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Manuel Friedrich im Interview „Bringe ich es über das Herz, hier wegzugehen?“

16.05.2007 ·  Nationalspieler Manuel Friedrich im F.A.Z.-Interview über die Ursachen des Abstiegs aus der Fußball-Bundesliga, den Formeinbruch nach dem Länderspiel gegen Dänemark, und seine Zukunft beim FSV Mainz 05.

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Nationalspieler Manuel Friedrich im F.A.Z.-Interview über die Ursachen des Abstiegs aus der Fußball-Bundesliga, den Formeinbruch nach dem Länderspiel gegen Dänemark, und seine Zukunft beim FSV Mainz 05.

Ist diese Abstiegssaison auch für Sie, wie für den Mainzer Cheftrainer Jürgen Klopp, eine Lehre fürs Leben?

Was hier passiert ist, dass die Fans so unverbrüchlich hinter uns gestanden haben, das gibt es nur bei Mainz 05. Das ist überragend und sicher nicht normal. Und schon gar nicht in so einer Phase, wie wir sie quasi seit Saisonbeginn hatten. Andererseits war es eine logische Konsequenz, dass das Dauerprogramm Abstiegskampf heißen würde. Auch deshalb, weil der Verein Toni da Silva verkauft hat. Einen Mittelfeldspieler, der tödliche Pässe spielen kann. Und irgendwann erwischt es dich halt. Doch ich sage auch: Wären Zidan, Soto und Andreasen nicht erst zur Winterpause gekommen, hätten wir es geschafft. Trotzdem, es ist schon komisch: Da stehst du da nach dem Gladbach-Spiel, bist in Liga zwei und wirst gefeiert. Eine Lehre fürs Leben war sicher auch, in einer ähnlichen Situation wieder alles dafür zu tun, damit dieses schlechte Abstiegsgefühl nie mehr kommt.

Wie geht es bei Ihnen weiter? Ihr Vertrag in Mainz gilt bis 2008, andererseits stellt sich die Frage, ob ein Nationalspieler in der zweiten Liga eine Zukunft hat.

Ob das geht, kann nur Bundestrainer Joachim Löw beantworten. Ich bin nicht Lukas Podolski, der zwanzig Saisontore in der zweiten Liga schießt. Ich muss mir zeitnah Gedanken machen und fair gegenüber dem Verein sein, damit Mainz 05 eine schnelle Planungssicherheit hat. Wir werden uns in den nächsten Tagen zusammensetzen und darüber reden. Sollte die Entscheidung so aussehen, dass ich den Klub verlasse, würde mir das unglaublich schwerfallen.

Warum?

Wenn es irgendein Verein wäre, würde ich sagen: Du hast hier drei, vier Jahre gespielt, und es war eine schöne Zeit. Aber wenn deine Wurzeln hier sind und dir die Leute am Herzen liegen, dann zu sagen: Ich muss etwas anderes probieren, das ist verdammt schwer. Wäre es nicht Mainz 05, sondern ein „normaler“ Klub, die Sache wäre vermutlich längst entschieden. Das ist das Schwere. Da spielt natürlich mit rein, dass Jürgen Klopp hier Trainer ist. Hier passt einfach alles. Deshalb stellt sich die Frage: Bringe ich es über das Herz, hier wegzugehen?

Klingt ziemlich dramatisch ...

Vor einigen Jahren, als ich nach Bremen gewechselt bin, hatte ich sportlich einfach höhere Ambitionen und wollte in der ersten Liga spielen. Dann habe ich mich schwer verletzt und wollte auf Teufel komm raus zurück. Ich habe Klopp und Manager Christian Heidel gesagt, dass mir alles egal ist, Geld, einfach alles. Ich setze blind meine Unterschrift unter den Vertrag. Aber bitte, bitte, holt mich zurück nach Mainz.

Haben Sie mit Klopp über Ihre verzwickte Situation gesprochen?

Ja.

Gab es eine Empfehlung?

Nein. Er ist ein Freund, aber das wäre zu viel verlangt. Ich werde Mainz 05 so schnell wie möglich eine Tendenz mitteilen, ziemlich schnell nach dem letzten Saisonspiel in München.

Stimmt der Eindruck, dass Ihre Formkurve seit dem Dänemark-Länderspiel Ende März nicht gerade nach oben gegangen ist?

Ich bin absolut unzufrieden mit meiner Saison. Es war einfach eine schlechte Spielzeit. Punkt. Überhaupt nicht das, was ich von mir erwarte. Und das Dänemark-Länderspiel hat dazu beigetragen, weil wir mit einer Elf angetreten sind, die so nicht mehr zusammenspielen wird. Und dann stehst du hinten drin als Abwehrspieler und bekommst die Bälle um die Ohren gehauen. Danach habe ich in der Bundesliga angefangen, vermehrt Böcke zu schießen.

Waren Sie irgendwann genervt von den Fragen der Journalisten?

Ich hatte zeitweise einfach den Kanal voll, um es einmal so zu formulieren. Und bevor ich irgendeinen Mist erzähle oder beleidigend werde, sage ich lieber gar nichts. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Am Sonntag war ich bei meinen Eltern, mein Vater hatte eine Boulevard-Zeitung zur Hand und las mir vor, welche Noten die Gladbacher bekommen haben. Peer Kluge, glaube ich, eine 5. Dabei war der richtig stark. Oder Steve Gohouri. Ein super Junge, der zwar eine Rote Karte bekommen, aber ansonsten jeden Zweikampf und jeden Kopfball gewonnen hat. Der bekommt eine 6. Das kann doch nicht sein. Da frage ich mich: Passiert das mit Absicht? Und das regt mich auf.

Welche Note geben Sie sich für die Saison 2006/2007?

Es waren Spiele dabei, die in Ordnung waren. Aber auch Partien, die richtig schlecht waren. Gemessen an meinem persönlichen Anspruch, war es zu wenig.

Das Gespräch führte Uwe Martin.

Quelle: F.A.Z.
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