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Manipulierter Fußball? Verdachtsmomente, aber noch keine Beweise

31.08.2008 ·  Der Malaie Bee Wah Lim soll ein Bundesligaspiel und eine Zweitligapartie manipuliert haben. Das behauptet der Buchautor Declan Hill, der am Dienstag sein Buch „Sichere Siege“ in Berlin vorstellt. Nach den Recherchen Hills könnte auch die WM 2006 betroffen sein.

Von Roland Zorn, Frankfurt
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Zu einer Prognose ist Theo Zwanziger auf der Basis der ihm bekannten Materialien bereit: „Das“, sagte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gegenüber dieser Zeitung, „ist nicht vergleichbar mit dem Hoyzer-Skandal. Den haben wir aufgedeckt. Wir haben von Anfang an erkannt, dass (der ehemalige Schiedsrichter) Hoyzer Täter war. Hier haben wir Verdachtsmomente, denen wir selbstverständlich nachgehen müssen.“

Dreieinhalb Jahre nach der an den Grundfesten der sportlichen Glaubwürdigkeit rüttelnden Affäre um einen rechtskräftig verurteilten und gar nicht so unparteiischen Berliner Spielemanipulator produzieren das Buch eines kanadischen Enthüllungsautors und ein Artikel des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ Schlagzeilen, die aufs Neue Wege weisen zu Wettbetrügern, wie sie damals Hoyzers Hintermänner, die kroatischen Sapina-Brüder, waren.

Wetten aus Malaysia

Diesmal geht es um asiatische Wettpaten und einen malaysischen Geschäftsmann namens William Bee Wah Lim, der auf den Ausgang des Erstligaspiels Hannover 96 gegen den damaligen Bundesliga-Letzten 1. FC Kaiserslautern (5:1) am 26. November 2007 ebenso Millionenbeträge gesetzt hat wie auf den Sieg des Karlsruher SC in der Zweiten Bundesliga über die Sportfreunde Siegen (2:0) am 7. August 2005.

Lim ist wegen versuchten Wettbetruges bei Regionalligaspielen und zwei österreichischen Erstligaspielen am 1. Juli 2007 in Frankfurt zu zwei Jahren und fünf Monaten Haft verurteilt worden. Er verbüßte die Hälfte seiner Strafe, tauchte danach unter und wird inzwischen wegen Verletzung seiner polizeilichen Meldepflicht wieder per Haftbefehl gesucht.

Buch wird am Dienstag vorgestellt

Declan Hill erhebt in seinem Buch „Sichere Siege“, das er am Dienstag in Berlin vorstellt, außerdem Manipulationsvorwürfe gegen die ghanaische Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft 2006 das Achtelfinale gegen Brasilien 0:3 verlor. Diese Begegnung sei von einem asiatischen Wettsyndikat „verschoben“ worden. Zocker hatten viel Geld darauf gesetzt, dass Ghana in dieser Partie mit mindestens zwei Toren Unterschied unterlegen sein werde.

Die beiden unter Verdacht stehenden Bundesliga-Spiele werden namens des Ligaverbandes und des DFB nachträglich von der Firma Sportradar auf Auffälligkeiten untersucht. DFB und Ligaverband stellten in einer gemeinsamen Erklärung fest, dass „beide Verbände eine umfassende Aufklärung der Angelegenheit anstreben und die Täter bei nachweisbaren Verfehlungen konsequent nach allen Möglichkeiten bestraft“ würden.

Vereinsverantwortliche wiegeln ab, DFL nimmt die Sache ernst

Bisher aber ist noch kein Indiz in Sicht, das auf ein strafwürdiges Zusammenwirken zwischen Lim und Beteiligten an den fraglichen Spielen schließen ließe. „Ich halte das für einen absoluten Schwachsinn“, sagte René C. Jäggi, damals Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, zu den Manipulationsvorwürfen. Martin Kind, der Vorstandsvorsitzende von Hannover 96, sprach von einer „Anfangsvermutung, die aber ernst genommen werden muss“. Der Karlsruher Manager Rolf Dohmen merkte an, „wenn einer beim Spiel Karlsruhe gegen Siegen auf Karlsruhe setzt, dann hat er, denke ich, Ahnung“.

„Wir nehmen das ernst“, sagt Reinhard Rauball, der Präsident des Ligaverbands, zu der möglichen Affäre, „aber auf der anderen Seite gilt die Unschuldsvermutung, solange keine Belege und Beweise da sind“. Die betroffenen Vereine werden an diesem Montag vom Ligaverband aufgefordert, eine schriftliche Stellungnahme abzugeben. Rauball fehlt allerdings bisher „das Fleisch an der Geschichte“, um jetzt schon in tiefer Sorge um die Integrität einiger Bundesligaprofis zu sein.

Auch Zwanziger erkennt einerseits „die mafiosen Strukturen, die insbesondere beim Wettgeschehen in Asien zu herrschen scheinen“, weist aber andererseits darauf hin, dass der DFB und die Liga nach dem Hoyzer-Skandal viel dafür getan hätten, auffällige Wetten früh zu erkennen und die Strafen für Wettbetrüger drastisch zu erhöhen. Die beiden Spiele, auf denen ein Verdacht laste, hätten nach der Aufdeckung der Causa Hoyzer stattgefunden. Außerdem habe es seiner Kenntnis nach in Deutschland bisher nicht einen einzigen Fall von Wettbetrug gegeben, in dem einem Spieler ein Fall von Wettmanipulation in Zusammenarbeit mit einem Wettbetrüger habe nachgewiesen werden können.

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