt jetzt auch den ersten machen darf.

          Quelle: F.A.Z.

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