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Veröffentlicht: 02.02.2013, 10:48 Uhr

Mainz 05 Hoffen auf den Unberechenbaren

Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel will an diesem Samstag (15.30 Uhr) die Bayern ärgern und auf Europapokal-Kurs bleiben. Das Lob von Jupp Heynckes fällt schon im Vorfeld der Partie überschwänglich aus.

von , Mainz
© dpa Unter der Mütze steckt ein kluger Kopf: Mainz-Trainer Thomas Tuchel

Vor zwei Jahren wollte Thomas Tuchel dem übermächtigen FC Bayern München ein Rätsel aufgeben. Schön war der Plan des Mainzer Trainers nicht: Der damalige Linksverteidiger Christian Fuchs sollte den Ball direkt mit dem Anstoß ins Seitenaus nahe der gegnerischen Eckfahne schlagen. Sein Team sollte den Bayern damit signalisieren, dass Mainz 05 kein bisschen gewillt sei, sich für allzu viel Ballbesitz und kreative Spielgestaltung verantwortlich zu fühlen.

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Stattdessen sollte der Gegner schon beim ersten Einwurf im hintersten Eck der eigenen Spielfeldhälfte ein Gespür dafür bekommen, mit welcher Leidenschaft man mit aggressivem Pressing den Bayern den Spaß am Spiel rauben wollte. Das Ende vom Lied: Fuchs verlor die Übersicht und drosch den Ball aus 55 Metern übers Bayern-Tor. Tuchel tobte ob der mangelhaften Ausführung seiner Anweisung. Die Mainzer verloren sang- und klanglos 1:3.

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Beim Gastspiel der Münchner an diesem Samstag (15.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) in Rheinhessen wird Tuchel seine Anforderungen vermutlich etwas deutlicher kommunizieren, um seinen Ruf als Bayern-Schreck zu verteidigen. In den sieben Begegnungen mit dem Rekordmeister kann er bei je drei Siegen und Niederlagen sowie einem Unentschieden eine ausgeglichene Bilanz vorweisen. Nicht wenige in Fußball-Deutschland hoffen deshalb auf die Mainzer, damit wenigstens wieder etwas Spannung in die von München dominierte Spielklasse kommt. „Wir sind geehrt von der Erwartungshaltung“, sagt Tuchel. „Aber die Realität sieht so aus, dass die Bayern erst ein Gegentor auf fremden Plätzen bekommen haben.“

Sein Gegenüber am Samstag lobte ihn zumindest sehr: Er ist ein Trainer, der prädestiniert ist, irgendwann den FC Bayern zu trainieren“, sagte Jupp Heynckes am Freitag. Und auch Bayern-Star Bastian Schweinsteiger meint, dass der kommende Herausforderer sehr gefährlich sei, weil dessen Trainer so unberechenbar sei. Zwar hat Tuchel seinen Spaß an taktischen Überraschungseffekten nicht gänzlich verloren, aber tatsächlich ist Mainz gerade in dieser Spielzeit vom oftmals jugendlich beschwingten Außenseiter zur geordneten Größe mit erstaunlicher taktischer Reife geworden. So ist es gar keine wirkliche Sensation mehr, dass der Klub als Tabellenfünfter zu den Kandidaten für eine Europapokalteilnahme zählt. Die Basis für die neue Konstanz legte das Team im vergangenen Sommer mit einem von außen betrachtet überraschenden Enthaltsamkeit: Nach einer eher durchwachsenen Spielzeit mit gelegentlichem Kontakt zur bedrohlichen Abstiegszone verzichteten die Mainzer auf namhafte Verstärkungen.

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Tuchel glaubte an die Vorteile eines eingespielten Ensembles und das Potential seines Teams, das er mit Manager Christian Heidel nach einer klaren Philosophie zusammengestellt hat. „Ein typischer Mainz-05-Spieler muss, gleich welchen Alters, die Ambition haben sich weiterzuentwickeln“, sagt Heidel. „Wenn er das erfüllt, dann können wir ihm versprechen, dass er nach zwei oder drei Jahren besser ist als zuvor.“

In dieser Spielzeit trifft das auf einige Akteure zu: Adam Szalai, der gegen die Bayern wegen der fünften Gelben Karte gesperrt ist, entwickelte sich vom Stoßstürmer ohne Abschlussstärke zum bereits elfmal erfolgreichen Torjäger. Nicolai Müller hat sich vom einzig in Heimspielen gelegentlich auffälligen Flügeldribbler zum taktisch ausgereiften Offensivmann auch für die taktisch komplexeren Aufgaben in der Fremde weiterentwickelt. Jan Kirchhoff ist zwar nicht wie erhofft unumstrittener Stammspieler geworden, dafür aber empfahl er sich für einen Vertrag bei den Bayern, bei denen er vom Sommer an spielen wird. Und Routiniers wie die Innenverteidiger Nikolce Noveski und Bo Svensson oder die Mittelfeldspieleer Andreas Ivanschitz und Elkin Soto sind so gut wie nie zuvor. „Individuelle Verbesserung hängt bei uns damit zusammen, dass wir uns als Kollektiv gesteigert haben“, sagt Ivanschitz. „In dieser Gruppe wird jeder besser.“ Gegen die Bayern reicht freilich auch das noch nicht, wie Tuchel zu bedenken gibt. Gegen das „derzeit neben Barcelona talentierteste Team“ müsse seine Mannschaft auch über sich hinauswachsen. Und vielleicht zückt er dann auch noch einen Gedanken aus seiner Sammlung taktischer Kniffe. Auf den Anstoß zur Eckfahne wird er indes wohl verzichten.

Quelle: F.A.Z.

 

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