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Labbadias Entlassung : Dumm gelaufen

Bobic (l.) über Labbadia: Mannschaft nicht mehr erreicht Bild: dpa

„Dumm und respektlos“, fand Bobic die Frage, ob Labbadia sich als Trainer sicher fühlen könne. Kurz danach war geklärt, was Worte und Verträge wert sind.

          Dumm und respektlos - so könnte man mit etwas Angriffslust die Entlassung von Bruno Labbadia beim VfB Stuttgart nennen. Das Vokabular passt zum Verein, denn genauso, „dumm und respektlos“, fand Sportvorstand Fredi Bobic am Tag vor der Trennung die Frage, ob Labbadia sich noch sicher fühlen könne. Ein paar Stunden später war geklärt, was Worte oft wert sind, wenn es um Verträge von Trainern geht.

          Labbadias ist bis 2015 gültig, was ebenfalls nicht allzu schlau erscheint. Wer im Januar eine Weiterbeschäftigung für die nächsten zwei Jahre zusichert und im August umfällt, hat entweder zu volle Kassen, oder er ist leichtfertig und sprunghaft. Weil sich der überschaubar ausgestattete VfB Geldverbrennungen eigentlich nicht leisten kann, kommt die erste Variante nicht in Frage.

          Von Volkes Stimme treiben lassen

          Bobic hat sich, wie so viele Rausschmeißer in der Bundesliga vor ihm, wohl auch von Volkes Stimme treiben lassen, sofern besonders laute Fans schon als ganzes Volk durchgehen. Er betonte aber lieber, Labbadia habe seine Mannschaft nicht mehr erreicht, was weder messbar noch überprüfbar ist. Aber auch Bobic kann nicht ernsthaft annehmen, dass sich Labbadias Nachfolger Thomas Schneider vor dem Rückspiel in den Play-offs der Europa League am Donnerstag gegen Rijeka seriös mit seiner neuen Mannschaft auf dieses wichtige Spiel vorbereiten kann. Er hat mit der Trennung, ganz alter Fußballer, nicht etwa geduldig bis zur baldigen Länderspielpause gewartet, wofür einiges gesprochen hätte, er setzt vielmehr auf den branchentypischen Wunderglauben: Ein neuer Trainer tritt zur Tür herein, plötzlich geht die Sonne auf, was vorher misslang, klappt plötzlich - und alles wird wieder gut. Im besten Fall binnen weniger Tage.

          Vielleicht ist man bei einem Hire-and-fire-Verein wie diesem, der in den vergangenen zwanzig Jahren achtzehn Trainer beschäftigt hat, besonders anfällig für solche Anachronismen - begleitet von den typischen Phrasen, in denen sich Handbremsen lösen, Glauben zurückkehrt, frischer Wind weht und Böcke umgestoßen werden.

          Labbadia, der den VfB seit Ende 2010 nacheinander vor dem Abstieg gerettet, in den Europapokal geführt und ins deutsche Pokalfinale gewuchtet hatte, hat in der noch kurzen Saison ein Pokalspiel gewonnen, drei Partien in der Bundesliga und eine im Europapokal verloren, jeweils mit einem Tor Unterschied. Er trug den Sparkurs des VfB mit, verwaltete den Mangel und regte sich bisweilen über fehlenden Respekt auf. Jetzt ist sein Kader verstärkt worden, aber er muss gehen. Dumm gelaufen.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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          Quelle: F.A.Z.

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