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Leon Goretzka : Ein Bochumer Junge für die große Fußballwelt

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Wie lange ist Leon Goretzka noch im Bochumer Trikot zu sehen? Bild: picture alliance / dpa

Leon Goretzka ist erst 17 Jahre alt und weckt schon das Interesse von Real, Bayern und Dortmund. Er gilt als eines der größten Talente des deutschen Fußballs - und hat keine Eile, den VfL Bochum zu verlassen.

          Im Ruhrgebiet ist Leon Goretzka schon jetzt ein Star - mit gerade einmal 17 Jahren. Viele glauben, dass man seinen Namen bald in ganz Deutschland kennt. Goretzka gilt als eines der größten Talente des deutschen Fußballs. In diesem Jahr hat der Spieler des Zweitligaklubs VfL Bochum die Fritz-Walter-Medaille als bester Spieler seines Jahrgangs erhalten. Vor drei Jahren bekam diese Auszeichnung Mario Götze. Die Medien - nicht nur in Bochum - haben begonnen, sich für den jungen Mann zu interessieren. „Gefühlt wollen hundert Journalisten mit ihm sprechen“, sagt Christian Schönhals, der Pressesprecher des VfL Bochum.

          Doch Goretzka selbst scheint der Wirbel um seine Person nicht besonders zu stören. Er wirkt völlig entspannt, als er vor der Winterpause in seinem Klassenzimmer am Alice-Salomon-Berufskolleg in Bochum sitzt und die Fragen der Journalisten beantwortet. Dass auch ein Fernsehteam zu dem Sammeltermin gekommen ist, um den Abiturienten zu filmen - für Goretzka scheint es eine seiner leichtesten Übungen zu sein.

          „Sagen Sie ruhig die Wahrheit, sagen Sie, was Sie denken“, ruft er seiner Klassenlehrerin zu, und Ulla Kaupp, die wie all die anderen im Raum laut lachen muss, fällt es nicht schwer, auf die Frage zu antworten: Was ist Leon denn nun für ein Schüler? „Ich habe meine Freude an ihm“, sagt sie. Trotz der fast 300 Fehlstunden im vergangenen Jahr. Dass Leon Goretzka kein gewöhnlicher Schüler ist, weiß Ulla Kaupp natürlich, und deshalb ist sie auch nicht verärgert, wenn er mal nicht zum Unterricht erscheint. „Ich schicke ihm deshalb manchmal Mails mit Aufgaben zu“, sagt seine Lehrerin, doch das solle man nicht missverstehen: „Ich bin nicht seine Sekretärin.“

          Wie jemand, der bevorzugt behandelt werden muss, kommt Leon Goretzka ohnehin nicht daher. Geduldig und wortgewandt spricht er über seine Karriere und die Doppelbelastung Fußball und Schule. „Natürlich ist es manchmal stressig“, sagt er. „Aber mit der richtigen Unterstützung ist alles machbar.“ Er erzählt, dass er vor der Saison nicht damit gerechnet habe, in 19 Spielen 18 Mal von Beginn an dabei zu sein; dass er inzwischen nur noch ab und an Autogramme schreibe an seiner Schule, weniger als am Anfang, als ihm ständig ein Trikot hingehalten wurde. Und dass er kürzlich seinen Führerschein bestanden habe. Begleitetes Fahren. Erst am 6. Februar wird Leon Goretzka 18 Jahre alt.

          „Alles, was er sagt, ist wohlüberlegt“

          Als „ruhig und zurückhaltend“ beschreibt ihn Ulla Kaupp. „Alles, was er sagt, ist wohlüberlegt.“ Das zeichnet ihn auch auf dem Spielfeld aus, seine Trainer schwärmen von ihm. Dariusz Wosz etwa, ehemaliger Nationalspieler und Goretzkas A-Jugend-Coach, hält ihn für einen „Ausnahmespieler, wie ich ihn bislang noch nicht hatte“. Trotz seiner Größe von 1,89 Meter bewegt sich Goretzka elegant über den Rasen, er paart Dynamik mit Ballgefühl, Kondition mit Torgefahr. Und weil er schon jetzt über ein so großes Spielverständnis verfügt, wird er häufig auf der wichtigen Position im zentralen defensiven Mittelfeld eingesetzt.

          „Dort sehe ich mich auch am stärksten“, sagt der deutsche Junioren-Nationalspieler, dem besonders die Spielweise von Toni Kroos (Bayern München) imponiert: „Wir sind ähnliche Spielertypen, leider habe ich Toni noch nicht privat getroffen.“ Dabei helfen könnte ihm sicher Hermann Gerland. Der Assistenztrainer der Bayern, der auch 16 Jahre lang beim VfL Bochum aktiv war und nach wie vor gute Kontakte ins Ruhrgebiet pflegt, hatte vor einigen Monaten gesagt, dass er sich für eine Verpflichtung des Talents einsetzen wolle. Doch noch hat sich in der Sache nichts getan. „Es gab bisher keinen Kontakt“, versichert Goretzka, der in Vertragsangelegenheiten von seinem Vater beraten wird.

          Noch fühlt sich der 17-Jährige im Kreis seiner Bochumer Mitspieler wohl

          Die Bayern können sich den Anruf aber erst mal sparen, denn die Nachwuchshoffnung mit den Leistungskursen Sport und Biologie hat genaue Vorstellungen, wie die Zukunft aussehen soll: 2014 das Abitur, mindestens bis dahin will er auch für Bochum spielen: „So ist es geplant.“ Daran könnte sich höchstens dann etwas ändern, falls der VfL in die dritte Liga absteigt: „Dann ist ein Wechsel nicht ausgeschlossen“, sagt Goretzka, dessen Vertrag bis 2016 datiert ist.

          Aber zu den Bayern? „Es ist nicht mein Ziel, bei Bayern oder Dortmund auf der Bank zu sitzen.“ In dieser Woche bekundete auch Hannover 96 offiziell sein Interesse. Sogar Real Madrid interessiert sich für das Bochumer Juwel, wie VfL-Manager Jens Todt bestätigte. „Aber das Ausland ist noch mal ein deutlich größerer Schritt, das sollte man sich gut überlegen“, sagt Goretzka.

          „Ich muss sehen, dass ich regelmäßig spiele“

          Er weiß, dass ein Wechsel zu einem großen Verein wohl noch zu früh kommen würde, auch wenn er zugibt, dass es „wahnsinnig ist, wenn man vom Interesse solcher Klubs hört“. Die Entwicklung von Mitchell Weiser (vor der Saison vom 1. FC Köln zu Bayern München gewechselt und nun nach Kaiserslautern verliehen) oder Leonardo Bittencourt (von Energie Cottbus zu Borussia Dortmund), die meist nur in der Reservemannschaft eingesetzt werden, ist ihm eine Warnung: „Ich muss sehen, dass ich regelmäßig spiele.“ Bei seiner Klasse wird es ihm nicht schwerfallen, einen passenden Klub zu finden.

          Angebote gibt es reichlich. Zunächst aber geht es nur um den Klassenverbleib mit dem VfL Bochum, für den Goretzka seit der F-Jugend spielt, weshalb er es als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet: „Wir haben im Moment eine schwierige Phase, nur darauf konzentriere ich mich.“ Der VfL ist vor dem Rückrundenstart an diesem Freitag in Aalen (18.00 Uhr / Live im 2. Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) Tabellen-Fünfzehnter - gut möglich, dass Goretzka schon bald in einer anderen Liga spielt.

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