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Mainz 05 : De Jong und fünf Bewerber

Kandidiert abermals für den Vorsitz bei Mainz 05: Jürgen Doetz Bild: dpa

Mainz 05 ist in Bewegung: Für den Posten des ehrenamtlichen Vorstandsvorsitzenden beim Fußball-Bundesligaklub bewerben sich vier Herren und erstmals eine Dame. Nebenbei kommt für den Abstiegskampf ein rabiater Niederländer.

          Am Abend verdrängte dann der Fußball die Vereinspolitik aus den Schlagzeilen: Mainz 05 sichert sich die Dienste von Nigel de Jong, jenem ehemaligen niederländischen Nationalspieler, der durch einen karategleichen Brusttritt gegen den Spanier Xabi Alonso im WM-Endspiel 2010 berühmt und berüchtigt wurde. Der 33 Jahre alte ehemalige HSV-Profi soll im defensiven Mainzer Mittelfeld vermutlich endgültig ausschließen, dass die Rheinhessen wegen zu braven Auftretens in Abstiegsgefahr geraten könnten. De Jong hat freilich zuletzt bei Galatasaray Istanbul keine Rolle gespielt, seine Leistungsfähigkeit darf zumindest in Frage gestellt werden.

          Die Mitglieder von Mainz 05 haben derweil die Wahl: Wenn der Fußball-Bundesligaverein am 21. Januar einen neuen ehrenamtlichen Vereinsvorsitzenden sucht, der satzungsgemäß zugleich den Vorsitz im dreiköpfigen Vorstand übernimmt, können sich die Mitglieder unter fünf Bewerbern für einen Nachfolger des erst im vergangenen Juni gewählten, aber Anfang Dezember bereits zurückgetretenen Johannes Kaluza entscheiden.

          Diese von der Satzung festgelegte Höchstzahl an Kandidaten hat die Wahlkommission zugelassen. Nach Informationen von FAZ.NET haben weitere Kandidaten ihre Bewerbung nach Ende der Bewerbungsfrist an Heiligabend zurückgezogen, weitere Kandidaten sind offenkundig von der Wahlkommission abgelehnt worden. Eine Begründung dafür muss das Gremium nicht geben, auch die Namen sollen geheim bleiben.

          Voraussetzung für eine Zulassung ist gemäß der Vereinssatzung, dass der Bewerber „über eine mindestens zehnjährige Erfahrung in wirtschaftlichen Angelegenheiten in einer Managementposition oder einer vergleichbaren Führungsposition im Sport verfügt oder eine anerkannte Persönlichkeit des öffentlichen Lebens ist“. Angesichts dieser streng formulierten Kritierien überrascht die recht lockere Zulassungspolitik der Wahlkommission.

          Aufsichtsrätin will Vorsitzende werden: Eva-Maria Federhenn

          Neben dem wie erwartet kandidierenden langjährigen Vizepräsidenten Jürgen Doetz, der im Sommer in der Stichwahl knapp Kaluza unterlegen war, gehen Stefan Hofmann, der vor einem Jahr die sportliche Leitung des Nachwuchsleistungszentrums aus Rücksicht auf seinen Hauptberuf im rheinland-pfälzischen Wissenschaftsministerium sowie aus Gründen schwindender Motivation aufgab, der IT-Berater  Günter Neuser, einst Trainer der Alten Herren von Mainz 05 und Gründer des Fußballanalyseunternehmens optickick, sowie der weithin unbekannte und zuvor von der Wahlkommission abgelehnte Silvio Aita, der offenbar noch am Freitag nach dem Rückzug eines zuvor zur Wahl zugelassenen und in einer früheren Version dieses Artikels genannten Bewerbers namens Schäfer auf die Liste nachgerückt ist, ins Rennen um die Stimmenmehrheit.

          Kandidatin des Aufsichtsrats

          Zudem bewirbt sich erstmals in der Geschichte des Klubs eine Frau um den Vorsitz: Die stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Eva-Maria Federhenn, die im Handball-Team des Klubs gespielt und später die Handball-Abteilung geleitet hatte, bewirbt sich als Kandidatin des Kontrollgremiums um den Vorsitz. Federhenn will für die Kandidatur ihr Aufsichtsratsmandat nicht niederlegen, wie sie gegenüber FAZ.NET auf Nachfrage mitteilte. „Sollte ich am 21.1. gewählt werden, werde ich vor der Annahme der Wahl die Niederlegung meines Aufsichtsratsmandates erklären“, schreibt Federhenn weiter. Das erfordert freilich die Satzung ohnehin.

          Die Satzung gestattet eine Kandidatur eines Aufsichtsratsmitglieds, ein fader Beigeschmack bliebe indes, da Federhenn im Fall einer Niederlage schließlich den Wahlsieger kontrollieren müsste. Sie müsste auch den Mitgliedern glaubhaft machen, dass sie nicht als „Marionette“ des Kontrollgremiums, das sie vorgeschlagen hat, ins Rennen geschickt wird und somit die Gewaltenteilung im Klub untergraben könnte. Der Aufsichtsratsvorsitzende Höhne soll nach FAZ.NET-Informationen zunächst einen anderen, externen Kandidaten im Auge gehabt haben, den seine Gremiumskollegen indes nicht mehrheitlich mitgetragen haben sollen.

          „Die bisherige Zusammenarbeit mit dem Sportvorstand Rouven Schröder und den Geschäftsführern hat sehr viel Spaß gemacht, viele neue Einblicke haben sich für mich ergeben und mich aufgrund der jetzigen Situation des Vereines dazu bewegt, mehr Verantwortung zu übernehmen beziehungsweise operativ im Team mitzugestalten“, erklärt Federhenn die Beweggründe für den angestrebten Seitenwechsel..

          Federhenn dürfte, so sie ihre Rolle klärt, dank des Rückhalts des Aufsichtsrats und der aktiven Fanszene, die ihr aufgrund ihrer Handballvergangenheit schon den Sprung in den Aufsichtsrat mit ihren Stimmen ermöglicht hatte, neben Doetz die aussichtsreichste Kandidatin sein.

          Der frühere Medienmanager Doetz wiederum, der noch als Berater und Koordinator der Deutschen Content Allianz tätig ist, bringt neben seinen guten Kontakten in die Fernsehlandschaft seine Erfahrung aus mehr als einem Vierteljahrhundert im Vereinsvorstand ein. Er führte den Klub zudem im vergangenen Frühjahr interimistisch, nachdem Präsident Harald Strutz nach einer monatelangen Debatte um seine Honorierung seinen Verzicht auf eine abermalige Kandidatur angekündigt und sich aus der täglichen Arbeit zurückgezogen hatte.

          Am Sonntag in einer Woche werden sich die Kandidaten in einer Informationsveranstaltung den Mitgliedern vorstellen können.

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