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Magath und der FC Bayern Ein Jahr auf Bewährung

10.10.2006 ·  Das Image von Bayern-Trainer Felix Magath hat gelitten. Kritik und kuriose Gerüchte machen die Runde. Magath scheint dagegen unbeeindruckt von der Diskussion um seine Person. Er mache sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz, sagt er.

Von Elisabeth Schlammerl
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Wenn die Blätter von den Bäumen fallen, die Tage deutlich kürzer werden und langsam von kurzärmeligen auf langärmelige Trikots im Fußball umgestellt wird, dann ist es beim FC Bayern München mal wieder Zeit für einen ordentlichen Herbststurm. In dieser Saison haben zwei Niederlagen in nur sechs Bundesliga-Spieltagen das Umfeld in den Zustand höchster Besorgnis versetzt, gerade so, als ob sich die Bayern in akuter Abstiegsnot befinden würden.

Dabei sind sie Vierter, punktgleich mit Spitzenreiter Hertha BSC Berlin. Kapitän Oliver Kahn kennt das bayerische Phänomen bestens, vermutlich deshalb hat er sich in der vorherigen Woche zu Wort gemeldet: „Es ist gar nichts passiert. Wegen der Tabelle mache ich mir gar keine Sorgen.“

Kritische Töne

Die Diskussion, in deren Mittelpunkt Trainer Felix Magath steht, werden nicht nur von außen geschürt, sondern auch intern angefacht, weil die geballte Fußball-Kompetenz an der Spitze des deutschen Rekordmeisters hier und da gerne ein paar Sätze fallenläßt, die viel Interpretationsspielraum erlauben. Die kritischen Töne betreffen zwar in erster Linie die Mannschaft, aber natürlich gelten sie auch immer dem Trainer als Sportlichem Leiter.

Tatsächlich gibt es ganz offensichtlich seit der vergangenen Saison in der Chefetage Bedenken, ob Magath den FC Bayern wie einst Ottmar Hitzfeld an Europas Spitze führen kann. Damals, 1999 und 2001, war die Mannschaft auch nicht mit den besten Spielern der Welt bestückt, aber eben ausgestattet mit enormem Siegeswillen und gutem Teamgeist, was derzeit ein wenig vermißt wird in München. Offen wurde nie über die Zweifel geredet, aber es gab und gibt kleine Indizien, die darauf schließen lassen, daß Magath in dieser Saison auf Bewährung trainiert. Vor allem international, aber nach dem Umbau sicher auch national. Auch bei den stets besonders kritischen Bayern-Fans hat das Image des Trainers in den vergangenen Monaten gelitten, trotz der Wiederholung des Doubles.

Kahn: Trainerdiskussion „absoluter Blödsinn“

Ein derart erfolgreicher Einstieg wie Magath mit vier Titeln in den ersten beiden Jahren ist noch keinem Trainer in München gelungen, und dennoch ist er nicht unumstritten. Intern und in der Öffentlichkeit. Es wird viel interpretiert und spekuliert, und es verging in der vergangenen Woche kaum ein Tag, an dem nicht irgendwer irgend etwas zur Situation bei Bayern zu sagen hatte. Stürmer Lukas Podolski ließ zum Beispiel wissen, daß der Bayern-Trainer bisher nicht viel mit ihm geredet habe und auch nicht ins Training eingreife (Siehe auch: Bayern München: Funkstille zwischen Podolski und Magath).

Dann gab es höchst kuriose Gerüchte, wonach Marco van Basten oder gar Christoph Daum Magath beerben könnten. Deshalb hat sich Oliver Kahn wohl bemüßigt gefühlt, für Magath einzutreten. Über den Trainer zu diskutieren, erklärte der Torhüter, „ist absoluter Blödsinn“. Die Verantwortlichen, sowohl Manager Uli Hoeneß als auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, hingegen haben nichts mehr dazu gesagt. Was ja auch einiges aussagt.

Magaths schützende Hand

Magath ist nicht ganz unschuldig daran, daß seine Erfolge zuwenig gewürdigt werden. Seine Aussagen nach nicht besonders guten Spielen klangen bisher oft nach Alibi und Schönfärberei. Am eklatantesten war dies nach der blamablen Niederlage in der Champions League beim AC Mailand im vergangenen März. Statt die desolate Leistung zu kritisieren, beklagte er sich damals lieber über den Schiedsrichter. Er versuchte, die Spieler zu schützen, schadete sich aber selbst. Rummenigge riet ihm deshalb jüngst eindringlich, den Spielern keine Ausreden zu geben.

Magath überrascht auch mit ungewöhnlicher Personalpolitik. Oft geht es gut, wie in der Champions League gegen Spartak Moskau, als er trotz eines Systems mit drei Stürmern auf den bisher international erfolgreichsten, Roy Makaay, verzichtete. Sein Mut wurde belohnt. Auch in Wolfsburg war sein kurioses Wechselspiel für viele nicht nachvollziehbar, aber dieses Mal ging es gründlich schief. Denn weder der eingewechselte Roque Santa Cruz, der seinen Bonus in dieser Saison ohnehin kaum einmal gerechtfertigt hat, noch der ohnehin nicht mit besonderen Beißer- und Kämpfer-Qualitäten ausgestattete Ali Karimi halfen in dieser Situation der Mannschaft.

Umorientierungsphase nach der Ära Ballack

Natürlich gibt es Gründe, warum es beim FC Bayern noch nicht rund läuft. Tatsächlich ist die verkorkste Saisonvorbereitung wegen des WM-Urlaubes der Nationalspieler dieses Mal besonders problematisch, weil die Mannschaft auch noch in einer Umorientierungsphase ist nach dem Weggang von Michael Ballack. Die Systemumstellung im Mittelfeld braucht Zeit. Aber das immer wieder zu betonen ist keine Lösung und gibt den Spielern tatsächlich ein Alibi. Vielleicht hat Magath eingesehen, daß ein Schutzschild der Mannschaft derzeit eher schadet als hilft. Jedenfalls hat er vor ein paar Tagen seine Stürmer kritisiert. „Sie brauchen mehr Durchsetzungsvermögen.“

Wenn Magath in München scheitern sollte, dann sicher nicht am fehlenden nationalen Erfolg, womöglich auch nicht daran, daß die Mannschaft in der Champions League nicht mithalten kann mit den Großen Europas. Die Ansprüche gehen beim FC Bayern über das Titeldenken längst hinaus. Vorstand und Fans wollen mehr, als jedes Jahr mit ergebnisorientiertem Minimalismus das nationale Maximum zu erreichen. Sie wollen ein Spektakel erleben. Aber an dieser Vorgabe sind die Trainer in München reihenweise gescheitert. Eigentlich alle, selbst unter Beckenbauer war der Erfolg das Wichtigste und Spektakuläres höchst selten.

Keine Sorgen um den Arbeitsplatz

Aber vermutlich kann sich der Chefgrantler der Bayern nicht mehr erinnern, sein letztes Teamchef-Intermezzo auf der Münchner Bank liegt ja auch schon mehr als zehn Jahre zurück. Außerdem dürfte auch Hoeneß und Rummenigge klar sein, daß es unmöglich ist, spielerisch eine ganze Saison auf hohem Niveau zu glänzen.

Magath scheint unbeeindruckt von der Diskussion um seine Person. Er mache sich keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz, sagt er. Und so, wie er das sagt, hat er daran auch keinen Zweifel.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2006, Nr. 40 / Seite 19
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