07.05.2011 · Kuriose Statistik: Wenn Andreas Ivanschitz ein Tor schießt, dann gewinnt Mainz 05. Am Samstag könnte der Österreicher Mainz 05 im Auswärtsspiel bei Schalke 04 in die Europa League schießen.
Von Daniel Meuren, MainzStatistiken können im Fußball heftig in die Irre leiten. Oder sie können Daten zutage fördern, die kaum wirklich erklärbar sind. So verhält es sich auch bei Andreas Ivanschitz. Der österreichische Spielmacher hat in seinen beiden Spielzeiten bei Mainz 05 neun Tore erzielt, achtmal schoss er jeweils den ersten Treffer auf dem Weg zu einem Sieg. Der Linksfuß trug also ganz maßgeblich zum Gewinn von 25 Punkten bei. „Das stimmt schon, dass ich häufig das 1:0 gemacht habe in meiner Zeit in Mainz“, sagte Ivanschitz nun nach dem Führungstor beim 3:0-Sieg seines Teams gegen Eintracht Frankfurt. „Ich habe keine Ahnung, woran das liegt. Aber schön ist das auf jeden Fall.“
Ivanschitz ist also ein Spieler für die frühe Führung. Dass er zugleich ein Führungsspieler bei Mainz 05 ist, würde man hingegen beim Blick in die persönliche Statistik eher nicht vermuten: Lediglich 18 Einsätze hat er in dieser Spielzeit auf dem Konto, zehnmal nur durfte er von Beginn an spielen, spärliche zweimal stand Ivanschitz über 90 Minuten auf dem Platz. Die Beobachter haben deshalb immer wieder spekuliert, dass das Verhältnis zwischen Trainer Thomas Tuchel und seinem österreichischen Edeltechniker gestört sei. Als Indizien dienten regelmäßige Nichtberücksichtigung für die Startelf und eine Auswechslung in einem bedeutungslosen Spiel am Ende der vergangenen Saison, in dem Ivanschitz erst als Einwechselspieler zum Zuge kam. So etwas wird in der Fußballspielersprache „Höchststrafe“ genannt. Teamkameraden von Ivanschitz empfanden die Maßnahme des Trainers damals als einen Wink mit dem Zaunpfahl. Der Trainer habe seinem Spieler unmissverständlich einen Abschied aus Mainz nahegelegt. Stattdessen hat Ivanschitz zwischenzeitlich gar einen Verbleib bis 2013 vertraglich fixiert.
Der Fußballlehrer wie sein spielerisch vielleicht begabtester Schützling beteuerten immer, dass es keine Misstöne zwischen ihnen gebe. Ivanschitz betonte stattdessen stets, dass er sehr große Wertschätzung des Trainers spüre. Und kürzlich erst bezeichnete Tuchel seinen Spieler sogar als einen seiner vier Führungsspieler. Dieser Stellenwert hat bei dem 37 Jahre alten Trainer nicht unbedingt zu tun mit Einsatzzeiten und Stammspielerstatus, sondern im Fall von Ivanschitz sehr viel mit der Einstellung zum Beruf, seiner Fähigkeit zur Selbstkritik und dem Respekt im Mannschaftskreis. Dort wird seine Meinung beachtet, seine Anwesenheit auf dem Spielfeld von vielen wegen der positiven Ausstrahlung erwünscht.
Spannungsverlust nach dem frühen Jubel
So war es auch in Halbzeit eins des Prestigeduells gegen die Eintracht. Immer wieder war Ivanschitz mitten im Geschehen, immer wieder suchte er das Zusammenspiel vor allem mit der Sturmspitze Florian Heller. „Wir haben eine perfekte erste Hälfte gespielt mit einer 3:0-Führung, wie es uns selbst in dieser Saison noch nicht gelungen ist“, sagt Ivanschitz. Anschließend ließen die Mainzer die Zügel etwas schleifen - und Ivanschitz gönnte sich wie große Teile seiner Teamkameraden eine zweite Halbzeit im Schongang. Genau dieses Nachlassen nach gutem Beginn freilich kritisiert Tuchel an seinem Spielmacher, dessen menschliche Qualitäten er so sehr schätzt.
So begründete er beispielsweise die Auswechslung beim 1:0-Sieg in Hoffenheim vor wenigen Wochen (den Siegtreffer erzielte natürlich der Österreicher) damit, dass Ivanschitz an Körperspannung und Handlungskonsequenz verloren habe nach seinem frühen Treffer. Womöglich liegt es an diesem nur mental und nicht konditionell zu erklärenden Formabbau, dass ihm in Mainz noch kein einziges Mal ein Doppelpack gelang.
An diesem Mangel will Ivanschitz, der auch im Auswärtsspiel bei Schalke 04 am Samstag (15.30 Uhr/ FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) gesetzt sein dürfte, nun arbeiten. Mittelfristig sollte ihm entgegenkommen, dass er in der kommenden Spielzeit mehr Einsatzzeit bekommen dürfte. Lewis Holtby und André Schürrle, die beiden anderen auf der Spielmacherposition eingesetzten Mitspieler, verlassen Mainz 05 in Richtung Schalke und Leverkusen. Für Ivanschitz, angesichts von 49 Länderspielen für die österreichische Nationalmannschaft, Einsätzen in der Champions League und im Uefa-Pokal der international erfahrenste Mainzer, ist also der Weg frei zum lange vermissten Stammplatz.