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Mainz-Trainer Jörn Andersen Raus aus Klopps Schatten

23.09.2008 ·  Zum Pokalspiel gegen den 1. FC Köln tritt Jörn Andersen mit Mainz 05 erstmals ins hellere Rampenlicht. Den Zweitligastart hat der Norweger mit seinem neuen Team bislang gut gemeistert - trotz aller Zweifler, die dem Nachfolger des charismatischen Jürgen Klopp eine schwere Zeit prophezeit hatten.

Von Uwe Martin, Mainz
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Bisweilen spürt man es. Etwa im Verlauf eines längeren Gesprächs, wenn über seine bisherigen Trainerstationen gesprochen wird. Dass Jörn Andersen einst beim FC Locarno als Spielertrainer tätig war, ist Nebensache, ebenso wie der Job als „U21“-Coach des FC Luzern. Fast alle in diesem Geschäft haben klein angefangen. Doch das Engagement bei Rot-Weiß Oberhausen, als seine Mannschaft im Mai 2004 den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga um nur einen Punkt verfehlte, das hängt ihm nach. (siehe auch: Jörn Andersen im Gespräch: „Mainz 05 kam zur richtigen Zeit für mich“)

Andersen fühlt sich auch mehr als vier Jahre danach um den Lohn harter Arbeit betrogen, von der Entlassung im Oktober 2004 ganz zu schweigen. Seitdem haftet dem 45 Jahre alten Norweger der Makel an, irgendwie kein Erfolgstyp zu sein. Und wurde er nicht auch als Assistenztrainer von Borussia Mönchengladbach entlassen und stieg zuletzt mit Kickers Offenbach in die dritte Liga ab? „Leute, die sich auskennen, wissen, dass ich überall einen guten Job gemacht habe“, antwortet Andersen auf die Fragezeichen. Fachkräfte sind offenbar beim Zweitligaklub Mainz 05 tätig, denn Manager Christian Heidel verpflichtete Andersen als Nachfolger des erfolgreichen, allseits beliebten Jürgen Klopp.

Skepsis ist verschwunden

Die anfängliche Skepsis im Mainzer Umfeld ist längst verschwunden. Fünf Spiele, elf Punkte, wahlweise stürmischer Offensiv-Fußball oder die konzeptionelle, geduldige Variante wie gegen den 1. FC Nürnberg, in der Summe ein Spitzenplatz in der zweiten Liga: Die Arbeit von Andersen überzeugt. Umgekehrt schwärmt der Norweger von „den Möglichkeiten“ am Mainzer Bruchweg, von den stabilen, gewachsenen Strukturen im Klub und den soliden Finanzen. Hier kann er auf Bewährtem aufbauen und muss nicht den Nothelfer geben wie zuletzt in Offenbach.

Der neue Mann hat das intakte Team um den Stürmer Aristide Bancé sowie die Verteidiger Niko Bungert und Peter van der Heyden ergänzt, Miroslav Karhan vom rechten Mittelfeld in die zentrale Position beordert und auch dem früheren Münchner und Kölner Markus Feulner eine neue Rolle im Mittelfeld zugeteilt. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Heidel. Da mag Andersen nicht widersprechen, für ihn ist Mainz 05 ohnehin der richtige Verein zur rechten Zeit. Eine Chance, auf die er recht lange warten musste.

Pokal als große Bühne

Andersen will zurück auf die große Bühne, dorthin, wo er als Bundesliga-Torschützenkönig (damals im Trikot von Eintracht Frankfurt) sowie 27-maliger Nationalspieler schon einmal gewesen ist. Als aktuelle Plattform für solche Projektionen bietet sich das DFB-Pokalspiel an diesem Dienstagabend gegen den Erstliga-Rückkehrer 1. FC Köln an. Für Andersen ein weiteres „Fest“, vier Tage nach dem Sieg gegen die Nürnberger. Die Kölner seien „deutlicher Favorit“, sagt Tüftler Andersen.

Gegen Köln wird wieder seine typische Armbewegung zu beobachten sein, die flache Hand kennt dabei nur eine Richtung: den gegnerischen Strafraum. Das scheint ein Automatismus zu sein, unabhängig vom Spielstand. Doch im Gegensatz zum Hitzkopf Klopp gibt er nicht den Irrwisch in der Coaching-Zone, und auf Vergleiche mit seinem Vorgänger lässt sich der kühl wirkende Skandinavier sowieso nicht ein.

Dass der Schatten des langjährigen Mainzer Kulttrainers lang ist, war ihm von Beginn an bewusst, er hat zu diesem Thema auch genug lesen müssen, als er im Frühsommer an den Bruchweg kam. Dass angesichts der Verehrung, die Klopp jahrelang zuteil wurde, nur ein Gegenmittel helfen würde, um von den Fans anerkannt zu werden, war klar: sportlicher Erfolg. Und den hat Andersen bisher gehabt. (siehe auch: Kommentar zu Mainz 05: Kleine Lösungen, große Erfolge?)

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