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„Manche Profis sind dann halt verletzt“ Die dunklen Seiten des Transfergeschäfts

05.05.2007 ·  Manche Fußball-Profis scheinen im Liga-Endspurt für den eigenen Profit und nicht für das Interesse ihres Klubs zu spielen. In der Beraterbranche wird von drei Wegen gesprochen, nach denen Spieler-Wechsel laufen: Modell „Erpressung“, „Kick-back“ und „Strategie“.

Von Michael Horeni
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Theofanis Gekas hat nach 31 Spielen schon 19 Tore erzielt. Der Stürmer gilt als Lebensversicherung des VfL Bochum, vermutlich wird er in dieser Saison sogar Bundesliga-Torschützenkönig. Gekas ist der Liebling der Fans - und daran kann auch sein Wechsel zu Bayer Leverkusen nichts ändern.

Die ungebrochene Zuneigung des Publikums zu ihrem Star und Gekas' sportliche Bestleistungen bis zum Saisonabpfiff sind in diesen Tagen durchaus ungewöhnlich angesichts der Verwerfungen, die sich im Geschacher und Gezerre auf dem Transfermarkt quer durch die Fußballrepublik ziehen.

„Manche Spieler sind dann halt mal verletzt“

Was sich im deutschen Liga-Endspurt derzeit abspielt, sind aber vielleicht nicht nur atmosphärische Störungen. Ein Bundesligatrainer, der seit vielen Jahren zu den anerkannten Größen gehört, sagt zu den Verlockungen, die im Millionengeschäft vor allem in der Transferphase entstehen: „Wenn Spieler mit anderen Vereinen verhandeln, weiß man an den letzten Spieltagen nicht, wie die Spiele laufen.“

Auch in der Beraterszene wird die Vermutung geteilt, dass manche Profis im Endspurt versucht sind, für den eigenen Profit zu spielen und nicht mehr für das Interesse des Klubs - falls überhaupt. „Manche Spieler sind dann halt mal verletzt“, berichtet ein langjähriger Kenner der Verhältnisse.

Im Fall Gekas gibt es nur Gewinner

„Gekas spielt mit jedem Tor eigentlich gegen sich selbst“, sagt sein Berater Paul Koutsoliakos, früher selbst Profi und mittlerweile die Nummer eins in Deutschland für den griechischen Markt. Bei einem Abstieg des VfL hätte der Torjäger ablösefrei wechseln können.

Im Fall Gekas aber gibt es nur Gewinner: Bochum wurde früh über die Wechselabsicht informiert und hätten von Bayer auch im Abstiegsfall eine Ablöse erhalten, was im Vertrag ursprünglich nicht vorgesehen war; der Spieler, der sich sportlich und wirtschaftlich verbessert; die Leverkusener, die einen Torjäger mit tadellosem Ruf erhalten. Dass solche Deals nicht die Regel sind, dafür genügt in diesen Tagen ein Blick nach Bremen, Frankfurt, Schalke oder München.

Klaus Gerster oder die gezielte Zerrüttung

In der Beraterbranche wird von drei Wegen gesprochen, nach denen die Wechsel laufen: zwei unseriöse Varianten, die man als Modell „Erpressung“ und Modell „Kick-back“ bezeichnen kann, sowie das Modell „Strategie“. Manche Berater nennen ein Verhältnis von 40:40:20 für diese Transfertypen, andere sehen es noch düsterer. Sie sprechen von einer Drittellung - gespeist nicht zuletzt durch mangelnde Qualität der Berater, wie im Fall Miroslav Klose erkennbar.

Das Modell „Erpressung“, nicht im strafrechtlichen Sinn zu verstehen, verläuft nach einem altbekannten Schema. Ein Spieler will seinen Klub vor Vertragsende verlassen. Er bringt nicht mehr seine Leistung. Er sucht den Konflikt mit dem Trainer oder der Führung - oder er lässt die Verantwortlichen wissen, sich nur noch dann hundertprozentig zu engagieren, wenn er die vorzeitige Freigabe erhält.

Bei Abstieg ablösefrei

Im Fall des Eintracht-Profis Albert Streit gibt es verblüffende Parallelen zu dieser Theorie. Streit besitzt in Frankfurt einen Vertrag bis zum Sommer 2009. Bei einem Abstieg wäre er ablösefrei. Wegen mangelnder Leistung und fehlendem Willen hatte ihn Trainer Funkel aus dem Kader genommen. Streit sprach daraufhin von „einem zerrütteten Verhältnis zum Trainer“ und einem „absoluten Vertrauensbruch“.

