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Marco Reus Abteilung Himmelsstürmer

29.08.2010 ·  Marco Reus überzeugt in Gladbach durch spielerische Klasse und Konstanz. Die guten Leistungen machten ihn zum Nationalspieler in spe. Am Sonntag (15.30 Uhr) soll er gegen Leverkusen helfen, eine besondere Serie reißen zu lassen.

Von Richard Leipold, Mönchengladbach
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Bei Borussia Mönchengladbach hat Marco Reus einen flotten Start hingelegt. Von Rot-Weiß Ahlen abgeworben, wurde er in seinem ersten Bundesligajahr sofort zur Stammkraft bei den Rheinländern. Die auffallend guten Leistungen machten ihn sogar zum Nationalspieler in spe. Oder um es im Neuhochdeutsch des Fußballs auszudrücken: Der 21 Jahre alte Reus ist ein „Perspektivspieler“. Ein junger Mann also, der auf dem Sprung zur A-Nationalmannschaft steht.

Zweimal schon sollte er für die Elite des Deutschen Fußball-Bundes nominiert werden: im Frühjahr, kurz vor der Weltmeistermeisterschaft, für das Testspiel gegen Malta und zuletzt für die Saisonauftaktpartie in Dänemark, die wenn überhaupt für Spieler aus der zweiten und dritten Startreihe einen Sinn hatte. Beide Einladungen musste der junge Aufsteiger ausschlagen, weil er verletzt war.

Für die demnächst anstehenden EM-Qualifikationsspiele in Brüssel gegen Belgien und in Köln gegen Aserbaidschan hat Bundestrainer Joachim Löw den Mittelfeldmann nicht in den Kreis der Auserwählten berufen. Das war aber auch nicht zu erwarten, da die WM-Teilnehmer, die sich in Südafrika profiliert haben, wieder zur Verfügung stehen.

„Jeder wartet ein bisschen auf ein Leistungsloch“

Dennoch verkörpert auch Reus die Leistungsdichte der Generation deutscher Profis, die mit Anfang zwanzig bei ihren Klubs in tragende Rollen hineinwachsen, ähnlich wie Mats Hummels oder Kevin Großkreutz von Borussia Dortmund; auch diese beiden hat Löw als Perspektivspieler im Hinterkopf. Der junge Gladbacher schickt sich an, eine veritable Alternative für den rechten Flügel zu werden.

Reus sieht sich aber nicht unter Zeitdruck. Sein Ziel sei die Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft 2012, sagt er. Reus hat auch schon gezeigt, dass er als hängende Spitze hinter einem robusten Stoßstürmer eine Abwehr in Kalamitäten zu stürzen vermag. Diese Rolle dürfte ihm an diesem Sonntag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) zugedacht sein, wenn die Gladbacher Borussia in Leverkusen versucht, eine Serie von 26 Partien ohne Sieg gegen Bayer 04 zu beenden.

Trotz seiner schmalen Silhouette wirkt Reus erstaunlich stark, auch nervlich. „Marco ist relativ stabil im Kopf, auch wenn mal etwas nicht so funktioniert“, sagt der Mönchengladbacher Trainer Michael Frontzeck. Auch der Sportdirektor staunt nach einem Jahr über die ungebrochene Konstanz des größten Talents im Kader. „Jeder wartet ein bisschen auf ein Leistungsloch bei Marco Reus, aber ich sehe da kein Loch“, sagt Max Eberl, unter dessen Regie Gladbach sich gelöst hat von der zweifelhaften Strategie, auf große oder meist ehemals große Namen zu setzen.

„Marco verkörpert einen Mix, den es nicht oft gibt“

Auf den ersten und manchmal auch auf den zweiten Blick wirkt Reus für viele wie ein Double seines Vorgängers aus der Abteilung Himmelsstürmer, Marko Marin, der Gladbach als Sprungbrett für einen Wechsel zu Werder Bremen nutzte. Gleicher Vorname, wenn auch mit „c“ geschrieben, gleiches Alter, ähnliche Position, ähnliche Figur und Frisur – da geriet Reus rasch in den Ruf, der legitime Nachfolger des anderen Marko zu sein. Der vermeintliche Doppelgänger schert sich nicht um den Vergleich mit Marin, den er bei der Nationalmannschaft „U21“ kennengelernt hat und als „Superfußballer“ bezeichnet.

Reus will das Original sein, nicht die Kopie eines anderen Spielers. Diesen Anspruch untermauert er, indem er energischer, torgefährlicher und zuweilen auch taktisch geschickter zu Werke geht als sein Vorgänger. „Marco verkörpert einen Mix, den es nicht oft gibt“, sagt Frontzeck. Dank seiner spielerischen Klasse besitzt Reus schon einen hohen Stellenwert, nicht nur beim Publikum, sondern auch bei profilierten Borussen wie Juan Arango oder Dante, die in Mönchengladbach den Ton angeben.

In der Mannschaft also hat der jüngste Stammspieler der Borussia schon Gewicht. Und auch im eigentlichen Sinne des Wortes hat er an Gewicht gewonnen. Ein Jahr nach seinem Dienstantritt im Borussia-Park zeigt die Waage vier Kilogramm mehr an. Mit siebzig Kilo bei einer Länge von einem Meter achtzig ist Reus zwar immer noch ein Leichtgewicht, für Gladbach aber durchaus ein Pfundskerl. Ein wenig will er noch zulegen, aber nicht mehr viel. Er wolle ja kein Bodybuilder werden, sagt Reus. Das würde zu einem so geschmeidigen Fußballspieler auch gar nicht passen.

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