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Mainz entlässt Andersen : Gestörte Kommunikation

Sein Weg war nicht der Mainzer Weg: Für Jörn Andersen ist der Traum Bundesliga vorbei, bevor er begonnen hat Bild: dpa

Jörn Andersen muss in Mainz gehen, noch bevor die Saison überhaupt begonnen hat. Dabei wurde ihm nicht nur die Pokalpleite in Lübeck zum Verhängnis. Der bisherige A-Jugend-Trainer Thomas Tuchel übernimmt das Kommando.

          Schon am Wochenende hatte sich das von außen betrachtet überraschende Dienstende von Jörn Andersen beim FSV Mainz 05 irgendwie angekündigt. Es herrschte eine merkwürdige Ruhe rund um den Bundesliga-Aufsteiger, der sonst so offen im Umgang mit der Öffentlichkeit ist. Normalerweise hätten die Verantwortlichen mit Gesprächsbereitschaft auf die Unruhe nach der Niederlage in der ersten Pokalrunde beim Regionalligaklub VfB Lübeck am Freitagabend (siehe auch: DFB-Pokal am Freitag: Wolfsburg weiter - Mainz draußen) und die offenkundige Missstimmung in der Mannschaft reagiert. Manager Christian Heidel dagegen schwieg ganz gegen seine Gewohnheit zwei Tage lang und gab keine Stellung zur Lage in seinem Klub ab.

          Am Montag nun wurde der starke Mann der Mainzer umso deutlicher, als er die Beurlaubung des Aufstiegstrainers noch vor dem ersten Spiel der neuen Saison begründete: „Wir haben die Entscheidung nicht getroffen, weil Mainz 05 im Pokal ausgeschieden ist“, sagte Heidel. „Wir haben festgestellt, dass Jörn Andersen einen anderen Weg eingeschlagen hat, als wir ihn für richtig halten. Wir haben lange gehofft, dass sich das noch zusammenfügen lässt, aber es ging einfach nicht.“

          Der 46 Jahre alte Andersen reagierte in einer vom Verein schriftlich übermittelten und vom Trainer ausdrücklich erwünschten Erklärung sachlich: „Wir haben lange zusammengesessen, aber wir haben in unseren Auffassungen über die gemeinsame Arbeit keine gemeinsame Linie mehr gefunden. Das ist sehr schade, ich bedaure die Entscheidung. Wir gehen nicht im Bösen auseinander.“

          „Ich lebe jetzt hier meinen Traum”: Thomas Tuchel übernimmt von Andersen

          „Uns hat vom ersten Tag an die Kommunikation gefehlt“

          Andersen, der den Klub in der vergangenen Spielzeit zurück in die Bundesliga und ins Halbfinale des DFB-Pokals geführt hatte, verspielte seinen Kredit offenbar in den vergangenen Wochen der Saisonvorbereitung durch seine Art der Mannschaftsführung. Statt der in Mainz spätestens seit Jürgen Klopps Tagen geschätzten kommunikativen Art im Umgang mit den Spielern ging Andersen mehr und mehr auf Distanz. So verärgerte er etwa seine Spieler, indem er private Fotos von den Spinden in den Umkleidekabinen entfernen ließ - während er das Bilderverbot für seine eigene Kabine nicht gelten ließ.

          Zudem verzichtete er fast völlig auf Einzelgespräche und präsentierte sich auf dem Trainingsplatz als sehr harter Übungsleiter. „Diese Art mag in anderen Vereinen der richtige Weg sein, und Jörn Andersen ist wegen der Trennung nun kein schlechter Trainer, wir sind aber überzeugt, dass Mainz 05 nur bestehen kann, wenn Mannschaft und Trainer hundert Prozent einig sind und eine Einheit bilden, sagte Heidel. „Uns hat vom ersten Tag der Vorbereitung an die Kommunikation gefehlt.“

          Dieser Mangel an Kommunikationsbereitschaft sorgte nun dafür, dass Mainz 05 zu einem höchst ungewöhnlichen Zeitpunkt seinen Fußballlehrer entließ. Noch nie in der Geschichte der Bundesliga hat ein Verein nur fünf Tage vor Saisonstart die sportliche Führungskraft ausgetauscht. „Wir hätten uns natürlich auch noch zwei oder drei Wochen durchhangeln können“, sagte Heidel, der zuletzt 2001 vor der Ära Klopp zum Mittel einer vorzeitigen Trennung greifen musste. „Wir waren uns aber sicher, dass es so besser ist für uns.“

          „Ich stehe für kommunikativen Führungsstil und Teamwork“

          Neuer Chef am Bruchweg wird der 35 Jahre alte bisherige A-Juniorentrainer Thomas Tuchel, der den Nachwuchs der Mainzer im Juni erstmals zur deutschen Meisterschaft geführt hat. Tuchel spielte in den 1990er Jahren selbst bei den Stuttgarter Kickers und beim SSV Ulm in der Zweiten Bundesliga und in der Regionalliga aktiv, ehe er nach einer Knieverletzung und Sportinvalidität in den Trainerberuf wechselte. Vor einem Jahr verpflichtete der FSV ihn als Trainer der A-Junioren, seither wird er wegen seiner Fachkompetenz geschätzt - und, weil er Stärken im zwischenmenschlichen Bereich und im Umgang mit den Spielern besitzt. „Ich lebe jetzt hier meinen Traum“, sagte Tuchel bei seiner Vorstellung. „Ich stehe für kommunikativen Führungsstil und Teamwork, sehe mich aber auch als ein Fußballlehrer, der seine Handschrift auf dem Spielfeld sehen will.“

          Nach zehn Lehrjahren im Jugendbereich hat Tuchel nun seine große Chance bekommen, weil er im Verein und auch in der Fußballszene nach Angaben Heidels „sehr viel Wertschätzung“ genießt. Dies belegte der Mainzer Manager mit dem Hinweis, dass Tuchel als neuer Assistent des U-21-Nationaltrainers Rainer Adrion im Gespräch war. Tuchel bekommt einen Zweijahresvertrag. Und er darf nun Ralf Rangnick, unter dem er als Spieler in Ulm und Nachwuchstrainer in Stuttgart gearbeitet hat, duzen. „Bisher habe ich ihn gesiezt, er hat mir in seiner Glückwunsch-SMS nun das Du unter Kollegen angeboten.“

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