An diesem Samstag beim sogenannten Abstiegsendspiel gegen Aachen ist er wieder dabei, nachdem er ankündigt hat, „in den letzten drei Spielen wieder richtig Gas zu geben“ - gleichzeitig konkretisiert sich sein Wechsel zum HSV. „Ich denke schon, dass es klappen könnte“, sagt Streit, der von Klaus Gerster beraten wird. Nach einem ähnlichen Schema hat sich die Eintracht zu Beginn der Saison die Dienste des früheren Mainzers Michael Thurk, ebenfalls von Gerster beraten, gesichert. Thurk überwarf sich vor Saisonbeginn mit Trainer Jürgen Klopp.

Mitverdiener beim Modell „Kick-back“

Das Modell „Kick-back“ kann juristische Konsequenzen haben. Als Kick-back wird die Zahlung einer verdeckten Provision bei einem Geschäft an einen der Beteiligten bezeichnet. Typischerweise wird der Kick-back nicht öffentlich gemacht. Es besagt im Fußball, dass Vereinsangestellte, insbesondere Trainer und/oder Manager, an einem Transfer mitverdienen.

„So etwas lässt sich im Einzelfall immer schwer nachweisen. Aber wenn bei bestimmten Vereinen eine Häufung von ,Zufällen' bei Spielereinkäufen festzustellen ist, dann ist dies ein mehr als starkes Indiz“, sagt ein Kenner der Szene. Unlängst erhielt ein Manager eines Bundesligaklubs gar das Angebot, bei einem Ausrüsterwechsel mitverdienen zu können. Der Manager meldete den Vorfall dem Präsidenten - eher untypisch.

Der Fall Klose oder das Normen-Vollzugsdefizit

Das Modell „Strategie“ setzt dagegen auf einen kontinuierlichen Aufbau des Spielers. Dabei wird versucht, die Interessen aller Beteiligten zu wahren. Der Wechsel von Gekas gehört in diese Kategorie.

Daneben gibt es noch einige Spezialfälle. Der Poker um Klose gehört dazu. Nach nationalen und internationalen Statuten darf ein Verein erst ein halbes Jahr vor Vertragsende mit einem Spieler Kontakt aufnehmen. Die Bayern, die zudem mit einem nicht lizenzierten Berater verhandelten, haben dagegen verstoßen. Für ein ähnliches Vergehen hat der englische Verband vor zwei Jahren den FC Chelsea und Ashley Cole zu insgesamt 900.000 Euro Strafe verurteilt, dessen Berater erhielt 18 Monate Berufsverbot.

Verbindliche, aber nicht zulässige Vereinbarung

„Auf Seiten der Deutschen Fußball Liga besteht eindeutig ein Vollzugsdefizit bei Anwendung ihrer eigenen Normen“, sagt Michael Becker, Berater unter anderem der Nationalspieler Ballack, Schneider und Mertesacker. Das Instrumentarium ist tatsächlich vorhanden - und würde auch die Vereine schützen.

In der Beraterszene geht man im Fall Klose davon aus, dass der Stürmer mit Bayern schon eine verbindliche, aber nicht zulässige Vereinbarung eingegangen ist. Mit zwei Vertragsangeboten (eines vor Ablauf, eines nach Ablauf der Vertragszeit), so die in der Liga gängige Praxis, soll Druck zur vorzeitigen Freigabe auf den bisherigen Arbeitgeber ausgeübt werden. Bremen hat dem Druck widerstanden - auch eine Ausnahme.

Roger Wittmann oder „Rogon 04“

Daneben gibt es die Tendenz, dass Berater eine beherrschende Rolle bei Vereinen durch die schiere Zahl ihrer Klienten einnehmen - wie das Unternehmen Rogon von Roger Wittmann früher in Kaiserslautern und nun bei Schalke 04. Dorthin wechseln auch der Frankfurter Jermaine Jones, ablösefrei und für vier Jahre, sowie Torhüter Mathias Schober von Rostock. Damit ist bei Schalke in der kommenden Saison fast ein ganzes Rogon-Team im Einsatz (Branchenname: Rogon 04). Von Abhängigkeiten aber will Manager Andreas Müller nichts wissen.

Schalke ist zum Saisonende noch in einen anderen bemerkenswerten Transfer involviert. Der Tabellenführer will Heiko Westermann aus Bielefeld holen. Die Arminia verlangt vier Millionen - wenn Westermann aber mit Bielefeld absteigt, wird er zum Schnäppchen. Seine Ablösesumme ist auf 1,3 Millionen Euro festgeschrieben. Seinen Beitrag für Schalke hat Westermann aber schon am vergangenen Sonntag geleistet. Beim 3:2 der Arminia über Werder erzielte er einen Treffer.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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