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Mainzer Fußballfans : Gar nicht so lustig

„Choreo” für die MZ Army: Nicht alle Mainzer finden das lustig Bild: Claus Eckert

Eine Mainzer Fan-Gruppe, die sich zum Hooliganismus bekennt, wird mit einer „Choreo“ gewürdigt. Eine verletzter Spieler des Gegners mit Schmäh-Rufen verspottet. Auch im Karnevalsverein ist dann doch nicht alles so lustig.

          Die Erregung in der Mainzer Fanszene ist groß. Vor dem Spiel am Samstag gegen den Hamburger SV wurde eine sogenannte „Choreo“, ein den ganzen Block der treuesten Fans überspannendes Transparent, zu Ehren des 25. Geburtstags der „MZ Army“ ausgerollt. „MZ Army seit 1984 - 25 Jahre Kampf für Stadt und Verein“ stand darauf. Die Gruppe bekennt sich zum Hooliganismus, auch wenn die Aktivität deutlich zurückgegangen sein soll.

          Die „Choreo“ wurde von Fanvertretern in der Sitzung mit Verein, Polizei und Ordnungsdienst genehmigt. Die stets vor Heimspielen tagende Runde erlaubte die Aktion mit Hinweis darauf, dass die „MZ Army“ ein offizieller Fanklub ist, der an normalen Fanaktivitäten teilnimmt. Dennoch sind große Teile der Fanszene verärgert und bringen ihren Unmut im Internetforum kigges.de zum Ausdruck. Diese Anhänger, in vorderster Reihe der mit einem Protestschreiben an den Verein herangetretene Fanklub „Die Herzkaschper“, fühlen sich instrumentalisiert. Sie hätten den Text des über ihren Köpfen ausgerollten Transparents nicht lesen können, die Aktion aber in Erwartung des Spiels arglos mit enthusiastischem Beifall begleitet, obwohl sie keinerlei Verständnis für eine Würdigung der Hooligans haben.

          „Verständnis für die Verärgerung vieler Fans“

          Der Fanbeauftragte des Vereins, Christian Viering, hält die Genehmigung der „Choreo“ auch im Nachhinein grundsätzlich für unbedenklich. Eine Instrumentalisierung der unbeteiligten Fans bestreitet Viering zudem. „Wenn ein Banner gezeigt wird, heißt das nicht, dass alle in der Kurve dafür sind.“ Er räumte aber ein, dass er ein Transparent „25 Jahre Hooligans in Mainz - Alles Gute“ für unangebracht hielt. Mit diesem Spruchband machte die Mainzer Ultraszene, eine Gruppe jüngerer Fans, die die Mannschaft zu jedem Spiel begleitet, der „MZ Army“ ihre Aufwartung. Grüße von der erst Ende der neunziger Jahre in Deutschland gewachsenen Ultraszene seien aber grundsätzlich auch in anderen Stadien üblich und sagten nichts über eine Nähe zwischen den Ultras und den gewaltbereiten Hooligans aus. Über das Transparent müsse dennoch gesprochen werden.

          Für Mainz 05 - der Verein verbreitete am Montag über seine Internetseite, er habe „Verständnis für die Verärgerung vieler Fans“ - hat der Zwischenfall vom Samstag die unangenehme Folge, dass das Image des Klubs mit den stets fröhlichen und fairen Fans einen gewissen Schaden genommen hat. Dabei ist die Aktion nur der Höhepunkt eines Dauerkonflikts in der Kurve. Wie in vielen anderen Stadien auch fühlen sich am Bruchweg die „Normalos“ von den Ultras bevormundet. Diese Situation führt mehr und mehr zu Unmut in der Fanszene, was sich auf die gute Laune negativ auswirkt. Da passt es vermutlich ins Bild, dass just am Samstag der offenkundig schwerverletzte und auf einer Trage liegende HSV-Spieler Elia mit höhnischen Rufen beim Abgang vom Spielfeld begleitet wurde. Auch im Karnevalsverein ist dann doch nicht alles so lustig.

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